„Hass war und ist tödlich“

Gedenkrede zum 12. Todestag von Rick Langenstein

„Heute vor zwölf Jahren starb Rick Langenstein. Er wurde von einem Neonazi totgeprügelt, weil er das Wort erhob, weil er Haltung zeigte und deutlich machte: Neonazi sein, Menschenfeind sein, ist keine legitime Option.
In der Nacht des 16. August 2008 wollte Rick zusammen mit seinen Freund*innen tanzen und ausgelassen sein – hier in der Nähe in der Diskothek Funpark. Unbeschwert sollte der Sommer sein und voller Vorfreude auf das Kunststudium, das im Herbst beginnen sollte. Welche Pläne hatte er? Welche Kunst schwebte ihm vor? Wir werden es nicht erfahren. Denn in dieser Nacht traf er seinen Peiniger, einem bekennenden und vorbestraften Neonazi. Weil Rick den Täter als das bezeichnete, als was er sich selbst bekannte, wurde er angriffen. Er wurde getreten und geschlagen – so oft und so heftig bis er hilflos am Boden lag und an seinem Blut erstickte. Rick musste sterben, weil er kein Nazi war, weil er das Wort erhob. Das reichte aus, um von einem Nazi zum Feind erklärt zu werden.
Wir stehen heute hier und gedenken Rick Langenstein. Wir stehen hier und erinnern an die gewalttätigen Umstände seines Todes. Wir gedenken aber auch den vielen anderen Opfern und erinnern an die tödliche Dimension rechter Gewalt. Mindestens 208 Menschen kamen in Deutschland seit 1990 ums Leben – weil Nazis und Rassist*innen sie wie Rick zum Feind erklärten und attackierten. So wie Torsten Lamprecht und Frank Böttcher in Magdeburg, so wie Jana L. und Kevin S. in Halle.
Tagtäglich demütigen, bedrohen und drangsalieren rechtsextreme Menschenfeinde in Deutschland, in Sachsen-Anhalt, in Magdeburg Menschen – in Diskotheken, an Haltestellen, auf der Straße, im Internet. Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sind auch heute noch tödliche Gefahren. Nicht zuletzt die Anschläge in Halle und Hanau haben dies erschreckend vor Augen geführt.
Gedenken wir der vielen Toten. Erinnern wir uns an ihre Namen, ihr Leben und die Umstände ihres Todes. Hören wir jenen zu, die bedroht werden. Hören wir zu, wenn sie von verletzenden Kommentaren in den Sozialen Medien berichten, wenn sie von Drohmails erzählen, wenn sie von Hassparolen am Rande von Kundgebungen sprechen. Hören wir ihnen zu und nehmen sie ernst. Nehmen wir ihre Sorgen und Ängste ernst. Nehmen wir die Gefahren ernst. Hass war und ist tödlich. Hass war und ist integraler Bestandteil rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Ideologien.
Hören wir den Betroffenen zu und erheben das Wort – gegen das Vergessen, gegen die Verharmlosung, gegen die Relativierung. Erheben wir wie Rick das Wort. Machen wir deutlich: Nazi sein, Menschenfeind sein, ist keine legitime Option. Erheben wir das Wort für eine Gesellschaft, in der jede und jeder ohne Angst verschieden sein und leben kann.
Hören wir zu und erheben das Wort – für Rick, für die Opfer rechter Gewalt, für jene, die auch heute bedroht und angegriffen werden.“