„Gedenken wir Rick Langenstein als einen Menschen mit Haltung“

Gedenkrede zum 13. Todestag von Rick Langenstein

Wieder einmal stehen wir hier, um an Rick Langenstein zu erinnern – an einen jungen Mann voller Hoffnungen und Träume, der kurz vor Beginn seines Kunststudiums stand.

Wir erinnern an ein Todesopfer rechter Gewalt. Wir wollen die Erinnerung wachhalten an das, was in der Nacht zum 16. August 2008 nach dem Besuch im „Funpark“ geschah.

Doch wir wollen Rick Langenstein nicht nur als Opfer erinnern. Wir wollen ihn erinnern als einen jungen Mann mit Haltung.

Er hatte sein Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium nicht weit von hier gemacht. Vielleicht hat das Beispiel der Geschwister Scholl und der Weißen Rose seine Haltung geprägt. Denn Rick Langenstein war ein Mensch mit Haltung. Als er an der Haltestelle auf den Neonazi Bastian O. traf, tat er das, wozu wir so oft aufrufen: Haltung zeigen, Rechtsextremen widersprechen.

Der Neonazi wollte von ihm eine Zigarette haben und Rick Langenstein sagte Nein.

Er habe sich provoziert gefühlt. Das war später bei der Polizei die Erklärung des Täters für seinen Gewaltexzess, der auf das Nein folgte: Schläge mit Quarzhandschuhen, Tritte mit Springerstiefeln – auch noch, als Rick wehrlos auf dem Boden lag. Rick Langenstein erlag noch hier auf der Straße seinen Verletzungen.

An Rick Langenstein und seinen Tod zu erinnern, bedeutet daher auch, eines nicht zu vergessen:

Es beinhaltet ein Risiko, Haltung zu zeigen und einem Neonazi ein Nein ins Gesicht zu sagen, abends an der Haltestelle.

Denn es ist ein Machtrausch, in dem sich jene befinden, die rechte Gewalt ausüben. Sie glauben, sie hätten ein Recht darauf, ihren Willen durchzusetzen. Wer ihnen im Wege ist, ihnen widerspricht, oder sich nicht so verhält, wie sie es erwarten, muss mit dem Schlimmsten rechnen, auch damit, getötet zu werden.

Und dennoch: Für die Verteidigung einer offenen und demokratischen Gesellschaft braucht es Menschen, die den Mut haben und das Risiko eingehen. Es braucht Menschen, die Nein sagen zu einem Neonazi und Nein sagen zur Missachtung von Menschenrechten. Mit ihrem Nein sagen Menschen damit Ja zur Menschenwürde aller und zu einem gleichberechtigten Leben in Vielfalt.

Wir schauen in diesen Tagen besorgt nach Afghanistan. Wir erleben die Freude am Christopher Street Day und denken gleichzeitig an die Zerstörung von Regenbogenflaggen.

Wir erinnern an Rick Langenstein und sind gemahnt, wie er mutig zu sein und das Risiko einzugehen, Menschen auch ein deutliches Nein ins Gesicht zu sagen. Gedenken wir Rick Langenstein als ein Todesopfer rechter Gewalt und als einen Menschen mit Haltung.