Zerstörung des Banners „otto braucht eine synagoge“

Das BgR Magdeburg verurteilt die offensichtlich antisemitische Tat und fordert zu Spenden für den Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ auf.

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg hat die heute bekannt gewordenen Zerstörung des Banners „otto braucht eine synagoge“  an der Julius-Bremer-Straße verurteilt: „Hier handelt es sich um eine offensichtlich antisemitisch motivierte Tat, die sich gegen den geplanten Neubau der Synagoge richtet“, sagte Pascal Begrich vom BgR am Dienstag in Magdeburg. „Zugleich stellt eine solche Tat ein öffentlich sichtbares jüdisches Leben in Magdeburg infrage.“ Begrich ergänzte: „Letztendlich verhöhnen die Täter auch die Opfer des Holocausts in unserer Stadt. Dies muss deutlich zurückgewiesen werden.“

Das Bündnis gegen Rechts begrüßt die Bemühungen, das Banner schnell zu ersetzen: „Der Neubau einer Synagoge ist nicht nur ein drängendes Anliegen der jüdischen Gemeinde sondern ein wichtiges Signal zur Unterstützung des jüdischen Lebens in der Landeshauptstadt. Es ist eine Bekräftigung für eine anhaltende kritische Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Geschichte Magdeburgs und für das Gedenken an die Opfer des Holocausts.“

„Das BgR unterstützt das Anliegen zum Neubau der Synagoge und ruft zu Spenden für den Förderverein ‚Neue Synagoge Magdeburg‘ e.V. auf.“, fügte Begrich hinzu.

Zum Hintergrund

Die alte, in den Jahren 1850-1897 errichtete, Synagoge wurde während des antisemitischen Pogroms in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 verwüstet und 1939 endgültig zerstört. Von einstmals mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden lebten am Ende der NS-Zeit nur noch 50 in Magdeburg. Heute zählt die Synagogengemeinde wieder 500 Mitglieder. Sie brauchen ein adäquates religiöses Zentrum – auch als Ort der Begegnung und der Gespräche mit anderen. Seit 2012 widmet sich der Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ e.V.  gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde dem Ziel zum Neubau einer Synagoge . Seit Ende 2015 wirbt das Banner „otto braucht eine synagoge“ am Grundstück zum geplanten Bau an der Julius-Bremer-Straße für dieses Anliegen. Das Banner wurde in den letzten Monaten bereits mehrfach beschmiert und beschädigt.

Spenden für den Neubau der Synagoge erreichen den Förderverein über folgendes Konto:

IBAN: DE92 8109 3274 0001 4066 98 | BIC: GENODEF1MD1 | Kontoinhaber: Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ e.V.

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Tag der Zivilcourage am 19. September

Am 19. September findet bundesweit der Tag der Zivilcourage statt. 20 verschiedene Initiativen werben für zivilcouragiertes Eingreifen und wollen darauf aufmerksam machen, dass Zivilcourage ein wesentlicher Baustein für unsere Freiheit und Demokratie ist.
Das Magdeburger Zivilcourageprojekt „otto greift ein“ geht an dem Tag online: Unter dem Motto „#Zivilcourage funktioniert: 95 Gelegenheiten – 32 Tipps“ werden ab 19. September 00h00 bis in den Morgen des 20. September stündlich Tipps und Erfahrungen von gelungener Zivilcourage gepostet.
Sie wollen dabei sein? Dann folgen Sie „otto greift ein“ auf Facebook oder Twitter.

Trauer um Jürgen Martini

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg trauert um Jürgen Martini. Es verliert mit ihm einen engagierten Mitstreiter, dem insbesondere die Gedenk- und Erinnerungsarbeit am Herzen lag: Viele Veranstaltungen hätte es ohne ihn nie gegeben: Stadtrundgänge zum Schicksal von Stadträten und Kommunalpolitiker*innen in der NS-Zeit, Gedenkwege als „Meilensteine“ im Rahmen der Januarproteste und im letzten Jahr die eindrückliche Kampagne „No Pasaran! Magdeburg und der Spanische Bürgerkrieg“.
Unzählige Male standen wir beim Gedenken zusammen: am 1. März am Holzweg, am 8. Februar an der Haltestelle Klinikum Olvenstedt, am 14. Juni in der Liebknechtstraße. Unvergesslich bleibt der Gedenkweg „Die letzte Etappe. Ein Aktionstag im Gedenken an die Opfer von Todesmarsch und Massaker im Stadion Neue Welt“ im April 2015: Vom Westfriedhof aus machte sich eine Gruppe von Schüler*innen, Lehrer*innen und Erwachsenen zu Fuß und per Straßenbahn auf den Weg zum Stadion Neue Welt. Jürgen hatte die Gruppe zusammengebracht. Abends berichtete er bei der Kundgebung „Für ein weltoffenes Magdeburg“ auf dem Alten Markt von der Aktion.
Jürgen engagierte sich auch für die Aktion „Stolpersteine“ mit Übersetzungstätigkeiten bei Verlegeaktionen und für Gedenkblätter. Viele Stolpersteine hat er gereinigt und bei Rundgängen von den Schicksalen der ihnen gewidmeten Menschen berichtet.
Jürgen wird uns und der Stadt fehlen. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und in Dankbarkeit bei ihm.

Seine Familie erbittet eine Spende für die Aktion „Stolpersteine“. Dieser Bitte schließen wir uns an:
IBAN DE02 8105 3272 0014 0001 01
BIC NOLADE21MDG
Verwendungszweck 37994311/Stolpersteine – Stichwort: Martini
Kontoinhaber: Landeshauptstadt Magdeburg

Die nächste Verlegung von Stolpersteinen wird am 11. September stattfinden.

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Was haben Heather Heyer und Rick Langenstein miteinander zu tun?

Gedenkrede zum 9. Todestag von Rick Langenstein am 16. August 2017

„Was haben Heather Heyer und Rick Langenstein miteinander zu tun? Auf den ersten Blick verbindet beide nichts. Rick Langenstein lebte in Magdeburg, bereitete sich gerade auf ein Studium vor und war politisch gar nicht aktiv, geriet an einen Neonazi, dessen Ideenwelt er verachtete. Der nahm ihm das Leben.
Heather Heyer, jene junge Frau, die vor fast einer Woche von einem Neonazi in Charlottsville überfahren wurde, war Gewerkschaftsmitglied und politisch aktiv.
Auf den ersten Blick trennen beide also Welten.

Und dennoch haben beide etwas gemeinsam. Rick Langenstein und Heather Heyer wurden beide Opfer ein und derselben Ideologie der Menschenverachtung. Neonazis sind auf der ganzen Welt der Überzeugung, das Recht des Stärkeren durchsetzen zu müssen. Dies ist tödlich. Und das konnten wir vor wenigen Tagen in den USA sehen.
„Say her name.“ Dieser Satz war nach dem Tod von Heather Heyer in den USA überall zu lesen. Sagt ihren Namen. Wir sind hier, um an Rick Langenstein zu erinnern. Wir sind hier, um seinen Namen zu nennen, damit nicht vergessen wird, was mit Rick Langenstein geschehen ist. Wir sind hier, um zu sagen, dass wir die Gewalt von Neonazis und weißen Rassist*innen nicht mit Ignoranz oder Vergessen quittieren.
Das Leben von Rick Langenstein und Heather Heyer hätte unterschiedlicher nicht verlaufen können. Beide wurden aus dem Leben und aus einem Aufbruch in ihr eigenes Leben herausgerissen. Rick Langenstein hatte wie Heather Heyer sein ganzes Leben noch vor sich. Soweit die Orte des Geschehens auseinanderliegen mögen: Neonazis und ihre Gewalt ist überall auf der Welt tödlich.

Deshalb sind wir heute hier um an Rick Langenstein und an Heather Heyer zu erinnern, und daran, dass die Gewalt von Neonazis geächtet werden muss – überall.

9. Todestag von Rick Langenstein: Einladung zum Gedenken am 16. August

Für Mittwoch, 16. August, lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zu einer Gedenkzeit für den vor neun Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein ein. Das Gedenken beginnt um 16.00 Uhr am Gedenkstein im Hektorweg, Ecke Pallasweg im Stadtteil Reform.

Zum Hintergund
In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20jährige Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek „Funpark so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung vorbestraften Rechtsextremen fest. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den 19jährigen bekennenden Neonazi zu acht Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags und Diebstahls. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er den angehenden Kunststudenten Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek so brutal misshandelte, dass er noch am Tatort starb.

Literatur und weitere Links: Text zu Rick Langenstein auf der Internetseite „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“