20. Januar: Demokratie braucht Erinnerung

Für eine aktive und kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus

Der 16. Januar ist ein umstrittener Tag. Seit Jahren nehmen extreme Rechte den Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs zum Anlass, die Verbrechen der NS-Zeit zu relativieren und den Nationalsozialismus zu rehabilitieren. Auch wenn die neonazistischen Aufmärsche Geschichte sind – ihre Positionen finden nach wie vor Widerhall: in den Landtagen, auf Parteitagen und auf der Straße. Das wollen wir nicht hinnehmen.

Wir erinnern an die Ursachen und Folgen, die die nationalsozialistische Herrschaft in und für Magdeburg hatte. Kritisch beleuchten wir nicht nur die Sprache, in der sich Rechte zu dieser Vergangenheit äußern. Gemeinsam treten wir ein für eine demokratische Erinnerungskultur – gegen Geschichtsverfälschung, völkischen Nationalismus und Rassismus.

Wir rufen auf zu einer Kundgebung und einem anschließenden historischen Stadtspaziergang:

am Samstag, den 20. Januar 2018
um 11 Uhr
auf dem Domplatz Magdeburg

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Rassismus, Hass und Gewalt mit Entschlossenheit entgegentreten

Stellungnahme des Bündnis gegen Rechts Magdeburg zur Meile der Demokratie 2018

Seit 20 Jahren engagiert sich das Bündnis gegen Rechts für eine offene und liberale Bürgergesellschaft in Magdeburg. 2008 haben wir die Meile der Demokratie als deutliche Positionierung gegen Geschichtsrevisionismus, Rassismus, Hass und Gewalt ins Leben gerufen und als Bündnis gegen Rechts seitdem mit veranstaltet und durch viele Aktivitäten mitgetragen.

Auf der Meile der Demokratie 2018 wird erstmals die AfD vertreten sein. Die Partei hat zwar den Aufruf unterschrieben, doch in ihrem Handeln und in ihrer Programmatik widerspricht sie der Intention und den Inhalten der Meile. Schon die Hashtags, mit denen die AfD ihre Facebook-Posts zur Meile bisher gekennzeichnet hat, zeigen, dass sie nicht gewillt ist, allen Menschen und Organisationen mit Respekt zu begegnen. Bereits die Ankündigung der Teilnahme der AfD ist ein fatales Signal für all jene, die sich für die Meile und gegen Rechtsextremismus engagieren. Sie verunsichert insbesondere Akteure und Besucher*innen der Meile, die zu den „Feindbildern“ der AfD gehören.

Wir respektieren, dass es zu dieser Raumnahme der AfD unterschiedliche Perspektiven und Konsequenzen daraus gibt. Als Bündnis gegen Rechts haben wir uns entschieden, die Meile der Demokratie 2018 nicht als Mitveranstalter mitzutragen.

Wir hoffen, dass sich am 20. Januar 2018 die Menschen unabhängig von Herkunft, Religion, Aufenthaltsstatus, sexueller Orientierung oder anderer Merkmale frei und sicher fühlen können und wünschen dem Tag einen friedlichen Verlauf.

Hintergrundinformationen:

Zerstörung des Banners „otto braucht eine synagoge“

Das BgR Magdeburg verurteilt die offensichtlich antisemitische Tat und fordert zu Spenden für den Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ auf.

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg hat die heute bekannt gewordenen Zerstörung des Banners „otto braucht eine synagoge“  an der Julius-Bremer-Straße verurteilt: „Hier handelt es sich um eine offensichtlich antisemitisch motivierte Tat, die sich gegen den geplanten Neubau der Synagoge richtet“, sagte Pascal Begrich vom BgR am Dienstag in Magdeburg. „Zugleich stellt eine solche Tat ein öffentlich sichtbares jüdisches Leben in Magdeburg infrage.“ Begrich ergänzte: „Letztendlich verhöhnen die Täter auch die Opfer des Holocausts in unserer Stadt. Dies muss deutlich zurückgewiesen werden.“

Das Bündnis gegen Rechts begrüßt die Bemühungen, das Banner schnell zu ersetzen: „Der Neubau einer Synagoge ist nicht nur ein drängendes Anliegen der jüdischen Gemeinde sondern ein wichtiges Signal zur Unterstützung des jüdischen Lebens in der Landeshauptstadt. Es ist eine Bekräftigung für eine anhaltende kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte Magdeburgs und für das Gedenken an die Opfer des Holocausts.“

„Das BgR unterstützt das Anliegen zum Neubau der Synagoge und ruft zu Spenden für den Förderverein ‚Neue Synagoge Magdeburg‘ e.V. auf.“, fügte Begrich hinzu.

Zum Hintergrund

Die alte, in den Jahren 1850-1897 errichtete, Synagoge wurde während des antisemitischen Pogroms in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüstet und 1939 endgültig zerstört. Von einstmals mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden lebten am Ende der NS-Zeit nur noch 50 in Magdeburg. Heute zählt die Synagogengemeinde wieder 500 Mitglieder. Sie brauchen ein adäquates religiöses Zentrum – auch als Ort der Begegnung und der Gespräche mit anderen. Seit 2012 widmet sich der Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ e.V.  gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde dem Ziel zum Neubau einer Synagoge . Seit Ende 2015 wirbt das Banner „otto braucht eine synagoge“ am Grundstück zum geplanten Bau an der Julius-Bremer-Straße für dieses Anliegen. Das Banner wurde in den letzten Monaten bereits mehrfach beschmiert und beschädigt.

Spenden für den Neubau der Synagoge erreichen den Förderverein über folgendes Konto:

IBAN: DE92 8109 3274 0001 4066 98 | BIC: GENODEF1MD1 | Kontoinhaber: Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ e.V.

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Tag der Zivilcourage am 19. September

Am 19. September findet bundesweit der Tag der Zivilcourage statt. 20 verschiedene Initiativen werben für zivilcouragiertes Eingreifen und wollen darauf aufmerksam machen, dass Zivilcourage ein wesentlicher Baustein für unsere Freiheit und Demokratie ist.
Das Magdeburger Zivilcourageprojekt „otto greift ein“ geht an dem Tag online: Unter dem Motto „#Zivilcourage funktioniert: 95 Gelegenheiten – 32 Tipps“ werden ab 19. September 00h00 bis in den Morgen des 20. September stündlich Tipps und Erfahrungen von gelungener Zivilcourage gepostet.
Sie wollen dabei sein? Dann folgen Sie „otto greift ein“ auf Facebook oder Twitter.

Trauer um Jürgen Martini

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg trauert um Jürgen Martini. Es verliert mit ihm einen engagierten Mitstreiter, dem insbesondere die Gedenk- und Erinnerungsarbeit am Herzen lag: Viele Veranstaltungen hätte es ohne ihn nie gegeben: Stadtrundgänge zum Schicksal von Stadträten und Kommunalpolitiker*innen in der NS-Zeit, Gedenkwege als „Meilensteine“ im Rahmen der Januarproteste und im letzten Jahr die eindrückliche Kampagne „No Pasaran! Magdeburg und der Spanische Bürgerkrieg“.
Unzählige Male standen wir beim Gedenken zusammen: am 1. März am Holzweg, am 8. Februar an der Haltestelle Klinikum Olvenstedt, am 14. Juni in der Liebknechtstraße. Unvergesslich bleibt der Gedenkweg „Die letzte Etappe. Ein Aktionstag im Gedenken an die Opfer von Todesmarsch und Massaker im Stadion Neue Welt“ im April 2015: Vom Westfriedhof aus machte sich eine Gruppe von Schüler*innen, Lehrer*innen und Erwachsenen zu Fuß und per Straßenbahn auf den Weg zum Stadion Neue Welt. Jürgen hatte die Gruppe zusammengebracht. Abends berichtete er bei der Kundgebung „Für ein weltoffenes Magdeburg“ auf dem Alten Markt von der Aktion.
Jürgen engagierte sich auch für die Aktion „Stolpersteine“ mit Übersetzungstätigkeiten bei Verlegeaktionen und für Gedenkblätter. Viele Stolpersteine hat er gereinigt und bei Rundgängen von den Schicksalen der ihnen gewidmeten Menschen berichtet.
Jürgen wird uns und der Stadt fehlen. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und in Dankbarkeit bei ihm.

Seine Familie erbittet eine Spende für die Aktion „Stolpersteine“. Dieser Bitte schließen wir uns an:
IBAN DE02 8105 3272 0014 0001 01
BIC NOLADE21MDG
Verwendungszweck 37994311/Stolpersteine – Stichwort: Martini
Kontoinhaber: Landeshauptstadt Magdeburg

Die nächste Verlegung von Stolpersteinen wird am 11. September stattfinden.

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