21. Januar: Magdeburg: Eine Stadt für alle!

130111 Rathaus MD ist bunt9. „Meile und Meilensteine der Demokratie“ für Vielfalt und Menschenwürde
Aufruf zum Aktionstag am 21. Januar 2017

Die Erinnerung an den 16. Januar 1945 zeigt uns, wohin Ausgrenzung und Nationalismus führen. Sie mahnt uns zu Frieden, Verständigung, Respekt und Wertschätzung gegenüber allen Menschen in unserer Stadt.
Gerade in der heutigen Zeit, wo populistische Vereinfachungen, rassistische Hetze, Ausgrenzungen und Bedrohungen wieder vermehrt auftreten und scheinbar gesellschaftsfähig werden, müssen wir ganz deutlich machen, dass dies keinen Platz in unserer Stadt hat.
Darum wollen wir am 21. Januar 2017 mit der 9. Meile der Demokratie auf dem Breiten Weg, mit Meilensteinen im Stadtgebiet und anderen vielfältigen und friedlichen Aktionen gemeinsam deutlich machen: Magdeburg ist eine Stadt für alle! Rassismus, Hass und Gewalt haben bei uns keinen Platz.
Magdeburg ist ein Ort, an dem Menschen unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsstatus oder anderer Merkmale verschieden sein und friedlich zusammenleben können. Wir alle stehen gemeinsam für ein weltoffenes, menschenfreundliches und demokratisches Magdeburg.
Gemeinsam rufen das Bündnis gegen Rechts und die Landeshauptstadt Magdeburg zur Teilnahme an den vielfältigen Aktionen auf:
Magdeburg gehört an jedem Tag den engagierten und menschenfreundlichen Demokratinnen und Demokraten. Lassen Sie uns Nazis, Rechtspopulismus und Rassismus mit Zivilcourage und Entschlossenheit entgegentreten!

Aufruf zum Download: 170121-bgr-aufruf-januar-2017
Aufruf mehrsprachig zum Download: 170121_aufruf_mehrsprachig
Anmeldeformular: anmeldeformular-mdd-2017
Kreativaktion „Hass wegpacken, Anstand bewahren“: 170121_hass-wegpacken_plakat
Alle wichtigen Infos zur Beteiligung und zum Programm gibt es hier.

 

Gedenken und Protest

Der 9. November steht in diesem Jahr ganz im Zeichen des Gedenkens und des Protests. Im Vordergrund stehen das Gedenken an die Opfer der antisemitischen Pogrome des 9. Novembers 1938 sowie die Erinnerung an den Spanischen Bürgerkrieg. Zugleich geht es um den Widerstand gegen eine Kundgebung der rechtspopulistischen AfD, die mit ihren Ressentiments gegenüber demokratischen Parteien und dem parlamentarischen System an nationalkonservative und völkische Bewegungen der 1920er und 1930er Jahre anknüpft.

alexander-dettmarGedenken an die Novemberpogrome von 1938

Im Rahmen der reichsweiten Pogrome wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Magdeburg mindestens 30 Geschäfte sowie mehrere Arztpraxen und Wohnungen von Juden verwüstet. Der Innenraum der Synagoge wurde von der SA mit Sprengstoff zerstört. Unterlagen der jüdischen Gemeinde und religiöse Kultgegenstände wurden auf dem Hof der Synagoge verbrannt. Gestapo, SS und SA drangsalierten und misshandelten jüdische Bürger. 120 Männer wurden verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Das Pogrom bildete den brutalen Schlusspunkt für das öffentliche jüdische Leben in Magdeburg sowie den Auftakt zur Ghettoisierung bis hin zu Deportation und systematischer Ermordung.

Um 16 Uhr laden die Landeshauptstadt Magdeburg und der Evangelische Kirchenkreis zu Kundgebung und Kranzniederlegung am Mahnmal für die zerstörte Synagoge in der Julius-Bremer-Straße ein. Im Anschluss findet ein stiller Gedenkweg zum Landtag statt. Dort wird um 17 Uhr eine Ausstellung mit Bildern zerstörter Synagogen des Künstlers Alexander Dettmar eröffnet wird. Zu sehen sind unter anderem Bilder der Synagogen von Halle, Dessau und Halberstadt.

Die Katholische Kirche im Spanischen Bürgerkrieg

Ebenfalls um 17 Uhr berichtet der Kirchenhistoriker Gianmaria Zamagni in der Stadtbibliothek unter dem Titel „Die Hierarchie und das Ärgernis“ über die Rolle der Katholischen Kirche im Spanischen Bürgerkrieg. Zu den Opfern des Bürgerkrieges vor 80 Jahren gehörten auch tausende katholische Priester und Ordensleute. Bis heute wirken die Traumata nach. Die katholische Kirche stand während der Auseinandersetzung mehrheitlich aufseiten der Putschisten gegen die Republik. Gianmaria Zamagni erörtert in seinem Vortrag das Verhältnis von Politik und Religion in diesem Konflikt. Der Vortrag wird im Rahmen der aktuellen Veranstaltungsreihe „`No pasaran!` Magdeburg und der Spanische Bürgerkrieg“ in Kooperation mit dem Literaturhaus Magdeburg angeboten.

Protest gegen die AfD

Die „Students Against Racism Magdeburg“ und der Studierendenrat der Universität Magdburg rufen unter dem Motto „NIE WIEDER – Kundgebung gegen Rassismus und Hass“ zum Protest gegen die AfD auf. Gegen den ressentimentgeladenen und rassistischen Aufmarsch der rechtspopulistischen Partei soll Gesicht gezeigt sowie für eine offene und tolerante Gesellschaft geworben werden. Dem Aufruf schließen wir uns als Bündnis gegen Rechts gern an. Die Kundgebung beginnt um 18.30 Uhr auf dem Domplatz.

Weitere Informationen finden sich hier.

„Das Leben des Rick Langenstein zerbrach an der Gewalt eines Neonazis…“

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Gedenkrede zum 8. Todestag von Rick Langenstein

„Wer in den Zeitungartikeln blättert, die unmittelbar nach dem gewaltsamen Tod Rick Langensteins erschienen, hat noch einmal alles vor Augen: Die Fassungslosigkeit der ehemaligen Mitschüler, das Leid der Angehörigen, die zwiespältigen Reaktionen der damaligen Leitung eines Baumarktes.
Von einem Moment auf den anderen verlor ein junger Mensch, der am Beginn seines Weges stand, sein Leben. Das hat damals viele Menschen aufgewühlt: Freunde, Mitschüler und Angehörige. Der Zeitung sagte damals eine Frau, die Rick aus einem pädagogischen Projekt gut kannte: „Man musste ihn einfach mögen.“
Das Leben des Rick Langenstein zerbrach an der Gewalt eines Neonazis, der es nicht ertragen konnte, dass ihm jemand nicht zu Willen war. Zur Erinnerung: Auslöser der Gewalttat des rechten Schlägers Bastian O. war wohl, dass Rick diesen als „Hobbynazi“ ironisiert hatte. Das war der Anlass für eine Gewaltorgie, an deren Ende Rick Langenstein sein Leben verlor.
Seit dem sind Jahre vergangen. Inzwischen erreichen uns mit hoher Schlagzahl Nachrichten von Angriffen auf Migranten und ihre Unterkünfte. Das Misstrauen und die Angst gegenüber Flüchtlingen wachsen, und bieten Nährboden jenen, die Angst, Hass und Gewalt säen. Denn Neonazis und Rechtspopulisten ziehen ihre Energie genau daraus.
Der Tod Rick Langensteins und der aller anderen Opfer rechter Gewalt fragt uns: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? In jener, die von rechten Hetzern und Angstmachern im Internet gezeichnet wird, oder in einer, in der wir uns den Fragen und Widersprüchen der Zeit offen und solidarisch stellen? Die Antwort müssen wir selbst geben.“

Für 100% Menschenwürde im Landtag und anderswo!

1603 IWgR MD Titelbild ohne SchriftZusammen gegen Rassismus am Sonntag, 13. März um 19.30 Uhr auf dem Domplatz

 

Gegen Menschen in diesem Land wird gehetzt, sie werden beleidigt, bedroht, angegriffen, ihre Eingangstür zugemauert. Solche Angriffe treffen (noch?) relativ wenige. Doch gemeint sind wir alle. Es sind Angriffe auf ein weltoffenes und menschenfreundliches Sachsen-Anhalt.
Am Sonntag wird mit der AfD höchstwahrscheinlich eine Partei in den Landtag einziehen, die mit Hetze Wahlkampf macht und mit ihrer rassistischen Politik Angst verbreitet.
Unsere Stimme bekommt die AfD nicht, unser Engagement gilt weiterhin Demokratie und Menschenwürde. Darum wollen wir am Sonntag Abend nach der Wahl nicht tatenlos zusehen. Wir laden ein zu einer Mahnwache für ein demokratisches, weltoffenes und menschenfreundliches Magdeburg und Sachsen-Anhalt.
Auch nach der Wahl wird unser Engagement für Demokratie und Menschenwürde weitergehen. Beteiligen auch Sie sich an den Internationalen Wochen gegen Rassismus und den zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen für 100% Menschenwürde!

8. Februar 2016

160208 Frank Böttcher„Wir stehen hier an dem Ort, an welchem Frank Böttcher am 8. Februar 1997 zu Tode kam. Die Erinnerung an Frank Böttcher an diesem Ort war umkämpft. Als der „Arbeitskreis Antifaschismus“ und das „Bündnis gegen Rechts“ im März 1997 die Aufstellung eines Gedenksteins anregten, stieß dies auf Skepsis und Widerstand. Technisch undurchführbar sei die Idee, hieß es. Eine unnötige Provokation der Bewohner von Olvenstedt, sagten andere. Der Frage, welche Form des Gedenkens an Frank Böttcher angemessen sei, beschäftigte den Landtag, den Stadtrat, die Kirchen, den Jugendhilfeausschuss, die Punkszene und die MVB.
Immer ging es auch um die Frage: Was war hier passiert? Eine Schlägerei zwischen rivalisierenden Jugendbanden oder ein rechtsextremer Überfall mit tödlichem Ausgang? Von deren Beantwortung hing ab, ob es sinnvoll sei, einen Gedenkort für Frank Böttcher zu schaffen. Dass es gegen manche Widerstände zu diesem Gedenkstein hier kam, war keineswegs selbstverständlich. … Die Debatte um Rassismus und Rechtsextremismus war in einer Sackgasse. Es schien, als fände die Erinnerung an ein Opfer rechter Gewalt in Magdeburg keinen Ort. Keinen Grabstein, keinen Gedenkort.
Dass es dann doch anders kam, ist vielen zu verdanken. Umsichtig und ohne öffentliches Aufsehen trugen die Bürgerinitiative Olvenstedt, die evangelische Kirche, die Mitglieder des Landtages Matthias Gärtner, Hans Jochen Tschiche und Dieter Steinecke auf je ihre Weise dazu bei, Frank Böttcher die Würde des Gedenkens und des Ansehens zu geben. Dieses stille Wirken war keine Selbstverständlichkeit und ist gerade deshalb Anlass zu dankbarer Rückschau.
Die Ursachen und Voraussetzungen des Todes von Frank Böttcher wurden an dieser Stelle vielfach benannt. Sie existieren fort. Heute sind es keine Skinheads mehr, die Jagd auf Migrant_innen machen, sondern Neonazis und rechte Hooligans. Der Tod Frank Böttchers erinnert auch daran, wie fragil die offene Gesellschaft, ein Leben ohne Angst für jeden sein kann.
Nicht wenige von denen, die heute behaupten in „Bürgerwehren“ das Recht auf angstfreie Bewegungsfreiheit zu verteidigen, würden nicht zögern, Gewalt zu üben gegenüber Migranten, Punks oder Obdachlosen. Der Tod von Frank Böttcher erinnert daran, welch hohe Güter Respekt, Empathie und Gewaltfreiheit sind. Und dass es sich lohnt, aber auch notwendig bleibt, sich über manche Grenzen hinweg für eine offene und menschenfreundliche Gesellschaft einzusetzen.
(aus unserer Gedenkrede zum 19. Todestag von Frank Böttcher am 8. Februar 2016)