Nazis sind keine Kinderfreunde! Aufruf zur Mahnwache am 7. September ab 17:30 Uhr

Nazis sind keine Kinderfreunde!
Mahnwache des Bündnis gegen Rechts Magdeburg am Freitag, den 7. September, ab 17:30 Uhr vor dem Blauen Bock

Für Freitag, den 7. September, ist unter dem Motto „Ein Lichtermeer für unsere Kinder“ eine Mahnwache an der Kreuzung Breiter Weg / Ernst-Reuter-Allee angekündigt.
Der Kontext des Aufrufes zeigt, dass dies keine harmlose Veranstaltung werden soll, mit der für die Interessen von Kindern geworben wird. Vielmehr handelt es sich bei den Anmelder_innen um Angehörige der rechtsextremen Szene. Wie schon bei einer Demonstration am 7. April unter einem ähnlichen Motto ist zu erwarten, dass es den Anmelder_innen nicht um das Wohl von Kindern geht, sondern um die Selbstinszenierung als engagierte Bürger_innen. Dies soll zur Normalisierung rechtsextremer und menschenverachtender Positionen beitragen.

Deshalb ruft das Bündnis gegen Rechts Magdeburg für Freitag, den 7. September, ab 17:30 Uhr zu einer Mahnwache auf: Kommen Sie zu uns und helfen Sie uns, deutlich zu machen, dass Nazis keine Kinderfreunde sind, auch wenn sie versuchen, harmlos aufzutreten.

Warum Nazis das Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern“ besetzen

Seit mehr als einem Jahrzehnt finden die Themen „Sexueller Missbrauch von Kindern“ und „Vergewaltigung“ Eingang in die Kampagnen der neonazistischen Szene. In den letzten Jahren gelang es Neonazis anlassbezogen immer wieder, sich als Initiatoren oder Wortführer an die Spitze von Protesten gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern oder die Ansiedelung ehemaliger Sexualstraftäter zu setzen – so geschehen auch im Fall Michelle in Leipzig im Jahr 2009, als Neonazis über eine Woche hinweg die Proteste von aufgebrachten Anwohner_innen und Eltern anführten. Inzwischen identifizieren sich auch viele Personen außerhalb der extremen Rechten mit den Parolen der Neonazi-Kampagnen (wie z.B. „Todesstrafe für Kinderschänder“). Die Reichweite solcher thematischen Interventionen der neonazistischen Szene wird jedoch nicht nur von dieser selbst bestimmt, sondern auch davon, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sie stattfinden. Die Plausibilität rechtsextremer Lösungskonzepte steigt, wo ihnen die Anerkennung als scheinbar „normale“ Meinungskundgabe unter anderen Positionen zugestanden wird. Die sich hier vollziehende diskursive Aufwertung der Intervention von Rechtsextremen ist im Nachhinein nur schwer rückgängig zu machen.
Die Gründe für die Thematisierung von Kindesmissbrauch und sexualisierter Gewalt durch Neonazis liegen auf der Hand: Dort wo sie im Namen der protestierenden Bevölkerung auftreten, sehen sie Ihre Auffassung bestätigt, die Demokratie zu delegitimieren und ihre Vertreter_innen vorzuführen.

Warum Nazis keine Kinderfreunde sind

Engagieren sich Rechtsextreme gegen sexualisierte Gewalt und präsentieren sich als Kämpfer für das Kindeswohl, so geht es ihnen zugleich um anderes. Mit Forderungen nach härteren Strafen sprechen sie erfolgreich Teile der Bevölkerung in hoch emotionalisierten Debatten an. Trauer und Wut werden instrumentalisiert, um die eigene repressive und autoritäre Weltanschauung zu propagieren. Im Weltbild der Rechtsextremen werden sowohl Kinder als auch Erwachsene nach einer Ideologie der Ungleichwertigkeit beurteilt. Menschen, die als „Fremde“ oder „Gegner“ definiert werden, werden ausgegrenzt und diskriminiert.

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