10. und 11. November: Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Für den 10. November rufen die Evangelische Jugend der EKM und der DGB Sachsen- Anhalt dazu auf, ein sichtbares Zeichen zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und Erinnerung der Novemberpogrome 1938 zu setzen. „1938 waren Menschen mit Fackeln unterwegs. Sie steckten Synagogen an. Sie warfen Steine in jüdische Geschäfte. Sie grölten, sie schlugen, sie töteten. … Es ist heute, im Jahr 2018 unerträglich mit anzusehen, dass wieder Fackelmärsche im November in Magdeburg veranstaltet werden. In Solidarität mit den Opfern und im Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus, beziehen wir Position im Heute für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft und Mahnen der Vergangenheit.“
Beginn der Mahnwache am 10. November ist um 18.00 Uhr am Mahnmal der zerstörten Synagoge.

Ebenfalls am 10. November wird im Dom zu einem Meditationsweg zu Christen und Juden in der Geschichte Magdeburgs stattfinden. Beginn ist um 17.30 Uhr in der Ernstkapelle im Dom.

Das Gedenken an die Novemberpogrome findet wegen des Schabbat am 11. November statt. Beginn ist um 14.30 Uhr im Forum Gestaltung. Anschließend gibt es einen Gedenkweg zum Synagogenmahnmal, um Kerzen und Blumen niederzulegen. Danach geht es zum zukünftigen Standort der neuen Synagoge.

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Die Psychologie des Hasses

Fortbildung zur Psychologie von Hate Speech am 26. September von 14.00-19.00 Uhr im Roncalli-Haus

 

 

In der Debatte um Hass und Hate Speech im Internet geht es meist um die Frage, wie man dem strategisch und politisch begegnen kann und wie eine Gegenrede aussehen sollte.
In dieser Fortbildung wollen wir beim Thema Hate Speech einen Perspektivwechsel vorneh-men: Wie kommen Menschen dazu, Hate Speech zu äußern und andere Menschen in der Onlinekommunikation zu hassen? Welche psychologischen Prozesse wirken dort und wie werden diese durch die Gegebenheiten des Internets verstärkt?
Zur Teilnahme eingeladen sind alle, die professionell oder ehrenamtlich mit Hate Speech, Gegenrede oder pädagogischen Fragen zu tun haben und sich für ein demokratisches und weltoffenes Zusammenleben in Magdeburg einsetzen.
Anmeldung bis zum 20. September per Email bei der Netzwerkstelle Demokratisches Magdeburg bei Miteinander e.V.
Die Veranstaltung wird organisiert und finanziert durch die „Partnerschaft für Demokratie“ in der Landeshauptstadt Magdeburg.
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu der Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

180926 Psychologie des Hasses

Zehnter Todestag von Rick Langenstein

Für Donnerstag, den 16. August 2018, lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zu einer Gedenkstunde für den vor zehn Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein ein. Das Gedenken beginnt um 16.00 Uhr am Pallasweg, Ecke Hektorweg im Stadtteil Reform. „Mit der Kundgebung wollen wir ein Zeichen setzen gegen rechte Gewalt.“, so Pascal Begrich vom BgR. „Wir erinnern an Rick Langenstein, um zu zeigen – die Opfer rechter Gewalt haben ein Gesicht, eine Geschichte, eine Würde.“ Begrich verwies in diesem Zusammenhang auch auf Torsten Lamprecht und Frank Böttcher, die 1992 bzw. 1997 in Magdeburg ebenfalls durch Rechtsextreme ums Leben kamen. Der letzte schwerwiegende rechts motivierte Angriff liegt erst zwei Monate zurück, als ein Mann unter rassistischen Beleidigungen seinen Kampfhund auf eine syrische Familie hetzte und sie verletzte.

Zum Hintergund

In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20jährige Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek „Funpark“ (Magdeburg-Reform) so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung vorbestraften Rechtsextremen fest. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den bekennenden Neonazi Bastian zu acht Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags und Diebstahls. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der 19jährige den angehenden Kunststudenten Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek so brutal misshandelte, dass er noch am Tatort starb.

Familienangehörige und Freund*innen von Rick Langenstein fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie von verschiedenen Institutionen der Zivilgesellschaft sowie der Landeshauptstadt Magdeburg. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen. Der Gedenkstein wurde 2009 wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.

Tag der Zivilcourage am 19. September sucht Mitstreiter*innen

Das Bundesnetzwerk Zivilcourage veranstaltet am 19. September wieder bundesweit einen Aktionstag für Zivilcourage. Auch in Magdeburg soll das Thema Zivilcourage an diesem Tag in die Öffentlichkeit gebracht werden. Egal, ob als Verein, Gemeinde, Schule, Uni, Kindergarten… Jede und jeder von uns kann Zivilcourage lernen, weitergeben, darüber sprechen, mit einer Aktion im eigenen Umfeld oder auf der Straße darauf aufmerksam machen…
Damit das möglich wird, sucht das Zivilcourageprojekt „otto greift ein“ Mitstreiter*innen und Kooperationspartner und unterstützt Aktionen gerne bei der Logistik und Öffentlichkeitsarbeit. Wer also Lust und Zeit hat, am 19. September etwas für Zivilcourage in Magdeburg zu tun, melde sich bitte bei „otto greift ein“.

„Es zieht sich eine Blutspur durch unser Land…“

Perspektiven aus dem Bundestag zu den Ereignissen am Himmelfahrtstag 1994 in Magdeburg

 

Am 12. Mai 1994, dem Himmelfahrtstag, jagten 50-60 bewaffnete Neonazis stundenlang Migrant*innen durch die Magdeburger Innenstadt und prügelten auf sie ein.
Nachdem wir im letzten Jahr migrantische Perspektiven dazu veröffentlicht haben, werfen wir in diesem Jahr zur Erinnerung einen Blick auf die „Aktuelle Stunde betr. Bundesgesetzliche Konsequenzen aus rechtsradikalen Ausschreitungen in Deutschland am Beispiel der jüngsten Vorfälle in Magdeburg“, die am 18. Mai 1994 im Bundestag stattgefunden hat.

„Ausländerfeindliche Brutalität und Gewalttätigkeiten drohen zur Normalität zu werden.“
„… auch für das internationale Ansehen der Deutschen waren die Ereignisse vom 12. Mai ein herber Rückschlag.“
„Der Polizeibericht liest sich wie ein Drehbuch für einen Horrorfilm…“
„Es gab Warnungen. Es waren nicht Krawalle aus besoffenem Kopf heraus.“
„Die Nazis ziehen mit Hitler-Gruß an der Bevölkerung vorbei, ziehen mit Hitler-Gruß an der Polizei vorbei, und nichts geschieht.“
„Was soll der Schauprozess heute? … Es sind Deutsche und Ausländer Opfer.“
„Ist es deshalb richtig zu sagen, daß wir in Deutschland einen Überschuß an Kälte haben? Ist das angesichts der Tatsache gerechtfertigt, daß wir Lichterketten in Deutschland haben?“
„Wie viele Magdeburger haben weggesehen?“
„Wer Ausländer als verbrechensanfälliger und damit als potentiell und tendenziell Kriminelle generell verdächtigt…, der leistet der latenten und wachsenden Pogromhaltung in großen Teilen der deutschen Bevölkerung … Vorschub.“
„Ich möchte auch nicht den Eindruck erweckt wissen, daß wir sozusagen rechte Gewalt mehr bekämpfen müßten als linke Gewalt…“
„Jahrelang hat der Zeitgeist oder ein übertriebener Liberalismus die Kapitulation des Staates vor dem Unrecht gefördert.“
„Diesmal waren es rechtsextremistisch verführte Jugendliche… Vor einige Wochen waren es Ausländer… Das muß uns besonders beunruhigen, weil diese Taten wiederum Aggressionen gegen Ausländer zu wecken vermögen…“
„In was für einer Gesellschaft leben wir, in der es schon als Errungenschaft gefeiert wird, dass sich die zuschauende Bevölkerung bei Ausschreitungen gegen Mitmenschen passiv verhält und nicht … Beifall klatscht?“
„… wir müssen ein ureigenstes innenpolitisches Interesse daran haben, dass jeder, ob Ausländer oder Deutscher, bei uns frei von Angst vor Gewalt leben kann.“

Bild: Titelbild der Broschüre des „Verein Nachbarschaftliches Cracau-Prester“, in der im Nachgang der Ereignisse Aussagen von Zeuginnen und Zeugen anonymisiert veröffentlicht wurde.
Quelle der Zitate: Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 12/227. Stenographischer Bericht der 227. Sitzung in Bonn am 18. Mai 1994. Online hier.