Tag der Zivilcourage am 19. September in Magdeburg

Aktion, Information, Musik und ein Courageautomat

 

Am 19. September beteiligt sich Magdeburg an dem bundesweiten Tag der Zivilcourage und wird das Thema Zivilcourage auf die Straßen bringen.

 

Zum Programm im einzelnen:

18. September
19.00 Uhr “Courage zeigen – Eine musikalische Lesung“. Sebastian Krumbiegel singt ein Benefizkonzert in der Feuerwache für die neue Synagoge in Magdeburg (Vorherige Kartenbestellung in der Feuerwache notwendig)

19. September
16.30 Uhr Bilderbuchkino “Der schaurige Schusch” in der Zentralbibliothek
Ab 17.00 Uhr Programm und Informationen im „schauwerk.“ (Kinderschminken und Präsentation von Vereinen und Verbänden). Kleine Aufgaben, die zu Mut im Alltag anregen, können aus einem Courageautomaten gezogen werden.
17.00 Uhr Podiumsgespräch “Zivilcourage on the road” mit Kriminalrat a.D. Lothar Schirmer, Christine Böckmann von „otto greift ein“, Sebastian Wolf, Bereichsleiter der MVB-Fahrschule im „schauwerk.“
Ab 18.00 Uhr Livemusik mit „Legal Action“ im „schauwerk.“
19.19 Uhr „Konzert zur Magdeburger Moderne und Jetztzeit… 1919-2019“ mit Musiker*innen des Konservatoriums im Konservatorium
(Der Kulturelle Auftakt am Breiten Weg / Ecke Ernst-Reuter-Allee entfällt!)

Vielen Dank den Aktiven und Kooperationspartnern:
Bundesnetzwerk Zivilcourage
Coworkingspace „schauwerk.“ des Instituts für Industrial Design der Hochschule Magdeburg-Stendal
DGB
Förderverein Neue Synagoge Magdeburg e.V.
Freiwilligenagentur Magdeburg
Hochschule Magdeburg-Stendal
Improtheater Taktlos
Internationaler Versöhnungsbund e.V. Regionalgruppe Magdeburg
Konservatorium Georg Philipp Telemann
Netzwerkstelle Demokratisches Magdeburg bei Miteinander e.V. („otto greift ein“)
PAKK e.V./ Feuerwache
Stadtbibliothek Magdeburg
Studierendenrat der Hochschule Magdeburg-Stendal
Theaterkiste Magdeburg

Neben Magdeburg wird es am Tag der Zivilcourage u.a. Aktivitäten geben in: Augsburg, Bad Aibling, Berlin, Bremen, Bielefeld, Buxtehude, Frankfurt/Main, Gießen, Heidelberg, Kaiserslautern, Köln, Mainz, Mannheim, München, Paderborn, Pirna, Stuttgart, Wuppertal sowie im Internet.
Das Bundesnetzwerk Zivilcourage ist ein Zusammenschluss unterschiedlicher Vereine, Institutionen, Stiftungen und Einzelpersonen, die sich für eine zivilcouragagierte Gesellschaft stark machen. Der bundesweite Tag der Zivilcourage wird koordiniert durch das Courage! Office von Fabian Salars Erbe e.V. aus Bensheim an der Bergstraße.

Die Aktivitäten in Magdeburg werden gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie in der Landeshauptstadt Magdeburg im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung

Aufruf von #unteilbar

„Es findet eine dramatische politische Verschiebung statt: Rassismus und Menschenverachtung sind gesellschaftsfähig. Was gestern mehrheitlich noch undenkbar war und als unsagbar galt, ist heute Realität. Humanität und Menschenrechte, Religionsfreiheit und Rechtsstaat werden offen angegriffen. Es ist ein Angriff, der uns allen gilt.
Wir wissen um die Bedeutung der Landtagswahlen in Sachsen und der sächsischen Verhältnisse für die Auseinandersetzung um den bundesweiten Rechtsruck.
Ganz Europa ist von einer nationalistischen Stimmung der Entsolidarisierung und Ausgrenzung erfasst. Kritik an diesen unmenschlichen Verhältnissen wird gezielt als realitätsfremd diffamiert. In dieser Situation lassen wir nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden. Wir halten dagegen, wenn Grund- und Freiheitsrechte weiter eingeschränkt werden sollen.
Während der Staat sogenannte Sicherheitsgesetze verschärft, die Überwachung ausbaut und so Stärke markiert, ist das Sozialsystem von Schwäche gekennzeichnet: Menschen leiden darunter, dass viel zu wenig investiert wird, etwa in Bildung, Pflege und Gesundheit, in den Kampf gegen die ökologische Krise, in öffentlichen Nahverkehr, Kinderbetreuung und Jugendkultur. Während ländliche Infrastruktur massiv unterfinanziert ist und die Menschen in die urbanen Zentren drängen, fehlt es in den Großstädten an bezahlbarem Wohnraum. Die Umverteilung von unten nach oben wurde durch die Wendekrise, Agenda 2010 und Finanzkrise massiv vorangetrieben. Steuerlich begünstigte Milliardengewinne der Wirtschaft stehen einem der größten Niedriglohnsektoren Europas und der Verarmung benachteiligter Menschen gegenüber.

Nicht mit uns – Wir halten dagegen!
„Für ein offenes Land mit freien Menschen“ unter diesem Banner gingen ́89 Menschen in Sachsen auf die Straße. Diese Botschaft hat bis heute nicht an Relevanz verloren und soll in diesem Sommer auf die Straßen zurückkehren. So treten wir ein für eine offene und solidarische Gesellschaft, in der Menschenrechte unteilbar und vielfältige und selbstbestimmte Lebensentwürfe selbstverständlich sind – in Sachsen, Deutschland und weltweit. Wir stellen uns gegen jegliche Form von Diskriminierung und Hetze. Gemeinsam treten wir Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus, Antiromaismus, Antifeminismus und LGBTTIQ*-Feindlichkeit entschieden entgegen. Menschen die auf die Solidarität der Gesellschaft angewiesen sind, dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Gleichwertigkeit aller in ihrem Ansehen und ihren Möglichkeiten ist nicht verhandelbar. Allen hier lebenden Menschen muss gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden.

Wir sind jetzt schon viele, die sich einsetzen:
Ob an den Außengrenzen Europas, ob vor Ort in Organisationen von Geflüchteten und in Willkommensinitiativen, ob in queer-feministischen, antirassistischen Bewegungen, in Migrant*innenorganisationen, in Behinderten- oder Kinderrechtsorganisationen, in Gewerkschaften, in Verbänden, NGOs, Religionsgemeinschaften, Vereinen und Nachbarschaften, ob in dem Engagement gegen Wohnungsnot, Verdrängung, Pflegenotstand, gegen Überwachung und Gesetzesverschärfungen, gegen die Entrechtung von Geflüchteten und für Klimagerechtigkeit – seit dem Herbst der Solidarität sind Hunderttausende Menschen für eine solidarische Gesellschaft auf die Straßen gegangen – an vielen Orten haben sich Menschen aktiv für eine Gesellschaft der Vielen eingesetzt. Diesen Aufbruch sozialer Bewegungen werden wir in diesem Sommer fortschreiben.
… Als Höhepunkt ist eine Großdemonstration mit bundesweiter Mobilisierung am 24. August 2019 in Dresden geplant. Dazwischen wollen wir mit der #WannWennNichtJetzt Konzert- und Marktplatztour in Plauen, im Erzgebirge, in Zwickau, Grimma und Bautzen kooperieren. So werden wir an verschiedenen Orten lokal aktiv sein und in einer großen bundesweiten Mobilisierung in Dresden zusammenkommen.

Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung in ganz Sachsen und weit darüber hinaus!
Für ein Europa der Menschenrechte und der sozialen Gerechtigkeit!
Für ein solidarisches und soziales Miteinander in Sachsen statt Ausgrenzung und Rassismus! Für das Recht auf Schutz und Asyl – Gegen die Abschottung Europas!
Für eine freie und vielfältige Gesellschaft!
Solidarität kennt keine Grenzen!

„Elf Jahre Leben, die fehlen“

„Es ist nun elf Jahre her, dass Rick Langenstein hier an dieser Stelle zu Tode kam.
Elf Jahre sind vergangenen, in denen die anderen Schüler*innen seines Jahrgangs ihr Leben gelebt, ihren Weg ins Leben gegangen sind.
Elf Jahre Leben, die Rick Langenstein fehlen, weil er von einem Neonazi zu Tode geprügelt, sein junges Leben zerschmettert wurde.“
(aus der Gedenkrede zum 11. Todestag von Rick Langenstein)

16. August: Gedenken zum 11. Todestag von Rick Langenstein

Für Freitag, den 16. August 2019, lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zum Gedenken für den vor elf Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein ein. Das Gedenken beginnt um 16.00 Uhr am Gedenkstein im Hektorweg, Ecke Pallasweg im Stadtteil Reform.

Zum Hintergund
In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20jährige Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek „Funpark“ (Magdeburg-Reform) so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung vorbestraften Rechtsextremen fest. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den bekennenden Neonazi zu acht Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags und Diebstahls. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der 19jährige den angehenden Kunststudenten Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek so brutal misshandelte, dass er noch am Tatort starb.
Familienangehörige und Freund*innen von Rick Langenstein fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie von verschiedenen Institutionen der Zivilgesellschaft sowie der Landeshauptstadt Magdeburg. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen. Der Gedenkstein wurde 2009 wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.

Zum neuen Stadtrat

Heute zieht eine Fraktion in den Stadtrat ein, die ihrem Wahlprogramm zufolge beim Thema Zuwanderung die „Festung Magdeburg wieder errichtet“ haben will (S. 12), beim Thema Sicherheit die Gründung von Bürgerwehren fördern will (S. 14) und beim Thema Kultur „Kulturprojekten im Zeichen von ,Multikulti´, ,Vielfalt´, ,Toleranz´ und ,Weltoffenheit´ jegliche finanzielle Unterstützung“ entziehen will (S. 23).
Wir sagen stattdessen: Magdeburg ist ein Ort, an dem Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Aufenthaltsstatus, sexueller Orientierung oder anderer Merkmale verschieden sein und friedlich zusammenleben können. Wir alle stehen gemeinsam für ein weltoffenes, menschenfreundliches und demokratisches Magdeburg. Wir wenden uns entschieden gegen alle Versuche, Menschen oder Gruppen von Menschen zu diskriminieren oder ihnen die Menschenrechte zu verweigern.
Die Antifaschistische Zukunft ruft darum dazu auf, heute ab 13h00 vor dem Alten Rathaus ein Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art zu setzen. Wir finden das gut.