Wir trauern um Andreas Herbst

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg trauert um Pfarrer Andreas Michael Herbst. Er war uns ein Freund, engagierter Mitstreiter und langjähriger Wegbegleiter im Engagement gegen Rechtsextremismus.
Andreas Herbst erhob schon seine Stimme gegen Rassismus und rechte Gewalt, als es noch wenige taten. Mit ihm wurde die Hoffnungsgemeinde zu einem Ort der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Weltanschauung; zu einem Ort der Hoffnung auf ein respektvolles Zusammenleben im Stadtteil, in Magdeburg und in der Welt.
Bis zuletzt lebte er diese Hoffnung. So wünschte er anstelle von Blumen und Kränzen eine Spende an das Tansania-Bildungsprojekt „Education ist the key of life“ für den Bau eines Kinderspielplatzes. Dort soll ein Baum mit seinem Namen an ihn erinnern. Wer spenden möchte, kann dies auf folgendes Konto tun: Kontoinhaber: Ev. Kirchenkreis Magdeburg / IBAN: DE69 3506 0190 1562 3080 20 / Verwendungszweck: RT4206 Tansania, Baum Herbst
(Das Foto zeigt Andreas Herbst bei einer Aktion des Bündnis gegen Rechts Magdeburg am 6. August 2005 in Magdeburg-Rothensee. Die NPD wollte mit einer Demonstration vor die dortige Unterkunft für Geflüchtete ziehen. Wir verhinderten dies u.a. mit einer Demonstration und einer Menschenkette.)

10 Punkte gegen Rassismus

Demokratiekonferenz stellt sich dem 10-Punkte-Aktionsplan der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus

 

Magdeburg ist Mitglied der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR). Grund genug, den von der Städtekoalition entwickelten Aktionsplan anzuschauen und sich zu fragen: Wo steht Magdeburg? Wo besteht Handlungsbedarf? Was sollte in den nächsten Jahren erreicht werden? Diese Fragen sollen auf der nächsten Demokratiekonferenz diskutiert werden, die die Partnerschaft für Demokratie in Magdeburg organisiert.
Dieses Mal wird sie online als Videokonferenz stattfinden und zwar am Mittwoch, 10. Juni von 14.00 bis 16.30 Uhr. Eine vorherige Anmeldung per Email ist notwendig. Alle weiteren Informationen finden Sie hier: 200610 Einladung_Demokratiekonferenz 2020

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verwehren oder von diesen auszuschließen.

Einen so perfide geplanten Überfall hatte es zuvor in Magdeburg nicht gegeben

Gedenkrede zum 28. Jahrestag des Angriffs auf die „Elbterrassen“ und zum 28. Todestag von Torsten Lamprecht

 

Es war ein Maitag, an dem Torsten Lamprecht starb. Die Gaststätte „Elbterrassen“ in Cracau an der Elbe war zu DDR-Zeiten einer der wenigen Orte gewesen, wo Punks Zutritt hatten. Dort fand eine Geburtstagsfeier statt, von der Neonazis erfahren hatten. Überfälle rechtsextremer Skinheads auf Punks gehörten damals 1992 zum Alltag. Aber einen so perfide geplanten Überfall hatte es zuvor in Magdeburg nicht gegeben. Von mehreren Seiten griffen die rechten Skinheads die Feier an. Flucht so gut wie unmöglich. Am Ende des Überfalls gab es zahlreiche Verletzte und zwei Tage später einen Toten: Torsten Lamprecht.
Viel Zeit ist seitdem vergangen. Gibt es etwas, was die damaligen Ereignisse für heute lehren? Wer nach Halle und Hanau, die Orte rechter Anschläge der vergangenen Monate, schaut, kann daran Zweifel haben.
Damals wie heute waren sie schnell zur Stelle, die Stimmen der Beschwichtigung und der Verharmlosung. Nach dem Tod von Torsten Lamprecht hieß es: „Was legen die sich auch mit den rechten Skins an?“ Aus dem Weg gehen. Ruhig bleiben. Nicht provozieren lassen. Zu oft hören Betroffene rechter Gewalt, eigentlich hätten sie irgendwie Mitschuld an dem, was ihnen angetan wird. Man muss keine Sympathien mit Punks hegen, um zu sagen, dass dies nicht stimmt. Damals nicht und heute nicht. Rechte Gewalt ist menschenverachtend. Sie fragt nicht nach ihren Opfern.
Der Tod Torsten Lamprechts hat die Stadt Magdeburg damals über einige Wochen hinweg beschäftigt, dann interessierten sich nur noch jene dafür, die unmittelbar oder mittelbar von der Tat betroffen waren. Zu viele dachten damals und denken heute, rechte Gewalt betrifft mich nicht.
Aber eine Gesellschaft, die Ernst machen will mit der Menschenwürde, darf nicht gleichgültig bleiben gegenüber rechter Gewalt, egal gegen wen sie sich richtet. Damals, im Mai 1992 nicht. Und heute auch nicht.

Aufgrund der Corona-Pandemie laden wir heute zum individuellen Gedenken im Torsten-Lamprecht-Weg an der Brücke am Wasserfall ein. Zwischen 15.00 und 17.00 Uhr werden wir vor Ort sein und bei Fragen und Gesprächsbedarf zur Verfügung stehen.

28 Jahre nach dem Angriff auf die „Elbterrassen“

Aufruf zum individuellen Gedenken
28 Jahre nach dem Angriff auf die „Elbterrassen“ und zum 28. Todestag von Torsten Lamprecht

Zur Erinnerung an den Angriff auf die „Elbterrassen“ und den dabei von neonazistischen Skinheads ermordeten Torsten Lamprecht lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg am Samstag, 9. Mai 2020 zum individuellen Gedenken am Torsten-Lamprecht Weg bei der Brücke am Wasserfall ein. Die ehemaligen „Elbterrassen“ befanden sich in unmittelbarer Nähe. Wir bitten um Einhaltung der aktuell gültigen Regeln zum Infektionsschutz. Zwischen 15.00 und 17.00 Uhr wird jemand von uns vor Ort sein und für Gespräche und Fragen zur Verfügung stehen.

Zum Hintergrund
Am Abend des 9. Mai 1992 feierten etwa 30 Jugendliche der Magdeburger Punk-Szene den Geburtstag eines Freundes in der Gaststätte „Elbterrassen“ im Stadtteil Cracau.
Kurz vor Mitternacht rissen etwa 60 neonazistische Skinheads das Tor zum Gelände auf und begannen unvermittelt mit Baseballschlägern auf die Feiernden einzuschlagen. Einer der Angreifer schoss mit Leuchtkugeln auf die panisch fliehenden Gäste. Während des 30minütigen Angriffs riefen die Neonazis immer wieder Parolen wie „Heil Hitler!“ und „Sieg Heil!“. Der Betreiber der „Elbterrassen“ schilderte später seine Eindrücke des Überfalls gegenüber der Magdeburger Volksstimme: „Keiner von uns wusste, was hier eigentlich passierte. Es war, als ob ein Krieg ausbrach.“ Da das Telefon nicht funktionierte, kletterte er über eine Mauer um Hilfe zu holen. In einer Nebenstraße traf er auf mehrere Streifenpolizisten. Diese verweigerten jedoch jegliche Unterstützung mit den Worten „Wir sind zu wenig Leute.“ Erst als die Angreifer bereits weg waren, traf die Verstärkung der Polizei am Ort des Geschehens ein. Dort versorgten bereits mehrere Notärzte die zum Teil schwerverletzten Partygäste. Acht von ihnen mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden – darunter Torsten Lamprecht. Er erlag am 11. Mai 1992 seiner schweren Schädelfraktur.
Immer wieder wurden Anfang der 1990er Jahre Punks, Migrant*innen und linke Jugendliche von Rechtsextremen und Rassisten zusammengeschlagen. Neonazis überfielen Treffpunkte von Punks wie den „Knast“ in Magdeburg-Neustadt und linke Wohnprojekte in Stadtfeld. Der Überfall auf die „Elbterrassen“ stellte den traurigen Höhepunkt dieser Reihe von rechts motivierten Angriffen dar. Jahre später beschrieb ein Freund des ermordeten Torsten Lamprecht den Angriff als tiefen Einschnitt: „Aber seit dem 9. Mai 1992 ging es um Leben und Tod.“
Weitere Informationen hier.

13. April 1945: Massaker im Stadion Neue Welt

#Magdeburg75: Heute vor 75 Jahren, am 13. April 1945, starben bei einem Massaker von Volkssturmeinheiten und SS auf dem Gelände des Stadions Neue Welt mindestens 42 Häftlinge des evakuierten KZ Polte-Magdeburg. Einige Stunden zuvor hatten sie etwa 3.500 Häftlinge gewaltsam Richtung Osten durch die Stadt getrieben. Bei einer Rast auf dem Stadiongelände gerieten die Häftlinge unter Artilleriebeschuss amerikanischer Truppen. Unter Panik versuchten sie Deckung zu finden, woraufhin die Wachmannschaften auf die Fliehenden das Feuer eröffnete.
Nach dem Massaker wurden die Überlebenden erneut zusammengetrieben und in Marsch gesetzt. Als die weiblichen Häftlinge das KZ Ravensbrück erreichten, sind von den 3.000 Frauen des Außenlagers nur noch wenige Hundert am Leben. Die 500 männlichen KZ-Häftlinge marschierten weiter Richtung Sachsenhausen. Die Zahl der Opfer ihres Todesmarschs ist nicht bekannt.
Bereits zwei Tage zuvor, am 11. April 1945, hatte die SS, bereits ohne funktionsfähige Kommandostruktur, versucht, die Häftlinge zu einem Evakuierungsmarsch zusammenzutreiben. Aus Angst und vielleicht auch aus Hoffnung auf die baldige Befreiung durch die US-Armee widersetzten sich die Häftlinge den Anordnungen. Die SS schoss um sich, es gab viele Verletzte, doch musste die Lagerbewachung den Versuch zur Räumung schließlich aufgeben.

Eigentlich hatten wir geplant, heute zu einem gemeinsamen Weg zu Fuß vom Erinnerungsort zum KZ Polte-Magdeburg in der Liebknechtstraße bis zum Stadion Neue Welt an der Berliner Chaussee aufzurufen. Diese Veranstaltung muss – wie so viele andere – aufgrund der aktuellen Umstände ausfallen.