Rechter Fackelzug gefährdet das Nachtleben

Für kommenden Samstagabend, 6. April 2019, ruft die sog. Bürgerinitiative Magdeburg zu einem zweiten Fackelmarsch in Magdeburg auf.
Zu erwarten sind mehrere Hundert Teilnehmende aus dem gesamten extrem rechten Spektrum – Neonazis und rechtsextreme Hooligans aus Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Bereits zum 10. November 2018 hatte die „Bürgerinitiative“ zu einem Fackelmarsch aufgerufen, an dem 800-1.000 Menschen teilnahmen. Organisiert werden die Fackelmärsche von Personen aus dem Umfeld der ehemaligen MAGIDA-Proteste und dem der neonazistischen „Bürgerbewegung Altmark“.
Bei der Demonstration im November kam es im Umfeld des Hasselbachplatzes zu Übergriffen. Nicht zuletzt die sanktionslos bleibende Missachtung des Alkoholverbots führte zu einem erhöhten Aggressionspotential der Teilnehmenden des rechten Aufmarsches gegenüber Gegendemonstrant*innen und Passant*innen. Insbesondere Migrant*innen wurden Ziel von Flaschenwürfen und körperlichen Attacken. Der Fackelmarsch solidarisierte sich zudem offensiv mit der verurteilten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck, die wegen ihrer Propaganda derzeit eine Haftstrafe verbüßt.
Dieser Fackelzug stellt eine Provokation der demokratischen Kultur der Stadt Magdeburg und eine reale Gefahr für alle dar, die nicht in das Weltbild der rechtsextremen Teilnehmenden des Aufmarsches passen. Wir fordern die zuständigen Behörden auf, alles zu tun, um die Menschen am Rande der Strecke nicht zu gefährden. Insbesondere am Hasselbachplatz gilt es, aufmerksam zu sein, um das Nachtleben und die lebendige Stadtkultur zu schützen.

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Internationale Wochen gegen Rassismus 2019

Bereits zum vierten Mal beteiligt sich Magdeburg vom 11. bis 24. März an den Internationalen Wochen gegen Rassismus mit einem breiten Programm aus Workshops, Vorträgen und Kulturveranstaltungen.

In diesem Jahr, in dem das Grundgesetz 70 Jahre alt wird, das Europäische Parlament und der Stadtrat neu gewählt werden, braucht es Achtsamkeit für den Respekt und die Menschenwürde aller unabhängig von Staatsbürgerschaft, Herkunft oder äußeren Merkmalen.
Beteiligen Sie sich an den Internationalen Wochen gegen Rassismus und beziehen Sie Position für eine demokratische, weltoffene und menschenfreundliche Stadtgesellschaft!
Das Programm zum Download gibt es hier.

Gedenken an die deportierten und ermordeten Rom*nja und Sint*ezza am 1. März

Vor 76 Jahren, am 1. März 1943, löste die Stadt Magdeburg das sogenannte Zigeunerlager am Holzweg/Silberberg auf. Seine Bewohner*innen wurden nach Auschwitz deportiert. Dort wurden 340 Sint*ezza und Rom*nja ermordet. Ihrer gedenkt das Bündnis gegen Rechts am Freitag, den 1. März 2019, um 16 Uhr an der Namensstele im Flora-Park (Olvenstedter Graseweg, Fußgängerzugang zum Florapark).

Zum Hintergrund
Am 4. März 1935 hatte die Stadtverwaltung Magdeburg die Errichtung eines „Zigeunerlagers“ beschlossen. Ab Mai 1935 mussten hier alle Sint*ezza und Rom*nja der Stadt unter widrigen Lebensbedingungen wohnen. Am 1. März 1943 wurde das Lager in einer gemeinsamen Aktion von Gestapo und Polizei aufgelöst. Sämtliche Bewohner*innen wurden verhaftet und mit 10 bis 15 Lastwagen zum Magdeburger Polizeipräsidium gebracht. Weitere Sint*ezza und Rom*nja, die nicht im Lager gelebt hatten, wurden von der Polizei gewaltsam aus ihren Wohnungen gezerrt und ebenfalls im Polizeipräsidium inhaftiert. Tags darauf wurden die Inhaftierten zusammen mit Sint*ezza und Rom*nja aus der Region vom Güterbahnhof mit dem Zug nach Auschwitz deportiert. Von 470 Deportierten überlebten 340 die Liquidierung des dortigen „Zigeunerlagers“ nicht. Insgesamt fielen dem Porajmos – dem Völkermord an den Sint*ezza und Rom*nja im Nationalsozialismus – mindestens 200.000 Menschen zum Opfer.

„Extreme Gewaltbereitschaft und neonazistische Menschenverachtung“

Gedenkrede zum 22. Todestag von Frank Böttcher am 8. Februar 2019

„Wir gedenken mit dem Tod Frank Böttchers eines Todesfalles, der in die Kette der rechtsextremen Gewaltexzesse der Neunziger Jahre gehört. Ihre Ausmaße sind im öffentlichen Gedächtnis nicht präsent. Sie müssten es aber sein, um zu verstehen, auf welche Weise diese Gewalt bis heute nachwirkt.
Taten wie der Mord an Frank Böttcher hatte auf das Umfeld eine lang anhaltende Wirkung: Angst, Vermeidungsverhalten und nicht zuletzt der Wunsch, das Erleben von Gewalt und Angst hinter sich zu lassen. Es bedeutete wegzuziehen, wegzugehen, der rechten Dominanz aus dem Weg zu gehen.
Das Umfeld der damaligen Täter, rechte Skinheads, tauscht heute in sozialen Netzwerken alte Fotos und selige Erinnerungen an eine „geile Zeit“ aus. Ganz so als sei die allwöchentliche Jagd auf Migrant*innen und linke Jugendliche eine Art Freizeitsport.
Frank Böttcher wurde brutal getötet, mit Messerstichen und Fußtritten gegen den Kopf. Dann ließen ihn die Täter hier an der Endhaltestelle verletzt liegen und holten sich an der Tankstelle an der Birkenallee Bier.
Frank Böttcher starb auf der Intensivstation des Krankenhauses hier. Ärzte und Schwestern hatten drei Stunden um sein Leben gekämpft.
In den Medien war danach tagelang von einem „Szenekrieg“ zwischen Jugendlichen die Rede. Die Polizei ging zunächst von Streit zwischen Punks aus. Über Jahre stand die rechte Tatmotivation öffentlich in Zweifel.
Extreme Gewaltbereitschaft und neonazistische Menschenverachtung. Dies waren die Motive, die jene handeln ließen, die Frank Böttcher zu Tode prügelten.
Machen wir uns nichts vor: Mehr als zwanzig Jahre gibt es diese Motive noch immer. Und diese Motive sind tödlich. Immer noch.“

22. Todestag von Frank Böttcher: Einladung zum Gedenken

Am 8. Februar jährt sich der Angriff auf Frank Böttcher zum zweiundzwanzigsten Mal.
Darum laden wir zu einer Gedenkveranstaltung am Freitag, 8. Februar um 16.00 Uhr am Gedenkstein an der Haltestelle „Klinikum Olvenstedt“ ein.
Frank Böttcher wurde von einem neonazistischen Skinhead aus Hass auf Punks getötet.
Wir rufen die Umstände seines Todes in Erinnerung und fragen danach, was heute in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Ausgrenzung, Gewalt und Hass gegenüber Minderheiten alltäglich geworden sind, zu tun ist.
Wir gedenken des Todes von Frank Böttcher und setzen damit ein deutliches Zeichen für eine offene und demokratische Gesellschaft.
Nähere Informationen hier.