Spendenaufruf: Gedenksteine Thorsten Lamprecht und Frank Böttcher

Das Stadtteilmanagement Südost hat schon vor einiger Zeit die Initiative ergriffen und Spendenaufrufe zu den Gedenksteinen für Thorsten Lamprecht und Frank Böttcher formuliert. Dies nehmen wir dankbar auf:

„Vielleicht kennen einige von Ihnen noch das Gartenlokal „Elbterassen“. Am Abend des 9. Mai 1992 endete gegen Mitternacht das Leben eines jungen Mannes. Nicht Krankheit oder ein Unfall waren die Ursache, sondern der blanke Hass rechtsradikaler Angreifer. Torsten Lamprecht hatte den Tod nicht verdient und doch musste er grundlos sterben. Bei einer gemeinsamen Feier im besagten Lokal, nahe des Cracauer Wasserfalls, geschah das Unfassbare. Mehre Dutzend rechte Schläger aus Magdeburg, Helmstedt und Wolfsburg stürmten bewaffnet mit Baseballschlägern die Veranstaltung, zertrümmerten das Interieur und griffen die wehrlosen Gäste an. Dass es sich bei Torsten und den anderen Verletzten um Punks handelte, erscheint aus heutiger Sicht umso niederträchtiger. Lange vor den politisch motivierten Morden der sogenannten NSU an Migranten, war das Ablassventil für den Hass und das Gewaltpotential der rechten Szene gleichsam fokussiert auf politisch links orientierte junge Erwachsene wie Torsten Lamprecht.

Die brutale Ermordung des 23jährigen war der Auftakt einer Welle rechter Gewalt, der in den folgenden Jahren noch zahlreiche Menschen zum Opfer fallen sollten. Seit vielen Jahren regt sich nun in der lokalen Bevölkerung der Widerstand. Insbesondere um den 16. Januar, den Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg, setzt sich ein breites Bündnis der Bewohner der Stadt gegen ideologischen Geschichtsrevisionismus und rechtes Gedankengut ein.
Im Hinblick auf die Opfer, die rechtsextreme Gewalt seit Beginn der 90er Jahre stetig fordert, ist es jedoch an der Zeit mehr zu tun. Ein erster Schritt ist es Torsten Lamprecht ein Denkmal zu setzen und sich als Bürger neben der vorhandenen „Ottomanie“ auch mit den Schattenseiten der städtischen Geschichte auseinanderzusetzen. Nur so ist es möglich die Geschehnisse und Fehler in lebendiger, mahnender Erinnerung zu behalten und gemeinsam dafür einzustehen, dass derartige gewalttätige Ausschreitungen, in der Landeshauptstadt und über ihre Grenzen hinaus, auf ewig verpönt und verurteilt sein mögen.

Nach der Ermordung Torsten Lamprechts im Jahre 1992 sollte Magdeburg nicht zur Ruhe kommen. Besonders die schweren rechten Ausschreitungen am Himmelfahrtstag 1994, bei der mehrere Migranten durch die Innenstadt gejagt wurden, machten deutschlandweit Schlagzeilen. Der traurige Höhepunkt rechtsextremer Gewaltstraftaten war jedoch noch nicht erreicht.
Am 08. Februar 1997 starb der 17 jährige Punk Frank Böttcher an der Endhaltestelle der Straßenbahn in Neu-Olvenstedt. Er wurde mit 7 Messerstichen niedergestochen. Anschließend wurde der leblose Körper auf menschenverachtendste Art und Weise mit Tritten traktiert und aufs Übelste entstellt. Mehr noch, in den Wochen nach diesem kaltblütigen Anschlag begannen Rechtsradikale Jagd auf den Bruder des Opfers, Peter Böttcher, zu machen. Dieser hatte sich gegenüber der Presse kritisch zur Strafverfolgung der Polizei geäußert und die allgegenwärtige Vermutung, Frank sei das Opfer einer politisch motivierten Straftat geworden weitergetragen. In Drohbriefen wurde er unter Druck gesetzt: „Wir kriegen Dich, genau wie deinen Bruder.“ Dieser Drohung folgte eine Tat. Peters Wohnung wurde Anfang Januar 1998 von einer aufgebrachten Horde angegriffen. Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch, im Gegensatz zu drei Freunden, nicht zuhause. Es gelang den Angreifern einen von ihnen auf der Flucht zu stellen und sie verletzten ihn, Gordon G., lebensgefährlich.

Diese Vorkommnisse beschreiben eines der düstersten Kapitel in der Geschichte der Landeshauptstadt der Nachwendezeit. Die bestehende Gedenktafel für Frank Böttcher wird seit einigen Jahren regelmäßig geschändet und entwendet. Daher ist es an der Zeit eine Lösung zu finden, die diesem verächtlichen Verhalten trotzt.

Wir möchten Sie bitten das Gedenken an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt wach zu halten und die Aufstellung eines Gedenksteins für Torsten Lamprecht sowie die Erneuerung des Gedenksteins für Frank Böttcher durch das Bündnis Gegen Rechts (BGR) nach Möglichkeit finanziell zu unterstützen.
Bitte überweisen Sie zu diesem Zweck einen beliebigen Betrag auf das Konto des Bündnisses: Stadtsparkasse Magdeburg (BLZ 810 532 72) Kontonummer 372 536 46.“

Im Original finden sich die beiden Spendenaufrufe hier und hier.

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