„Extreme Gewaltbereitschaft und neonazistische Menschenverachtung“

Gedenkrede zum 22. Todestag von Frank Böttcher am 8. Februar 2019

„Wir gedenken mit dem Tod Frank Böttchers eines Todesfalles, der in die Kette der rechtsextremen Gewaltexzesse der Neunziger Jahre gehört. Ihre Ausmaße sind im öffentlichen Gedächtnis nicht präsent. Sie müssten es aber sein, um zu verstehen, auf welche Weise diese Gewalt bis heute nachwirkt.
Taten wie der Mord an Frank Böttcher hatte auf das Umfeld eine lang anhaltende Wirkung: Angst, Vermeidungsverhalten und nicht zuletzt der Wunsch, das Erleben von Gewalt und Angst hinter sich zu lassen. Es bedeutete wegzuziehen, wegzugehen, der rechten Dominanz aus dem Weg zu gehen.
Das Umfeld der damaligen Täter, rechte Skinheads, tauscht heute in sozialen Netzwerken alte Fotos und selige Erinnerungen an eine „geile Zeit“ aus. Ganz so als sei die allwöchentliche Jagd auf Migrant*innen und linke Jugendliche eine Art Freizeitsport.
Frank Böttcher wurde brutal getötet, mit Messerstichen und Fußtritten gegen den Kopf. Dann ließen ihn die Täter hier an der Endhaltestelle verletzt liegen und holten sich an der Tankstelle an der Birkenallee Bier.
Frank Böttcher starb auf der Intensivstation des Krankenhauses hier. Ärzte und Schwestern hatten drei Stunden um sein Leben gekämpft.
In den Medien war danach tagelang von einem „Szenekrieg“ zwischen Jugendlichen die Rede. Die Polizei ging zunächst von Streit zwischen Punks aus. Über Jahre stand die rechte Tatmotivation öffentlich in Zweifel.
Extreme Gewaltbereitschaft und neonazistische Menschenverachtung. Dies waren die Motive, die jene handeln ließen, die Frank Böttcher zu Tode prügelten.
Machen wir uns nichts vor: Mehr als zwanzig Jahre gibt es diese Motive noch immer. Und diese Motive sind tödlich. Immer noch.“

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