Was haben Heather Heyer und Rick Langenstein miteinander zu tun?

Gedenkrede zum 9. Todestag von Rick Langenstein am 16. August 2017

„Was haben Heather Heyer und Rick Langenstein miteinander zu tun? Auf den ersten Blick verbindet beide nichts. Rick Langenstein lebte in Magdeburg, bereitete sich gerade auf ein Studium vor und war politisch gar nicht aktiv, geriet an einen Neonazi, dessen Ideenwelt er verachtete. Der nahm ihm das Leben.
Heather Heyer, jene junge Frau, die vor fast einer Woche von einem Neonazi in Charlottsville überfahren wurde, war Gewerkschaftsmitglied und politisch aktiv.
Auf den ersten Blick trennen beide also Welten.

Und dennoch haben beide etwas gemeinsam. Rick Langenstein und Heather Heyer wurden beide Opfer ein und derselben Ideologie der Menschenverachtung. Neonazis sind auf der ganzen Welt der Überzeugung, das Recht des Stärkeren durchsetzen zu müssen. Dies ist tödlich. Und das konnten wir vor wenigen Tagen in den USA sehen.
„Say her name.“ Dieser Satz war nach dem Tod von Heather Heyer in den USA überall zu lesen. Sagt ihren Namen. Wir sind hier, um an Rick Langenstein zu erinnern. Wir sind hier, um seinen Namen zu nennen, damit nicht vergessen wird, was mit Rick Langenstein geschehen ist. Wir sind hier, um zu sagen, dass wir die Gewalt von Neonazis und weißen Rassist*innen nicht mit Ignoranz oder Vergessen quittieren.
Das Leben von Rick Langenstein und Heather Heyer hätte unterschiedlicher nicht verlaufen können. Beide wurden aus dem Leben und aus einem Aufbruch in ihr eigenes Leben herausgerissen. Rick Langenstein hatte wie Heather Heyer sein ganzes Leben noch vor sich. Soweit die Orte des Geschehens auseinanderliegen mögen: Neonazis und ihre Gewalt ist überall auf der Welt tödlich.

Deshalb sind wir heute hier um an Rick Langenstein und an Heather Heyer zu erinnern, und daran, dass die Gewalt von Neonazis geächtet werden muss – überall.

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9. Todestag von Rick Langenstein: Einladung zum Gedenken am 16. August

Für Mittwoch, 16. August, lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zu einer Gedenkzeit für den vor neun Jahren von einem Neonazi getöteten Rick Langenstein ein. Das Gedenken beginnt um 16.00 Uhr am Gedenkstein im Hektorweg, Ecke Pallasweg im Stadtteil Reform.

Zum Hintergund
In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20jährige Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek „Funpark so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei einen wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung vorbestraften Rechtsextremen fest. Das Landgericht Magdeburg verurteilte den 19jährigen bekennenden Neonazi zu acht Jahren Jugendstrafe wegen Totschlags und Diebstahls. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er den angehenden Kunststudenten Rick Langenstein in der Nähe der Diskothek so brutal misshandelte, dass er noch am Tatort starb.

Literatur und weitere Links: Text zu Rick Langenstein auf der Internetseite „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“

25 Jahre nach dem Angriff auf die „Elbterrassen“

Gedenken und Gespräch
25 Jahre nach dem Angriff auf die „Elbterrassen“ und zum 25. Todestag von Torsten Lamprecht

 

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg erinnert am Dienstag, dem 9. Mai 2017 um 16.00 Uhr mit einer Mahnwache an den Angriff auf die „Elbterrassen“ und den dabei von neonazistischen Skinheads ermordeten Torsten Lamprecht.
Wir laden Sie herzlich zur Gedenkveranstaltung am Torsten-Lamprecht Weg / Ecke Brücke am Wasserfall ein. Der Veranstaltungsort befindet sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen „Elbterrassen“.

„Torsten Lamprecht ist tot!“ Die Stadtgesellschaft und die Erinnerungskultur an die rechte Gewalt der Neunziger Jahre
Unter diesem Titel lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zu einer Diskussionsrunde am Mittwoch, dem 17. Mai 2017 um 19.30 Uhr in die Feuerwache (Halberstädter Strasse 140) ein.
1992: Angriff auf die „Elbterrassen“ und Tod von Torsten Lamprecht, 1994: „Himmelfahrtskrawalle“, 1997: tödlicher Angriff auf Frank Böttcher: Die Neunziger Jahre waren ein Jahrzehnt massiver rechter Gewalt. Wir wollen in der Veranstaltung zurückschauen auf diese Zeit zurück- und davon ausgehend auf heute schauen: Was hat sich in der Magdeburger Stadtgesellschaft im Umgang mit rechter Gewalt seitdem verändert? Was müsste noch getan werden?
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu der Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Zum Hintergrund
Am Abend des 9. Mai 1992 feierten etwa 30 Jugendliche der Magdeburger Punk-Szene den Geburtstag eines Freundes in der Gaststätte „Elbterrassen“ im Stadtteil Cracau.
Kurz vor Mitternacht rissen etwa 60 neonazistische Skinheads das Tor zum Gelände auf und begannen unvermittelt mit Baseballschlägern auf die Feiernden einzuschlagen. Einer der Angreifer schoss mit Leuchtkugeln auf die panisch fliehenden Gäste. Während des 30-minütigen Angriffs riefen die Neonazis immer wieder Parolen wie „Heil Hitler!“ und „Sieg Heil!“. Der Betreiber der „Elbterrassen“ schilderte später seine Eindrücke des Überfalls gegenüber der Magdeburger Volksstimme: „Keiner von uns wusste, was hier eigentlich passierte. Es war, als ob ein Krieg ausbrach.“ Da das Telefon nicht funktionierte, kletterte er über eine Mauer, um Hilfe zu holen. In einer Nebenstraße traf er auf mehrere Streifenpolizisten. Diese verweigerten jedoch jegliche Unterstützung mit den Worten „Wir sind zu wenig Leute.“ Erst als die Angreifer bereits weg waren, traf die Verstärkung der Polizei am Ort des Geschehens ein. Dort versorgten bereits mehrere Notärzte die zum Teil schwerverletzten Partygäste. Acht von ihnen mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden – darunter Torsten Lamprecht. Er erlag am 11. Mai 1992 seiner schweren Schädelfraktur.
Immer wieder wurden Anfang der 1990er Jahre Punks, Migrant_innen und linke Jugendliche von Rechtsextremen und Rassisten zusammengeschlagen. Neonazis überfielen Treffpunkte von Punks wie den „Knast“ in Magdeburg-Neustadt und linke Wohnprojekte in Stadtfeld. Der Überfall auf die „Elbterrassen“ stellte den traurigen Höhepunkt dieser Reihe von rechts motivierten Angriffen dar. Jahre später beschrieb ein Freund des ermordeten Torsten Lamprecht den Angriff als tiefen Einschnitt: „Aber seit dem 9. Mai 1992 ging es um Leben und Tod.“

Literatur und weitere Links: Text zu Torsten Lamprecht auf der Internetseite „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“

Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht!

Aufruf von Halle gegen rechts – Bündnis für Zivilcourage gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai in Halle

„Während am Ersten Mai in vielen Ländern weltweit Gewerkschaften für gute Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit auf die Straße gehen, will die neonazistische Partei „Die Rechte” unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kapitalismus, Ausbeutung und Überfremdung” Halle (Saale) zu ihrem zentralen Aufmarschort machen. Neonazis und Rassist*innen aus der gesamten Bundesrepublik kündigen ihre Teilnahme an; unter ihnen militante rechte Gruppierungen, die bereits in den letzten Jahren am Ersten Mai in Plauen und Saalfeld für Ausschreitungen und Übergriffe verantwortlich waren.
Der rassistischen und rechtsextremen Eskalation widersprechen!
In der inhaltlichen Fortsetzung und Sprache des Nationalsozialismus wollen Rechte am Ersten Mai Macht demonstrieren und öffentliche Räume einnehmen. Sie sprechen zwar von Kapitalismus und Ausbeutung, meinen damit aber etwas anderes als die Gewerkschaften. Nazis führen Kapitalismus und Ausbeutung auf fremde Mächte zurück, die das Ziel haben das „Deutsche Volk“ zu kontrollieren. Dagegen setzen sie ihre völkisch-rassistischen Ideen von Arbeit, Staat und Gesellschaft.
In Sachsen-Anhalt, Deutschland und Europa ist die extreme Rechte auf dem Vormarsch und mit ihr faschistische Sprache sowie rassistische und antisemitische Vorurteile, die Sehnsucht nach totalitärer Führung und brutale Gewalt in Worten und Taten. Seit mehr als zwei Jahren reißen die massiven Attacken und Anschläge auf Unterkünfte Geflüchteter nicht ab. Täglich werden Menschen angegriffen, gesellschaftliche und politische Debatten verschieben sich nach rechts, rechte Parteien gewinnen Mandate und Einfluss, ihre Forderungen werden diskutiert und teils übernommen: Sie erfahren Rückhalt in der Mitte der Gesellschaft. Die rassistische und rechtsextreme Eskalation sowie zunehmende Gewalt und eine Gesellschaft, die das seit über zwei Jahren zulässt, machen auch uns oft ratlos. Doch wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Rechtsextreme weiter an Einfluss gewinnen, sondern engagiert dagegen halten.
Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht!
Wir rufen dazu auf, sich den Rechten am Ersten Mai entschlossen und gewaltfrei entgegenzustellen! Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht! Bereits in den letzten Jahren gab es erfolgreiche Proteste und Blockaden gegen rechte Aufmärsche in Halle, auch dank überregionaler Unterstützung, der Vielfalt an Aktionsformen und der Solidarität derjenigen untereinander, die den Nazis nicht die Straßen überlassen wollen. An diese Erfahrungen wollen wir anschließen. Wir wollen entschlossen für eine plurale und solidarische Gesellschaft streiten, in der die Würde und die Menschenrechte jeder und jedes Einzelnen zählen und nicht von Herkunft, Religion, sexueller Identität, sozialem Status oder Staatsangehörigkeit abhängen. Mit klarer Haltung, vielfältigem Protest, kreativen Formaten und zivilem Ungehorsam wollen wir gemeinsam dem Rechtsextremismus entgegentreten. Zusammen können wir uns dem Wiedererstarken von Faschismus und völkischem Denken widersetzen.“
Aufruf mit allen Unterzeichner_innen hier.
Was am 1. Mai geplant ist, finden Sie hier.
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13.-25. März: Internationale Wochen gegen Rassismus

1703-iwgr-md-logoZum zweiten Mal beteiligt sich Magdeburg in diesem Jahr an den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Dem Mobilisierungsaufruf der Vereine Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) und Miteinander e.V. in der Magdeburger Stadtgesellschaft sind zehn Organisationen mit dreizehn facettenreichen Beiträgen gefolgt. Sie umspannen Geschichte und Gegenwart wie auch Ländergrenzen und individuelle Lebenswelten.

Das Programm umfasst Workshops, Seminare, Filme, Vorträge, Diskussionen u.v.m. und richtet sich an verschiedene Zielgruppen: jüngeres und älteres Publikum, mehrsprachige Besucher_innen und Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Auch für Fachpublikum aus dem schulischen und außerschulischen Bereich, der Interkulturellen Bildung oder Antirassismusarbeit sind interessante Angebote enthalten.
Die Beiträge setzen sich kritisch mit Menschenrechtsfragen im Iran, in Saudi-Arabien, Afghanistan und der ehemalige Sowjetunion auseinander und „kehren genauso vor der eigenen Tür“.
Auch die Polarisierung in unserer Gesellschaft wirft weiter- und tiefergehende Fragen auf. Etwa, wie ein zukunftsorientiertes Gesellschaftsmodell von Solidarität, Menschenwürde und gleichberechtigter Teilhabe für alle gestaltet werden kann. Wie wir mit Einstellungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie Ideologien der Ungleichwertigkeit in der Mitte der Gesellschaft bis hinein ins Landesparlament umgehen.

Das Programm zeigt: Magdeburg ist bunt und vielfältig. Den engagierten Gestalterinnen und Gestaltern des Magdeburger Stadtlebens vom Kulturzentrum bis zur Migrantenorganisation, von der Gewerkschaft bis zur Geflüchtetenunterkunft, gehören die Scheinwerfer der Aufmerksamkeit, nicht den Hetzenden und kalkuliert Tabubrechenden.

Programmflyer zum Download: 1703 Internat Wochen gegen Rassismus
Programm als Textversion: 1703 Internat Wochen gegen Rassismus – Textversion