Ein Jahr nach Bekanntwerden der Taten der „NSU“: „Wem können wir Vertrauen schenken?“

„Wem können wir Vertrauen schenken,
wenn wir selbst dann, wenn wir zu Opfern werden,
wie Kriminelle behandelt werden?“

Diese nachdenkliche und bedrückende Frage stellte Nguyen Duc vom Landesnetzwerk der Migrantenselbstorganisationen in Sachsen-Anhalt in seiner Rede bei der Kundgebung „Das Problem heißt Rassismus“ am heutigen Sonntag.
Mit der Kundgebung, an der rund 150 Menschen teilnahmen, beteiligte sich das Bündnis gegen Rechts Magdeburg gemeinsam mit Magdeburg Nazifrei an dem bundesweiten Aktionstag, zu dem das „Bündnis gegen das Schweigen“ aufgerufen hatte.

Zum Hintergrund:
„Vor einem Jahr, am 4. November 2011, wurde bekannt, dass über 13 Jahre eine neonazistische Gruppierung existierte, die zehn Menschen tötete und bei zwei Bombenanschlägen unzählige verletzte. Ihr Motiv war Hass auf Menschen mit realem oder angenommenem migrantischem Hintergrund. Finanziert und getragen wurde dieser so genannte „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) durch ein bundesweites, neonazistisches Netzwerk sowie mindestens 12 Banküberfälle. Unterstützung in Form von Wohnungen, Pässen, Autos usw. erhielt der NSU von einem festen Kreis von rund 20 Personen, durch die verbotene Organisation Blood & Honour, durch Funktionäre der NPD sowie durch freie Kameradschaften.
Nach heutigem Kenntnisstand berichteten aus diesem Kreis der Unterstützerinnen und Unterstützer mehrere so genannte V-Leute den deutschen Behörden, insbesondere den verschiedenen Ämtern des Verfassungsschutzes. Trotzdem waren diese nicht willens oder in der Lage, dem Morden ein Ende zu bereiten. Ganz offensichtlich sind die Verfassungsschutz und Strafverfolgungsbehörden Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.
Fast täglich müssen wir nun aus den Medien erfahren, dass die Abgeordneten in den Untersuchungsausschüssen sowie die Öffentlichkeit von den Verantwortlichen belogen und getäuscht werden. Niemand will etwas gewusst haben, niemand will etwas entschieden haben.“
(aus dem Aufruf des „Bündnis gegen das Schweigen“)

Zur Medienberichterstattung:
Magdeburger Volksstimme vom 05.11.2012
mdr Sachsen-Anhalt vom 04.11.2012
mdr sachsen-anhalt-heute vom 04.11.2012
Neues Deutschland vom 05.11.2012
Spiegel Online vom 04.11.2012

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