Magdeburg trägt Kippa

Aufruf, am 25. April ein solidarisches Zeichen zu setzen

Wenn Israelis und Juden in unserem Land verbal und körperlich angegriffen werden, weil sie Kippa tragen, dann sind wir alle angegriffen. Und wir alle müssen deutlich „Flagge zeigen“. Darum rufen das Magdeburger „Bündnis gegen Rechts“, der Förderverein „Neue Synagoge Magdeburg“ e.V. und die Magdeburger Arbeitsgruppe der „Deutsch-Israelischen Gesellschaft“ dazu auf, nun mit einer eigenen solidarischen Aktion zu antworten. Am gleichen Tag wie in Berlin, Köln, Erfurt und anderen Städten in Deutschland rufen wir die Magdeburgerinnen und Magdeburger dazu auf, sich unter dem Motto „Magdeburg trägt Kippa“ am Mittwoch, dem 25.4.2018 um 18.00 Uhr am Synagogenmahnmal (Julius-Bremer-Straße/ Ecke Platz an der Alten Synagoge) einzufinden.

Wer kann, bringe bitte eine Kippa mit – Männer können in begrenztem Umfang vor Ort auch eine Kippa ausborgen. Frauen werden gebeten, mit eigener Kopfbedeckung zu kommen. Nach einer Kundgebung am Synagogenmahnmal wollen wir schweigend zum zukünftigen Standort der Magdeburger Synagoge in der Julius-Bremer-Straße gehen. Das dortige Banner „Otto braucht eine Synagoge“ musste bereits vier Mal erneuert werden und ist gerade wieder neu aufgestellt worden, so dass es wieder jede*r lesen kann: „Otto braucht eine Synagoge“. Dass das in Frieden und guter Verbundenheit mit allen Menschen unserer Stadt möglich wird, dafür kann „Otto“ am Mittwoch ein Zeichen setzen und auch ruhig mal eine Kippa tragen, ob er nun Jude ist oder nicht.

Im Jahr 2018 und damit 70 Jahre nach der Gründung des Staates Israel und 80 Jahre nach den Novemberpogromen, bei denen auch die Magdeburger Synagoge zerstört wurde, rufen wir die Menschen in Magdeburg dazu auf, sich gegen jeden Antisemitismus und Rassismus zu stellen. Mit dieser Aktion und einer entschlossenen Unterstützung einer neuen Synagoge für Magdeburg wollen wir deutlich machen, dass wir mit unseren jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn, die wie wir hier zu Hause sind, in Frieden und in herzlicher Verbundenheit leben wollen. Denn ihr Frieden ist auch unser Frieden.

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Die Identitären – „Neue Rechte“ in Bewegung?

Informationsveranstaltung von Bündnis gegen Rechts Magdeburg und Blockmd am 14. April um 11.00 Uhr im Moritzhof

Am 14. April findet in Magdeburg ein „staatspolitischer Kongress“ statt, veranstaltet vom „Institut für Staatspolitik“. Diese im Süden Sachsen-Anhalts ansässige Denkfabrik der Neuen Rechten in Deutschland agiert seit langem im Schnittpunkt zwischen der AfD, der Identitären Bewegung und dem Konzeptansatz, rechten Ideenwelten in der Gesellschaft in breitem Umfang Gehör zu verschaffen. Der in Magdeburg stattfindende Kongress präsentiert Referenten aus England und Deutschland, die sich mit der Zukunft des Landes aus rechter Sicht beschäftigen.
Wir nehmen dies zum Anlass, die Akteure mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Der Referent von Miteinander e.V. informiert über die Neue Rechte in Deutschland und das Wirken des Instituts für Staatspolitik. Und natürlich ist auch Gelegenheit für Fragen und Diskussion.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verwehren oder von diesen auszuschließen.

Internationale Wochen gegen Rassismus 2018

Bereits zum dritten Mal finden vom 12. bis 25. März die Internationalen Wochen gegen Rassismus auch in Magdeburg statt.

Zahlreiche Akteure haben ein breites Programm auf die Beine gestellt und hoffen auf Diskussion und Begegnung, Information und Empowerment bei den unterschiedlichen Veranstaltungen.

Die Menschenwürde darf für keinen politischen oder ideologischen Zweck verhandelbar sein.
Darum: 100% Menschenwürde! Alle gesellschaftlichen Kräfte sind gefragt, zusammen gegen Rassismus zu stehen – und auch Ausgrenzungsmechanismen in den eigenen Strukturen kritisch zu hinterfragen. Die Internationalen Wochen gegen Rassismus bieten eine gute Gelegenheit, deutlich und sichtbar zu machen, dass Rassismus und andere Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in Magdeburg keinen Platz haben.

Materialien:

75. Jahrestag der Deportation der Sinti und Roma

Unku (Erna Lauenburger) 1935 in Dessau-Roßlau (Fotograf: Hanns Weltzel, Quelle: University of Liverpool Library) – AJZ Dessau

Einladung zum Gedenken an die Deportation und Ermordung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus

Am 1. März 2018 jährt sich zum 75. Mal die Deportation der Sinti und Roma aus dem „Zigeunerlager“ am Holzweg/Silberberg in Magdeburg nach Auschwitz. Dort wurde 340 von ihnen – Kinder, Frauen und Männer – ermordet. Ihrer möchten wir an diesem Tag gedenken.
Die Gedenkveranstaltung findet um 16.00 Uhr an der Namensstele im Flora-Park (Olvenstedter Graseweg, Fußgängerzugang zum Florapark) statt.

Der 75. Jahrestag der Deportation der Sinti und Roma ist zudem Anlass für weitere Veranstaltungen:

Lesung: „Auf dem bisherigen Platze waren sie dem bewohnten Ortsteile zu nahe“
am 1. März um 17.00 Uhr in der Stadtteilbibliothek Florapark

Im Anschluss an das Gedenken berichtet Pascal Begrich, Historiker und Geschäftsführer von Miteinander e.V., mit einer kommentierten Lesung von der Verfolgung der Sinti und Roma in Magdeburg während des Nationalsozialismus.

Wanderausstellung: „…vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig“
vom 1.-31. März in der Zentralbibliothek

In den 1930er Jahren fotografierte Hanss Weltzel vorwiegend Sinti, aber auch einige Roma in Dessau-Roßlau. Nach der Ausweisung aus Dessau-Roßlau Anfang 1938 wurden viele der Fotografierten in das „Zigeunerlager am Holzweg“ in Magdeburg gezwungen. Die Ausstellung wurde von Jana Müller (AJZ Dessau) und Prof. Eve Rosenhaft erarbeitet. Eine Kooperation der Stadtbibliothek mit dem Alternativen Jugendzentrum Dessau.

Vernissage zur Ausstellung: „…vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig“
am 2. März um 16.00 Uhr in der Zentralbibliothek

Zur Eröffnung der Wanderausstellung zeigt Jana Müller Filmdokumente und einzigartige Fotos, die das Alltagsleben der verfolgten Sinti und Roma im Nationalsozialismus dokumentieren. Eine Kooperation der Stadtbibliothek mit dem Alternativen Jugendzentrum Dessau.

Lesung: „Ede und Unku – die wahre Geschichte“
am 6. März um 19.30 Uhr in der Zentralbibliothek

„Ede und Unku“ erschien 1931. Die Autorin Alex Wedding erzählt darin von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Arbeiterjungen Ede und dem Sintimädchen Unku. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das Buch verboten. Unku – eigentlich Erna Lauenberger –  wurde 1943 in Auschwitz ermordet. In „Ede und Unku – die wahre Geschichte“ erzählen Juliane von Wedemeyer und Janko Lauenburger, „Unkus Ur-Cousin“, über das Leben von Erna Lauenberger und gleichzeitig über Janko Lauenburgers Leben als Sintikind in der DDR. Eine Kooperation der Stadtbibliothek mit Miteinander e.V., gefördert im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie in der Landeshauptstadt Magdeburg vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundesprogramm „Demokratie leben!“.

„Die Menschenfeindlichkeit rechter und rassistischer Täter hat keine Argumente“

Rede zum Gedenken zum 21. Todestag von Frank Böttcher

Was lässt sich über die Gewalt von Neonazis der Neunziger Jahre sagen, was nicht schon gesagt wäre? Dass sie nicht endet. Dass bei den von ihr Betroffenen die Angst bleibt. Sagen lässt sich auch, dass jene, die ihr Leben verloren, fehlen. Sie fehlen ihren Freund*innen, ihren Verwandten. Immer noch. Und an den Jahrestagen, die Todestage sind, besonders.
Wir gedenken auch in diesem Jahr des Todes Frank Böttchers im Februar 1997. Es gibt keine historischen Konjunktive. Aber könnte Frank Böttcher noch leben, wenn er nicht mit der Straßenbahn hier nach Olvenstedt gekommen wäre, um sich eine Handverletzung behandeln zu lassen? Vielleicht. Die Angst in der Straßenbahn angegriffen zu werden war für potentiell Betroffene rechter Gewalt allgegenwärtig. Ist es heute anders? Am vergangenen Montag war von einem Angriff auf einen Mann zu lesen, der in der Straßenbahn rassistisch beleidigt und geschlagen wurde. Daran können wir sehen: die Angst Straßenbahn zu fahren ist für potentiell Betroffene rechter Gewalt nicht aus der Luft gegriffen.
Über die von Neonazis ausgeübte Gewalt lässt sich sagen: Sie ist scheinbar endlos, vielgestaltig. Aber sie ist schnell aus dem öffentlichen Bewusstsein genommen. Ihre Kontinuitätslinien werden vielfach nicht gesehen. Aber sie sind da. Die Betroffenen wissen darum.
Frank Böttcher musste sterben, nicht weil er zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen wäre. Nicht, weil er mit der Straßenbahn nach Olvenstedt kam, wovon er wusste, dass es gefährlich war. Nein. Frank Böttcher musste sterben, weil sie ein jugendlicher Neonazi sich von seinem Aussehen provoziert fühlte. Von seinem Irokesenschnitt in rot. Die Menschenfeindlichkeit rechter und rassistischer Täter hat keine Argumente. Sie sucht ihre Anlässe und Rechtfertigungen: bunte Haare, Kopftücher, lange Haare, Hautfarben. Vom Wort zur Gewalt ist es zu oft nur ein kurzer Weg. Wie bei Frank Böttcher und den anderen Opfern rechter Gewalt
Deshalb sind wir hierher gekommen, um an Frank Böttcher zu erinnern. Wir sind gekommen, um zu sagen: Es ist nicht vorbei mit rechter Gewalt und Rassismus. In Magdeburg nicht und andernorts auch nicht.