Stadtralley zu Zivilcourage in Magdeburg

Alles, was es braucht, sin ein Smartphone und darauf die kostenfreie App „Actionbound“. Dann kann man bei einem Rundgang durch Magdeburg selbständig und spielerisch Wissenswertes zu Zivilcourage in Geschichte und Gegenwart erkunden. Mit diesem sog. Bound auf einem Weg über ca. 4,5 km erfahren die Teilnehmenden, was Zivilcourage ist und welche Hürden man überwinden muss, um zivilcouragiert einzugreifen. Dazu gibt es Tipps und Hinweise.

Der Weg ist komplett im öffentlichen Raum, so dass er unabhängig von Öffnungszeiten ist. Er beginnt am Willy-Brandt-Platz und endet an der Haltestelle „Opernhaus“. Zum Starten wählt man in der App den Bound mit dem Titel „Zivilcourage in Magdeburg“ oder folgt diesem Link.

Gedenken an die Pogromnacht am 9. November

Das Gedenken an die Pogromnacht von 1938 beginnt am 9. November um 17.30 Uhr im Forum Gestaltung. Im Anschluss gibt es einen stillen Gedenkweg zum Synagogenmahnmal in der Julius-Bremer-Straße.

Am 11. und 24. November werden weitere Stolpersteine verlegt werden. Seit der ersten Verlegung 2007 erinnern damit über 600 Steine an Menschen, die aus Magdeburg vertrieben, deportiert und getötet wurden. Den Ablauf und die Orte der neuen Verlegungen findet man hier.

Noch bis zum 20. November finden die Tage der jüdischen Kultur und Geschichte statt.

„Gedenken wir Rick Langenstein als einen Menschen mit Haltung“

Gedenkrede zum 13. Todestag von Rick Langenstein

Wieder einmal stehen wir hier, um an Rick Langenstein zu erinnern – an einen jungen Mann voller Hoffnungen und Träume, der kurz vor Beginn seines Kunststudiums stand.

Wir erinnern an ein Todesopfer rechter Gewalt. Wir wollen die Erinnerung wachhalten an das, was in der Nacht zum 16. August 2008 nach dem Besuch im „Funpark“ geschah.

Doch wir wollen Rick Langenstein nicht nur als Opfer erinnern. Wir wollen ihn erinnern als einen jungen Mann mit Haltung.

Er hatte sein Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium nicht weit von hier gemacht. Vielleicht hat das Beispiel der Geschwister Scholl und der Weißen Rose seine Haltung geprägt. Denn Rick Langenstein war ein Mensch mit Haltung. Als er an der Haltestelle auf den Neonazi Bastian O. traf, tat er das, wozu wir so oft aufrufen: Haltung zeigen, Rechtsextremen widersprechen.

Der Neonazi wollte von ihm eine Zigarette haben und Rick Langenstein sagte Nein.

Er habe sich provoziert gefühlt. Das war später bei der Polizei die Erklärung des Täters für seinen Gewaltexzess, der auf das Nein folgte: Schläge mit Quarzhandschuhen, Tritte mit Springerstiefeln – auch noch, als Rick wehrlos auf dem Boden lag. Rick Langenstein erlag noch hier auf der Straße seinen Verletzungen.

An Rick Langenstein und seinen Tod zu erinnern, bedeutet daher auch, eines nicht zu vergessen:

Es beinhaltet ein Risiko, Haltung zu zeigen und einem Neonazi ein Nein ins Gesicht zu sagen, abends an der Haltestelle.

Denn es ist ein Machtrausch, in dem sich jene befinden, die rechte Gewalt ausüben. Sie glauben, sie hätten ein Recht darauf, ihren Willen durchzusetzen. Wer ihnen im Wege ist, ihnen widerspricht, oder sich nicht so verhält, wie sie es erwarten, muss mit dem Schlimmsten rechnen, auch damit, getötet zu werden.

Und dennoch: Für die Verteidigung einer offenen und demokratischen Gesellschaft braucht es Menschen, die den Mut haben und das Risiko eingehen. Es braucht Menschen, die Nein sagen zu einem Neonazi und Nein sagen zur Missachtung von Menschenrechten. Mit ihrem Nein sagen Menschen damit Ja zur Menschenwürde aller und zu einem gleichberechtigten Leben in Vielfalt.

Wir schauen in diesen Tagen besorgt nach Afghanistan. Wir erleben die Freude am Christopher Street Day und denken gleichzeitig an die Zerstörung von Regenbogenflaggen.

Wir erinnern an Rick Langenstein und sind gemahnt, wie er mutig zu sein und das Risiko einzugehen, Menschen auch ein deutliches Nein ins Gesicht zu sagen. Gedenken wir Rick Langenstein als ein Todesopfer rechter Gewalt und als einen Menschen mit Haltung.

16. August: Gedenken zum 13. Todestag von Rick Langenstein

Für Montag, den 16. August 2021, lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zum Gedenken an den vor dreizehn Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein ein. Die Veranstaltung beginnt um 16.00 Uhr am Gedenkstein im Hektorweg, Ecke Pallasweg im Stadtteil Reform.

Zum Infektionsschutz bitten wir Teilnehmende um die Beachtung der geltenden Hygieneregeln.

Zum Hintergund

In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20-jährige Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek „Funpark“ (Magdeburg-Reform) so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung vorbestraften Rechtsextremen fest. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den bekennenden Neonazi zu acht Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags und Diebstahls. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der 19-Jährige den angehenden Kunststudenten Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek so brutal misshandelte, dass er noch am Tatort starb.

Familienangehörige und Freund*innen von Rick Langenstein fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie von verschiedenen Institutionen der Zivilgesellschaft sowie der Landeshauptstadt Magdeburg. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen. Der Gedenkstein wurde 2009 wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.