Gegen den Hass – Kirchen in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus

Forum der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern am 29. und 30. September in Magdeburg

 

In Deutschland hat sich eine neue rechte Bewegung etabliert. Sie verbindet Rassismus mit antidemokratischen Ressentiments und ist anschlussfähig in die Mitte der Gesellschaft. Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt, dass rechtspopulistische Akteure manchmal sogar mehrheitsfähig sind. Überall stehen Parteien der demokratischen Mitte in der Gefahr, einfachen und populistischen Mustern und Politikangeboten zu verfallen und damit rechtspopulistische Positionen zu verstärken. Für die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände stellt diese gesellschaftliche Situation eine große Herausforderung dar: Die Ziele der Neuen Rechten stehen in direktem Widerspruch zu kirchlichem und zivilgesellschaftlichem Engagement für geflüchtete Menschen und für eine offene Gesellschaft. Gleichzeitig finden vermehrt Angriffe auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte statt. Zunehmend sind dabei auch Unterstützer*innen der Geflüchteten einer von Hass geprägten gesellschaftlichen Stimmung ausgesetzt.
Das Forum soll kurz nach der Bundestagswahl 2017 einen überregional vernehmbaren Kontrapunkt zu rechtspopulistischen Positionen setzen. Die Veranstaltenden laden herzlich dazu ein, sich auszutauschen, zu informieren, sich gegenseitig zu ermutigen und gemeinsam gute Praxis gegen den Hass zu entwickeln.

Programm: 170929 BAGKR Forum Gegen den Hass_Flyer
Zur Anmeldung geht es hier.

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„Ich kann nicht sagen, dass ich keine Angst habe…“

Migrantische Perspektiven auf den Himmelfahrtstag 1994

„Ich kann nicht sagen, dass ich keine Angst habe…“ So die Aussage eines Migranten nach dem Himmelfahrtstag des Jahres 1994 in Magdeburg.
Am 12. Mai 1994, dem Himmelfahrtstag, jagten 50-60 bewaffnete Neonazis stundenlang Migrant_innen durch die Magdeburger Innenstadt und prügelten auf sie ein.
Der „Verein Nachbarschaftliches Cracau-Prester“ hat im Nachgang der Ereignisse Aussagen von Zeuginnen und Zeugen gesammelt und anonymisiert in einer Broschüre veröffentlicht.
Zum heutigen 23. Jahrestag der Ereignisse veröffentlichen wir Aussagen von Migrantinnen und Migranten zu den Geschehnissen am 12. Mai 1994, die wir dieser Broschüre und den im Internet zugänglichen Medienberichten entnommen haben – ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Ausgewogenheit, sondern zur Erinnerung der Ereignisse und zur Wahrnehmung der migrantischen Perspektiven.

„Ich war allein. Da hörte ich vom Karstadt her Rufe „Ausländer raus!“. Ich sah Leute weglaufen. Ich sah auch an der Ecke vom Breiten-Weg auf der Karstadt-Seite Leute mit Baseballschlägern und Plastikknüppeln.“
„Ich stand … bis 15.30 Uhr etwa … im Eingang zum Mc-Donalds … Der Lärm wurde immer mehr. Ich sah Leute schnell weglaufen. Plötzlich bekam ich einen Fußtritt von hinten. … Da waren Nazis, und sie riefen: Ausländer raus!“
„Als ich die Straße bei der Ampel in Höhe der Johanniskirche überquerte, war da ein Polizeimann. Der hielt mich fest, riß mich am Hemd.“
„Zwei junge Schwarze, die wohl von den Vorfällen nichts wußten und gerade aus Mc Donalds herauskamen, wurden sofort von den Rechtsradikalen angegriffen und alle Leute, die beim Café Flair saßen, mischten sich in das Gewühl ein. Plötzlich wurde wir auch von Rechtsradikalen umgeben vor den Augen der Polizei.“
„… es gelang ihnen sogar, die Scheiben der Straßenbahn, in der wir uns befanden zu zerschlagen und uns mit Steinen zu bewerfen.“
„Wir kamen zum Breiten Weg – Ausländerbehörde, dort trafen wir auf genausoviel Nazis, die Steine auf uns warfen.“
„Draußen … saßen deutsche junge Männer auf der Terrasse … Als wir vorbeigingen standen die auf und riefen u.a.: Ausländer raus! Dann ging alles ganz schnell: Die Nazis hatten Knüppel und ein paar warfen mit den Stühlen nach uns.“
„Wir wollten in einem Taxi fliehen und wurden nicht mitgenommen.“
„Am nächsten Morgen wurden wir vor 5.00 Uhr entlassen.“
„Niemand hat uns geholfen. Nicht die Polizei, nicht die Bürger von Magdeburg.“
„Seit Donnerstag wissen wir: Es kann jederzeit passieren, am hellichten Tag. Wir könnten getötet werden und keiner würde uns helfen.“
„Ich kann nicht sagen, daß ich keine Angst habe. Aber wir müssen doch frei laufen können. Wie andere Leute.“

Veranstaltungshinweis
„Torsten Lamprecht ist tot!“ Die Stadtgesellschaft und die Erinnerungskultur an die rechte Gewalt der Neunziger Jahre

Unter diesem Titel lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zu einer Diskussionsrunde am Mittwoch, dem 17. Mai 2017 um 19.30 Uhr in die Feuerwache (Halberstädter Strasse 140) ein.
1992: Angriff auf die „Elbterrassen“ und Tod von Torsten Lamprecht, 1994: „Himmelfahrtskrawalle“, 1997: tödlicher Angriff auf Frank Böttcher: Die Neunziger Jahre waren ein Jahrzehnt massiver rechter Gewalt. Wir wollen in der Veranstaltung zurückschauen auf diese Zeit zurück- und davon ausgehend auf heute schauen: Was hat sich in der Magdeburger Stadtgesellschaft im Umgang mit rechter Gewalt seitdem verändert? Was müsste noch getan werden?
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu der Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

„Torsten Lamprecht ist tot!“ Oder: Das Jahr 1992

Gedenkansprache zum 9. Mai 2017

Im Jahr 1992 gab es keinen Tag ohne einen Angriff auf Asylbewerber_innen, Obdachlose oder linke und alternative Jugendliche. In keinem Jahr zuvor gab es so viele rassistische und rechte Angriffe wie 1992. Und in keinem Jahr danach – ausgenommen das Jahr 2016.
In den Monaten vor Torsten Lamprechts Tod gibt es zahlreiche gezielte Angriffe auf das Leben anderer Menschen, verübt von Neonazis. Sie ziehen eine Spur der Gewalt durch das Land. Und immer sind es Einzelfälle, Einzeltaten, Verkettungen unglücklicher Umstände, erklärbar aus der Wirrnis der Zeit. Erst in Rostock-Lichtenhagen im August des gleichen Jahres wird klar, wo diese Gewalt ihren Höhepunkt hat.

Diese Gewalt hat Folgen. Sichtbar für jene, die sie erleiden. Unsichtbar für jene, die nicht angegriffen und verletzt werden, sich aber angegriffen und zutiefst verletzt sehen in ihrem Gefühl von Sicherheit und Lebensfreude. Sie meiden Straßenbahnen zu bestimmten Uhrzeiten, durcheilen im Laufschritt Stadtteile, von denen es heißt, dort gäbe es viele Neonazis. Ihr wacher Blick der Angst gilt den Fahrgästen des Zuges, den Menschen auf der anderen Straßenseite. Droht von dort Gefahr? Gibt es noch einen Ausweg?
Viele ältere Erwachsene rieten den Jüngeren damals, sie sollten sich eben anders kleiden, neutral auftreten, sich unsichtbar machen. Das war gut gemeint. Aber es war falsch. Denn Freiheit von der gerade zu Ende gegangenen Normierung des Alltags in der DDR hieß ja auch (für Punks): sich zu kleiden, wie man es gerade wollte. War nicht der Opportunismus der Anpassung gerade zwei Jahre zuvor gesellschaftlich gescheitert? Die Aufforderung, sich selbst unkenntlich zu machen, selbst wenn es dem Schutz vor Gewalt dienen sollte, spiegelte das Argumentationsschema, in dem rechtsmotivierte Angriffe als Schlägerei unter Jugendlichen abgetan wurden.
Migrant_innen wurde ins Gesicht gesagt, sie mögen bedrohlichen Situationen und Angriffen ausweichen oder sich unsichtbar machen: Dass sprach ihnen Hohn. Das missachtete sie mindestens oder war einfach Rassismus.

Vielstimmig erklang 1992 der Chor jener, bei denen im Falle rechter Gewalttäter_innen Verständnis in Empathie umschlug. Wieder diente als Zusammenhang die Umbruchssituation in der Gesellschaft. Doch Empathie und Verständnis sind zwei verschiedene Dinge. Wem galt das Mitgefühl in dieser Zeit? Zu oft fanden sich die Opfer von Neonazis in der Rolle der Schuldigen wieder. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort oder hatten die Täter_innen durch ihre Anwesenheit oder ihr Aussehen oder ihr Handeln provoziert. Diese Täter-Opfer-Umkehr ist ein Muster, welches sich bis heute erhalten hat, wo es eigentlich darum geht, die Vorgänge beim Namen zu nennen: Rassismus und Neonazismus.

All dies bildet die Kulisse für das, was am 9. Mai 1992 auf den Elbterrassen geschieht. Zuerst gibt es einen fingierten Notruf bei der Polizei, der den neonazistischen Skinheads das Feld bereitet. Dann stürmen 60 neonazistische Skinheads die Geburtstagsparty der Punks im Gartenlokal „Elbterrassen“. Von drei Seiten greifen die Nazis an. Sie haben Eisenstangen, Flaschen, Messer, Steine. Flucht ist fast unmöglich. Nach 15 Minuten ist alles vorbei. Es gibt Verletzte. Am 11. Mai erliegt Torsten Lamprecht seinen Verletzungen. Zurück bleiben Scherben, Angst, Tod und Traumatisierung.

Der Tod Torsten Lamprechts ist ein Lehrstück für den Umgang der Gesellschaft mit rechter Gewalt in den 1990er Jahren. In den kommenden Jahren werden wir viele ähnlich lautende Argumente von Polizei, Politiker_innen und Sozialarbeiter_innen hören. In vielen Fällen werden in der öffentlichen Debatte die gleichen Stereotype aufscheinen: Jugendgewalt unter Alkoholeinfluss als zeitlich absehbares oder vorübergehendes Phänomen, Frustration über Arbeits- und Ausbildungsplatzmangel, der ungewohnte Umgang mit Fremden. Der sich entladenden Gewalt wird vor dem Hintergrund einer gesellschaftlichen Desorientierung und Verunsicherung eine regelrechte Zwangsläufigkeit attestiert.
Zentral war dabei die Entpolitisierung der Motivlage der Anwendung von Gewalt. Wenn die Stereotype auserzählt waren, kam zu oft das Schweigen für die Opfer und auch das Vergessen all jener, die nicht zu den unmittelbar Betroffenen zählten.

Heute, fünfundzwanzig Jahre nach dem Tod Torsten Lamprechts ist vieles anders. Anders als damals hat heute fast jeder ein Telefon in der Tasche. Anders als damals gibt es heute professionelle Hilfe für Menschen, die zu Opfern rechter Gewalt werden. Anders als damals gibt es heute mehr Vernetzung unter jenen, die sensibel für die Vorzeichen rechter und rassistischer Gewalt sind. Anders als damals gibt es heute keine rechten Skinheads mehr.
Was es immer noch gibt, sind rechte und rassistisch motivierte Gewalttaten und Täter, und es sind nicht weniger als 1992. Was es immer noch gibt, sind Angriffe auf Obdachlose, Flüchtlinge und politisch engagierte Menschen, und es sind nicht weniger als 1992. Was es immer noch gibt, sind Neonazis, die stolz auf ihre Menschenverachtung sind, und es sind nicht weniger als 1992. Was es immer noch gibt, sind Menschen, die Beifall klatschen, wenn andere zuschlagen. Nur jetzt eben bei Facebook, und es sind nicht weniger als 1992.

An Torsten Lamprecht zu erinnern heißt, nicht zu resignieren vor der sichtbaren und der unsichtbaren Präsenz rechter und rassistischer Gewalt.
An Torsten Lamprecht zu erinnern heißt, nicht blind zu werden für neue Formen oder Vorstufen rechter Gewalt.
An Torsten Lamprecht zu erinnern heißt: Es braucht ein Durchhalten und die präzise Beschreibung der Umstände unter denen rechte Gewalt möglich wird.
Deshalb sind wir heute hier.“

25 Jahre nach dem Angriff auf die „Elbterrassen“

Gedenken und Gespräch
25 Jahre nach dem Angriff auf die „Elbterrassen“ und zum 25. Todestag von Torsten Lamprecht

 

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg erinnert am Dienstag, dem 9. Mai 2017 um 16.00 Uhr mit einer Mahnwache an den Angriff auf die „Elbterrassen“ und den dabei von neonazistischen Skinheads ermordeten Torsten Lamprecht.
Wir laden Sie herzlich zur Gedenkveranstaltung am Torsten-Lamprecht Weg / Ecke Brücke am Wasserfall ein. Der Veranstaltungsort befindet sich in unmittelbarer Nähe der ehemaligen „Elbterrassen“.

„Torsten Lamprecht ist tot!“ Die Stadtgesellschaft und die Erinnerungskultur an die rechte Gewalt der Neunziger Jahre
Unter diesem Titel lädt das Bündnis gegen Rechts Magdeburg zu einer Diskussionsrunde am Mittwoch, dem 17. Mai 2017 um 19.30 Uhr in die Feuerwache (Halberstädter Strasse 140) ein.
1992: Angriff auf die „Elbterrassen“ und Tod von Torsten Lamprecht, 1994: „Himmelfahrtskrawalle“, 1997: tödlicher Angriff auf Frank Böttcher: Die Neunziger Jahre waren ein Jahrzehnt massiver rechter Gewalt. Wir wollen in der Veranstaltung zurückschauen auf diese Zeit zurück- und davon ausgehend auf heute schauen: Was hat sich in der Magdeburger Stadtgesellschaft im Umgang mit rechter Gewalt seitdem verändert? Was müsste noch getan werden?
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu der Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Zum Hintergrund
Am Abend des 9. Mai 1992 feierten etwa 30 Jugendliche der Magdeburger Punk-Szene den Geburtstag eines Freundes in der Gaststätte „Elbterrassen“ im Stadtteil Cracau.
Kurz vor Mitternacht rissen etwa 60 neonazistische Skinheads das Tor zum Gelände auf und begannen unvermittelt mit Baseballschlägern auf die Feiernden einzuschlagen. Einer der Angreifer schoss mit Leuchtkugeln auf die panisch fliehenden Gäste. Während des 30-minütigen Angriffs riefen die Neonazis immer wieder Parolen wie „Heil Hitler!“ und „Sieg Heil!“. Der Betreiber der „Elbterrassen“ schilderte später seine Eindrücke des Überfalls gegenüber der Magdeburger Volksstimme: „Keiner von uns wusste, was hier eigentlich passierte. Es war, als ob ein Krieg ausbrach.“ Da das Telefon nicht funktionierte, kletterte er über eine Mauer, um Hilfe zu holen. In einer Nebenstraße traf er auf mehrere Streifenpolizisten. Diese verweigerten jedoch jegliche Unterstützung mit den Worten „Wir sind zu wenig Leute.“ Erst als die Angreifer bereits weg waren, traf die Verstärkung der Polizei am Ort des Geschehens ein. Dort versorgten bereits mehrere Notärzte die zum Teil schwerverletzten Partygäste. Acht von ihnen mussten in ein Krankenhaus eingeliefert werden – darunter Torsten Lamprecht. Er erlag am 11. Mai 1992 seiner schweren Schädelfraktur.
Immer wieder wurden Anfang der 1990er Jahre Punks, Migrant_innen und linke Jugendliche von Rechtsextremen und Rassisten zusammengeschlagen. Neonazis überfielen Treffpunkte von Punks wie den „Knast“ in Magdeburg-Neustadt und linke Wohnprojekte in Stadtfeld. Der Überfall auf die „Elbterrassen“ stellte den traurigen Höhepunkt dieser Reihe von rechts motivierten Angriffen dar. Jahre später beschrieb ein Freund des ermordeten Torsten Lamprecht den Angriff als tiefen Einschnitt: „Aber seit dem 9. Mai 1992 ging es um Leben und Tod.“

Literatur und weitere Links: Text zu Torsten Lamprecht auf der Internetseite „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“

Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht!

Aufruf von Halle gegen rechts – Bündnis für Zivilcourage gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai in Halle

„Während am Ersten Mai in vielen Ländern weltweit Gewerkschaften für gute Arbeitsbedingungen und soziale Gerechtigkeit auf die Straße gehen, will die neonazistische Partei „Die Rechte” unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kapitalismus, Ausbeutung und Überfremdung” Halle (Saale) zu ihrem zentralen Aufmarschort machen. Neonazis und Rassist*innen aus der gesamten Bundesrepublik kündigen ihre Teilnahme an; unter ihnen militante rechte Gruppierungen, die bereits in den letzten Jahren am Ersten Mai in Plauen und Saalfeld für Ausschreitungen und Übergriffe verantwortlich waren.
Der rassistischen und rechtsextremen Eskalation widersprechen!
In der inhaltlichen Fortsetzung und Sprache des Nationalsozialismus wollen Rechte am Ersten Mai Macht demonstrieren und öffentliche Räume einnehmen. Sie sprechen zwar von Kapitalismus und Ausbeutung, meinen damit aber etwas anderes als die Gewerkschaften. Nazis führen Kapitalismus und Ausbeutung auf fremde Mächte zurück, die das Ziel haben das „Deutsche Volk“ zu kontrollieren. Dagegen setzen sie ihre völkisch-rassistischen Ideen von Arbeit, Staat und Gesellschaft.
In Sachsen-Anhalt, Deutschland und Europa ist die extreme Rechte auf dem Vormarsch und mit ihr faschistische Sprache sowie rassistische und antisemitische Vorurteile, die Sehnsucht nach totalitärer Führung und brutale Gewalt in Worten und Taten. Seit mehr als zwei Jahren reißen die massiven Attacken und Anschläge auf Unterkünfte Geflüchteter nicht ab. Täglich werden Menschen angegriffen, gesellschaftliche und politische Debatten verschieben sich nach rechts, rechte Parteien gewinnen Mandate und Einfluss, ihre Forderungen werden diskutiert und teils übernommen: Sie erfahren Rückhalt in der Mitte der Gesellschaft. Die rassistische und rechtsextreme Eskalation sowie zunehmende Gewalt und eine Gesellschaft, die das seit über zwei Jahren zulässt, machen auch uns oft ratlos. Doch wir werden nicht tatenlos zusehen, wie Rechtsextreme weiter an Einfluss gewinnen, sondern engagiert dagegen halten.
Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht!
Wir rufen dazu auf, sich den Rechten am Ersten Mai entschlossen und gewaltfrei entgegenzustellen! Naziaufmarsch in Halle? Läuft nicht! Bereits in den letzten Jahren gab es erfolgreiche Proteste und Blockaden gegen rechte Aufmärsche in Halle, auch dank überregionaler Unterstützung, der Vielfalt an Aktionsformen und der Solidarität derjenigen untereinander, die den Nazis nicht die Straßen überlassen wollen. An diese Erfahrungen wollen wir anschließen. Wir wollen entschlossen für eine plurale und solidarische Gesellschaft streiten, in der die Würde und die Menschenrechte jeder und jedes Einzelnen zählen und nicht von Herkunft, Religion, sexueller Identität, sozialem Status oder Staatsangehörigkeit abhängen. Mit klarer Haltung, vielfältigem Protest, kreativen Formaten und zivilem Ungehorsam wollen wir gemeinsam dem Rechtsextremismus entgegentreten. Zusammen können wir uns dem Wiedererstarken von Faschismus und völkischem Denken widersetzen.“
Aufruf mit allen Unterzeichner_innen hier.
Was am 1. Mai geplant ist, finden Sie hier.
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