16. Januar: Gedenken, Mahnung, Solidarität

Auch in diesem Jahr will die extreme Rechte an dem Gedenktag an die Bombardierung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg am 16. Januar für eine Rehabilitierung des Nationalsozialismus auf die Straße gehen.

Wir vom Bündnis gegen Rechts Magdeburg setzen dagegen gemeinsam mit „Oldies for Future“ das Gedenken, die Mahnung und die Solidarität.

Wir setzen dagegen das Gedenken. Wir gedenken der Opfer von Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus in der NS-Zeit. Wir gedenken der Opfer des Holocaust und des deutschen Vernichtungskriegs.

Wir setzen dagegen die Mahnung. Auch in unserer Zeit werden Menschen auf Grundlage von menschenverachtenden Ideologien angegriffen und getötet. Wir erinnern an das tagtägliche Leid und die Verunsicherung von Menschen durch Rechtsextremismus, Ausgrenzung und Diskriminierung. Gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen rechter und rassistischer Gewalt erwarten wir konsequente Aufklärung und entschiedenes politisches Handeln.

Wir setzen dagegen die Solidarität. Besonders in Zeiten der Pandemie handeln wir mit Achtsamkeit und Respekt gegenüber unseren Mitmenschen. Wir halten Mahnwache und sind dabei aufmerksam füreinander, um andere nicht zu gefährden.

Wir laden ein zu einer Gedenkzeit am 16. Januar um 15.00 Uhr am Mahnmal für die zerstörte Synagoge mit anschließender Mahnwache. Zum Infektionsschutz bitten wir Teilnehmende um die Nutzung einer geeigneten Mund-Nasen-Bedeckung und die Wahrung des Mindestabstandes.

Weitere Veranstaltungen am 16. Januar sowie im Rahmen der Aktionswoche „Eine Stadt für alle“ finden Sie hier.

Zum Hintergrund des 16. Januar empfehlen wir das miteinanderaktuell vom 16. Januar 2020, zur Geschichte des Naziaufmarsches und der Proteste unsere Broschüre „Magdeburg im Januar“ gemeinsam mit Miteinander e.V. von 2016.

9. Oktober: Gedenken und Solidarität zum Jahrestag des Anschlags in Halle/Saale

Am 9. Oktober 2019, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, ereignete sich ein rechter Terroranschlag in Halle/Saale. Bei dem Anschlag wurden Jana L. und Kevin S. ermordet, zwei Menschen wurden schwer verletzt, weitere 52 Menschen, die sich zum Gebet an Jom Kippur in einer Synagoge versammelt hatten, entkamen dem Täter nur knapp.

Am ersten Jahrestag nach dem Anschlag wollen wir auch in Magdeburg gedenken, unsere Solidarität ausdrücken und deutlich machen, dass wir Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen von Menschenverachtung dauerhaft deutlich und entschieden entgegentreten müssen.

Für Freitag, 9. Oktober rufen wir daher dazu auf, sich an zwei verschiedenen Aktionen zu beteiligen: einer Kundgebung um 15.00 Uhr am Mahnmal der Alten Synagoge in der Julius-Bremer-Straße und der Reinigung der Stolpersteine, die als Zeichen der Solidarität und der Mahnung gereinigt werden sollen. Es soll noch organisierte Routen zum gemeinsamen Reinigen und Gedenken geben. Wer sich beteiligen möchte, kann auch einfach individuell aktiv werden. Einen Plan der Stolpersteine findet man hier und hier alphabetisch sortiert die Gedenkblätter. Zur Reinigung kann man handelsübliche Metallreiniger verwenden und bitte keine Hilfsmittel mit harter Oberfläche. (Nähere Informationen zur Reinigung z.B. hier)

Eine weitere Möglichkeit zur Beteiligung bietet sich bei den Mahnwachen an den Prozesstagen, die weiterhin jeweils morgens ca. eine Stunde vor Prozessbeginn und in der Mittagspause des Prozesses (meist zwischen 12.00 und 13.00 Uhr) stattfinden. Bei den Mahnwachen in der Mittagspause berichten z.T. Nebenkläger*innen oder Nebenklagevertreter*innen vom Geschehen im Prozess. Der nächste Termin ist der 13. Oktober ab 8.30 Uhr, die weiteren Prozesstermine finden sich hier.

Wer sich über den Fortgang und die Inhalte des Prozesses informieren möchte, findet hier eine gute Zusammenstellung von Blogs und Podcasts und hier eine ausführliche und mehrsprachige Dokumentation des Prozesses.

Einsteigen und einmischen!

Vorstellung einer neuen Straßenbahn mit anschließender Sonderfahrt für Zivilcourage anlässlich des bundesweiten Tags der Zivilcourage
18. September ab 9.30 Uhr an der Wendeschleife in der Hartstraße

Mechthild von Magdeburg, deren Figur den Fürstenwall prägt, rief im 13. Jahrhundert die Menschen zur Aufmerksamkeit für sich selbst und andere. So ist sie prädestiniert dazu, zu den diesjährigen Aktionen zum Tag der Zivilcourage in Magdeburg aufzurufen.

Denn Aufmerksamkeit ist notwendig, wenn Menschen diskriminiert, bedroht oder angegriffen werden. Dann braucht es andere, die sich zivilcouragiert einmischen. Darauf macht zukünftig eine neue Straßenbahn aufmerksam, die anlässlich des bundesweiten Tags der Zivilcourage vorgestellt wird.

Anschließend gibt es eine Sonderfahrt mit Gesprächspartner*innen zum Thema Zivilcourage, dem Engagement gegen Diskriminierung und Rassismus sowie gegen Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen und privatisierten Sektor.

Zum Ablauf

  • Ab 9.30 Uhr Vorstellung der neuen Straßenbahn an der Wendeschleife in der Hartstraße
  • 10.15 – ca. 11.00 Uhr Sonderfahrt mit der Straßenbahn mit Gesprächspartner*innen

Dazu sind alle Interessierte herzlich eingeladen. Zum Infektionsschutz bitten wir Teilnehmende um die Nutzung einer geeigneten Mund-Nasen-Bedeckung und die Wahrung des Mindestabstandes. Für die Sonderfahrt gilt wie bei allen Fahrten im Öffentlichen Nahverkehr die Pflicht zum Tragen einer geeigneten Mund-Nasen-Bedeckung.

Auf der von der Initiative „hingucken… denken… einmischen“ gestalteten Straßenbahn wird Mechthild von Magdeburg gemeinsam mit anderen Menschen und Orten aus Magdeburg für Vielfalt, Weltoffenheit und Demokratie werben. Im Regelverkehr der MVB wird sie beständig daran erinnern, wie notwendig unsere Aufmerksamkeit für unsere Mitmenschen ist und wie sehr Magdeburg von Einflüssen von außen geprägt ist, davon profitiert hat und weiterhin profitiert.

Beteiligte Akteur*innen

Der bundesweite Tag der Zivilcourage des Bundesnetzwerks Zivilcourage wird koordiniert durch das Courage! Office von Fabian Salars Erbe e.V.

Die Aktivitäten in Magdeburg werden gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie in der Landeshauptstadt Magdeburg im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

„Hass war und ist tödlich“

Gedenkrede zum 12. Todestag von Rick Langenstein

„Heute vor zwölf Jahren starb Rick Langenstein. Er wurde von einem Neonazi totgeprügelt, weil er das Wort erhob, weil er Haltung zeigte und deutlich machte: Neonazi sein, Menschenfeind sein, ist keine legitime Option.
In der Nacht des 16. August 2008 wollte Rick zusammen mit seinen Freund*innen tanzen und ausgelassen sein – hier in der Nähe in der Diskothek Funpark. Unbeschwert sollte der Sommer sein und voller Vorfreude auf das Kunststudium, das im Herbst beginnen sollte. Welche Pläne hatte er? Welche Kunst schwebte ihm vor? Wir werden es nicht erfahren. Denn in dieser Nacht traf er seinen Peiniger, einem bekennenden und vorbestraften Neonazi. Weil Rick den Täter als das bezeichnete, als was er sich selbst bekannte, wurde er angriffen. Er wurde getreten und geschlagen – so oft und so heftig bis er hilflos am Boden lag und an seinem Blut erstickte. Rick musste sterben, weil er kein Nazi war, weil er das Wort erhob. Das reichte aus, um von einem Nazi zum Feind erklärt zu werden.
Wir stehen heute hier und gedenken Rick Langenstein. Wir stehen hier und erinnern an die gewalttätigen Umstände seines Todes. Wir gedenken aber auch den vielen anderen Opfern und erinnern an die tödliche Dimension rechter Gewalt. Mindestens 208 Menschen kamen in Deutschland seit 1990 ums Leben – weil Nazis und Rassist*innen sie wie Rick zum Feind erklärten und attackierten. So wie Torsten Lamprecht und Frank Böttcher in Magdeburg, so wie Jana L. und Kevin S. in Halle.
Tagtäglich demütigen, bedrohen und drangsalieren rechtsextreme Menschenfeinde in Deutschland, in Sachsen-Anhalt, in Magdeburg Menschen – in Diskotheken, an Haltestellen, auf der Straße, im Internet. Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind auch heute noch tödliche Gefahren. Nicht zuletzt die Anschläge in Halle und Hanau haben dies erschreckend vor Augen geführt.
Gedenken wir der vielen Toten. Erinnern wir uns an ihre Namen, ihr Leben und die Umstände ihres Todes. Hören wir jenen zu, die bedroht werden. Hören wir zu, wenn sie von verletzenden Kommentaren in den Sozialen Medien berichten, wenn sie von Drohmails erzählen, wenn sie von Hassparolen am Rande von Kundgebungen sprechen. Hören wir ihnen zu und nehmen sie ernst. Nehmen wir ihre Sorgen und Ängste ernst. Nehmen wir die Gefahren ernst. Hass war und ist tödlich. Hass war und ist integraler Bestandteil rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Ideologien.
Hören wir den Betroffenen zu und erheben das Wort – gegen das Vergessen, gegen die Verharmlosung, gegen die Relativierung. Erheben wir wie Rick das Wort. Machen wir deutlich: Nazi sein, Menschenfeind sein, ist keine legitime Option. Erheben wir das Wort für eine Gesellschaft, in der jede und jeder ohne Angst verschieden sein und leben kann.
Hören wir zu und erheben das Wort – für Rick, für die Opfer rechter Gewalt, für jene, die auch heute bedroht und angegriffen werden.“

Zwölfter Todestag von Rick Langenstein: Einladung zum Gedenken am 16. August

Für Sonntag, den 16. August 2020, lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zum Gedenken an den vor zwölf Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein ein. Die Veranstaltung beginnt um 16.00 Uhr am Gedenkstein im Hektorweg, Ecke Pallasweg im Stadtteil Reform.
Zum Infektionsschutz bitten wir Teilnehmende um die Nutzung einer geeigneten Mund-Nasen-Bedeckung und die Wahrung des Mindestabstandes.

Zum Hintergund

In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20jährige Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek „Funpark“ (Magdeburg-Reform) so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung vorbestraften Rechtsextremen fest. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den bekennenden Neonazi zu acht Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags und Diebstahls. Das Gericht sah als erwiesen an, dass der 19jährige den angehenden Kunststudenten Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek so brutal misshandelte, dass er noch am Tatort starb.

Familienangehörige und Freund*innen von Rick Langenstein fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie von verschiedenen Institutionen der Zivilgesellschaft sowie der Landeshauptstadt Magdeburg. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen. Der Gedenkstein wurde 2009 wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.