20 Jahre „Himmelfahrtskrawalle“ – Einladung zur Mahnwache am 28. Mai ab 16.00 Uhr

1405 Breiter Weg„Was in Magdeburg am Himmelfahrtstag geschah, war ein Alptraum, für die Opfer und für das Land.“ (Die Zeit, 20.05.1994) So beschrieb ein Journalist eine Woche später die Ereignisse.
Am Himmelfahrtstag des Jahres 1994 (12. Mai) jagten 50-60 bewaffnete Neonazis stundenlang Migrant_innen durch die Magdeburger Innenstadt und prügelten auf sie ein.
Ein Polizeipräsident erklärte die Ereignisse im Nachgang als unglückliches Zusammentreffen von Sonne und Alkohol. Tatsächlich war es der schlimmste Ausbruch rassistischer Gewalt in Deutschland seit den Angriffen in Rostock-Lichtenhagen 1992.

In Erinnerung an die Ereignisse lädt das Bündnis gegen Rechts zu einer Mahnwache am Ort des damaligen Geschehens am Breiten Weg / Ecke Ernst-Reuter-Allee am Mittwoch, 28. Mai um 16.00 Uhr.

Seit Himmelfahrt 1994 hat sich auch in Magdeburg einiges verändert. Seit 1995 findet am Himmelfahrtstag ein Interkulturelles Begegnungsfest statt – dieses Jahr erstmalig am Familienhaus im Park.
Doch ist genug geschehen? Was ist noch zu tun, damit sich in Magdeburg alle Menschen angstfrei bewegen können und solch einem rassistischen Mob Einhalt geboten wird? Diese Fragen sollen bei einer Podiumsdiskussion am 28. Mai um 19.00 Uhr im Familienhaus diskutiert werden.

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Live Hangout zum Thema Rechtsextremismus

140415 wählerischen Beitragsbild_hangout-660x280die-waehlerischen.de startet heute um 19.00 Uhr einen Live Hangout mit dem Innenminister Holger Stahlknecht. Es geht um die Themen Rechtsextremismus und NPD-Verbot.
Schon jetzt können Fragen gestellt und Beiträge zum Thema gepostet werden. Wie das geht, wird hier erklärt.

„Hört auf diese Stadt!“ Eine akustische Spurensuche durch Magdeburg

13 hoert-auf-diese-stadtWelche Spuren haben die unterschiedlichen politischen Systeme von 1933 bis heute in Magdeburg hinterlassen? Woran lässt sich an welchem Ort erinnern, welche Erinnerungszeichen gibt es schon, was fehlt?
Anlässlich des 80. Jahrestages der sog. „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten hat das Theater Magdeburg dazu einen Hörparcours durch die Innenstadt entwickelt. Mit MP3-Playern und Kopfhörern ausgestattet geht es vom Opernhaus durch die Innenstadt zum Domplatz.
Beim Gehen erleben die Besucher_innen verschiedene Klangebenen: die Gespräche eines fiktiven Bürgerbündnisses, das den Plan hat, ein Erinnerungszeichen gegen totalitäre Ideologien zu setzen, mischen sich mit historischen Tondokumenten; die Orte entlang des Parcours beginnen zu sprechen, erzählen ihre Geschichte. Darunter befinden sich auch die Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Blumenfeld, das „Haus der Lehrer“, die sog. „Himmelfahrtskrawalle“ und vieles mehr.
Diskussionen und Beobachtungen der Figuren, inszenierte Quellenzitate, historische Tondokumente, an den aufgesuchten Orten zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommene Soundscapes, Musik-Klänge und Geräusche spannen einen Bogen über die vier Zeitebenen, die im Hörparcours zusammentreffen: vom ersten demokratischen Gesellschaftsversuch in Deutschland über NS-Diktatur und DDR bis in die Jetzt-Zeit nach der Wiedervereinigung.
Der Hörparcours von Kirsten Reese, Enrico Stolzenburg und Dag Kemser ist bis Ende der Spielzeit von Montag bis Samstag zwischen 10.00 und 16.00 Uhr (außer an Feiertagen) zugänglich. Die Begehung ist kostenlos und sowohl einzeln als auch in Gruppen möglich. Der Weg ist auf eine Gehzeit von ca. 75 Minuten ausgelegt. Die Abspielgeräte können Sie an der Kasse im Opernhaus entleihen. Bitte bringen Sie Ihren Personalausweis o.ä. mit. Reservierungen unter der Telefonnummer (0391) 540 65 55.

Erinnerung braucht Sichtbarkeit

130208 Gedenkstein FBöttcherWir möchten in einem Jahr nicht wieder an einem namenlosen Gedenkstein stehen.
Wir möchten die Erinnerung an die Ermordung von Frank Böttcher wachhalten. Wir wünschen uns, dass die Todesopfer rechter Gewalt in Magdeburg nicht vergessen werden, sondern im Stadtbild sichtbar sind.
Dazu müssen wir den Gedenkstein für Frank Böttcher erneuern. Denn wir wollen nicht wieder erleben, dass die Gedenkplatte mit schwerem Gerät aus dem Stein herausgerissen wird.
Und dazu müssen wir erstmals einen Gedenkstein für Torsten Lamprecht aufstellen.
Beides können wir nicht alleine. Um die Gedenksteine finanzieren zu können, brauchen wir Ihre Mithilfe:
Bündnis gegen Rechts, Konto-Nr. 372 536 46 bei der Stadtsparkasse Magdeburg (BLZ 810 532 72).

Nach den Protesten gegen den Neonazi-Aufmarsch am 12. Januar in Magdeburg: Bündnis gegen Rechts zieht kritische Bilanz der polizeilichen Einsatzstrategie

Nach Auswertung eigener Beobachtungen auf der „Meile der Demokratie“ und bei den Protesten im Stadtgebiet sowie Augenzeugenberichten zieht das Bündnis gegen Rechts Magdeburg eine kritische Bilanz der polizeilichen Einsatzstrategie am 12. Januar in Magdeburg:
Die Polizei kam an diesem Tag den Interessen der Neonazis weiter entgegen als unter Beachtung des Versammlungsrechts notwendig. Insbesondere die von den Neonazis angemeldete Zwischenkundgebung vor dem soziokulturellen Zentrum LIZ war eine durch die Neonazis kalkulierte politische Provokation, der ohne Grund nachgegeben wurde. Das dadurch für die Nutzer_innen des LIZ entstandene Bedrohungspotential durch militante Neonazis – in der Vergangenheit wurden bereits mehrfach Besucher_innen des LIZ angegriffen – ist nicht hinnehmbar. Entsprechende Hinweise des Bündnis gegen Rechts wurden von der Einsatzleitung ignoriert.
Hingegen lag der Fokus des polizeilichen Handelns offenkundig auf der Einschränkung des demokratischen Protests gegen den „Trauermarsch“. Während die Neonazis ohne polizeiliches Einschreiten Journalist_innen bedrohen, volksverhetzende Reden halten und sich vermummen konnten, ging die Polizei selbst fernab der Aufmarschroute mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Gruppen friedlicher Demonstrant_innen und Besucher_innen der „Meile der Demokratie“ vor.
So wurden z.B. Beteiligte und Besucher_innen der „Meile“ ohne Grund in Gefahr gebracht. Menschen, denen die Polizei Gewaltbereitschaft unterstellte, wurden rausgegriffen und verfolgt. Zudem wurde entgegen der Absprachen friedlich Protestierenden der Zugang zur „Meile der Demokratie“ verwehrt. Dies widersprach eindeutig der Intention von uns als Veranstalter.
Mit ihrem Konzept, unmittelbaren Protest im Umfeld des Aufmarschs zu verhindern, hat die Versammlungsbehörde den Neonazis eine protestfreie Zone eingeräumt. Überdies wurden die Anwohner_innen der betroffenen Stadtteile ohne Vorwarnung mit einem bedrohlichen Demonstrationszug konfrontiert. Die großräumliche Trennungsstrategie hinderte zudem Anwohner_innen am Zugang zu ihren Wohnungen.
Mit einer Einsatzstrategie wie am 12. Januar stellt die Polizei die Organisation und Durchführung von Protesten gegen Neonazi-Aufmärsche in Frage.