Ein Zeichen der Erinnerung und Hoffnung

Einweihung eines Gedenksteins für getöteten Rick L. in Magdeburg

„Genau 290 Tage ist es nun her, dass einer der liebevollsten und unschuldigsten Menschen, die ich kannte, an dieser Kreuzung auf grausamste Art und Weise ermordet wurde.“ Die junge Frau, die mit dem angehenden Kunststudenten Rick L. eng befreundet war, ringt bei ihrer Ansprache mit den Tränen. Mehr als 50 Menschen hatten sich am Vormittag des 2. Juni 2009 im Magdeburger Stadtteil Reform zusammengefunden. Magdeburgs Oberbürgermeister, zwei Beigeordnete, zahlreiche Stadträte sowie Vertreter/innen des Bündnis gegen Rechts weihten gemeinsam mit Familienangehörigen und Freund/innen in unmittelbarer Nähe zum Tatort einen Gedenkstein für Rick L. ein. Der junge Mann wurde am 16. August 2008 nach dem Besuch einer Diskothek von einem bekennenden Neonazi durch Schläge und Tritte so schwer verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte.

Mehr als 50 Menschen beteiligten sich an der Einweihung des Gedenksteins für Rick

Breite Solidarität

Familienangehörige und Freund/innen von Rick L. fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie vom Geschwister-Scholl-Gymnasium, an dem der junge Mann ein Jahr zuvor sein Abitur ablegte, und der Mobilen Opferberatung bei Miteinander e.V.. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen.

Der Eigentümer eines Teppichmarktes, auf dessen Grundstück Rick L. in einem Gebüsch liegend verstarb, verweigerte den Hinterbliebenen jegliche Unterstützung und damit die Aufstellung des Steins auf seinem Firmengelände. Die Initiator/innen wandten sich daraufhin an den Magdeburger Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. Die Stadt sicherte Hilfe zu. Das Tiefbauamt stellte den Stein zur Verfügung, und der städtische Eigenbetrieb „Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg“ fertigte die Gedenkplatte an. Die Inschrift lautet: „Im Gedenken an Rick. Rick wurde am 16.08.2008 an dieser Kreuzung durch feige und sinnlose Gewalt aus unserem Leben gerissen. In unserem Herzen wirst du immer weiter leben! Familie und Freunde von Rick.“ Der Gedenkstein wurde wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.
Im Gedenken an Rick

Gedenkstein als Zeichen der Hoffnung für Zivilcourage

Heike Kleffner von der Mobilen Opferberatung lobte die unbürokratische Hilfe des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung als politisches Signal gegen Rechtsextremismus. Der Stein stelle für sie nicht nur ein Ort der Erinnerung an Rick sondern auch ein Zeichen der Hoffnung dar, „dass rechte Gewalt zukünftig keine Todesopfer mehr fordert. Ein Zeichen der Hoffnung dafür, dass mehr Bürger einschreiten werden, wenn andere Menschen von Rechtsextremen angepöbelt oder gar angegriffen werden.“ Die Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene kostete allein in Magdeburg seit 1990 drei jungen Männern das Leben, deutschlandweit sind es über 135.

Acht Jahre Jugendhaft für Neonazi – Verteidiger legt Revision ein

Die Polizei nahm am 18. August 2008 Bastian O., der bis Anfang 2008 bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung eine Haftstrafe abgesessen hatte, unter dringendem Tatverdacht fest. Während der Gerichtsverhandlung vom Dezember 2008 bis Mai 2009 machte der Neonazi aus seiner Gesinnung keinen Hehl. Mit kahl rasiertem Schädel und einer Jacke der bei Rechtsextremen beliebten Marke „Thor Steinar“ verfolgte Bastian O. im Dezember 2008 die Verlesung der Anklageschrift. Fernsehbilder zeigen, wie der Neonazi bei der Urteilsverkündung einen Ring mit der „Schwarzen Sonne“, einem von der SS im Nationalsozialismus verwendetes Symbol, trägt. Das Landgericht Magdeburg sah es als erwiesen an, dass Bastian O. den jungen Mann zu Tode geprügelt und im Anschluss beraubt hat. Das Strafmaß sah acht Jahre Jugendhaft vor. Nach Informationen des Bündnis gegen Rechts Magdeburg hat der Verteidiger inzwischen Revision gegen das Urteil eingelegt.

Aufruf zu Spenden

Freundinnen und Freunde von Rick L. haben im vergangenen Jahr am Tatort mit Grabkerzen und Blumenschmuck ein kontinuierliches Gedenken an den angehenden Kunststudenten aufrecht erhalten. Sie wollen diese Form der Erinnerung auch am Gedenkstein fortführen. Da Unbekannte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Grabkerzen und Blumenschmuck zerstörten, bitten wir im Namen der Freundinnen und Freunde von Rick L. um Spenden für Grabkerzen und Blumenschmuck am Gedenkstein. Die Spenden werden vom „Opferfonds“ an die Freundinnen und Freunde weitergeleitet und sind steuerlich abzugsfähig.

Spendenkonto:
Kto.-Nr: 53 53 53
BLZ 810 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Kontoinhaber: Miteinander e.V.
Stichwort: Opferfonds / Würdiges Gedenken

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