8. Februar 2015

P1000309„… Seit diesem mörderischen 8. Februar 1997 sind 18 Jahre vergangen. Nach dieser Zeit finden sich Menschen, die sagen, man solle „die Sache“ auf sich beruhen lassen. Der Stadtteil Olvenstedt, so war in einem Internetforum zu lesen, habe nun bald „andere Probleme“.
Doch gibt es keinen Grund, den Tod Frank Böttchers auf sich beruhen zu lassen. Sein Tod versetzt uns nach wie vor in Unruhe, weil dessen Gründe nicht aus der Welt sind. Frank Böttcher musste sterben, weil sein Aussehen und sein Verhalten nicht in das Weltbild junger Neonazis passten. Es war blanker Hass, der sie zuschlagen ließ. Und es ist dieser Hass auf Andere, Fremde, der nicht vorbei ist, der wiederkehrt auf unsere Straßen und Plätze, wenn auch in anderer Form …
Es gibt keinen Anlass, zu ruhen und die Vergangenheit zu vergessen. Anlass hingegen gibt es, die Geschehnisse der 1990er Jahre und somit auch den Tod Frank Böttchers und seine Folgen daraufhin anzusehen, was daraus für den Stadtteil und darüber hinaus zu lernen ist. Die Erinnerung an Frank Böttcher ist ein Denkanstoß, nach Wegen zu suchen, das Zusammenleben mit den künftig neuen Mitbewohnern im Stadtteil so zu gestalten, dass Ausgrenzung, Verachtung und Hass keinen Platz finden können.
Die Geschichte um den Tod Frank Böttchers zeigt, was geschehen kann, wenn sich Menschen über andere erheben, sie ausgrenzen und ihnen das Lebensrecht absprechen. Viele sagten damals, der Junge sei nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Oder: so könne eben eine Schlägerei unter Jugendlichen enden. An Frank Böttcher zu erinnern heißt, diesen und heutigen Beschwichtigungs- und Verharmlosungsversuchen von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit nicht nachzugeben. Es heißt, die Augen zu öffnen für jedes Zeichen des Hasses, dass sich mitunter „Sorge“ oder „Angst“ nennt und diesen Hass zu unterscheiden von wirklichen Sorgen und Ängsten.
Ohne Angst verschieden zu sein, Respekt und Gelassenheit zu üben auch gegenüber Menschen, deren Ausdrucksformen fremd und unpassend, vielleicht auch lästig erscheinen, ist eine Arbeit die damit beginnt, an das Schicksal derer zu erinnern, die Ächtung und Ausgrenzung erfuhren wie Frank Böttcher.
Wir gedenken Frank Böttchers und der Umstände seines Todes um seiner selbst willen. Aber wir gedenken seiner auch um der guten Gestaltung unseres heutigen Zusammenlebens willen.“
(Aus der heutigen Gedenkrede)

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