Bündnis gegen Rechts kritisiert Ausschluss der Öffentlichkeit als ungerechtfertige Rücksicht auf den Angeklagten

Prozessauftakt gegen den Rechtsextremen Bastian O. in Magdeburg

Seit heute, den 5. Dezember 2008, muss sich der u.a. wegen eines rassistischen Angriffes vorbestrafte Bastian O. vor dem Landgericht Magdeburg wegen Totschlag und Diebstahl verantworten. Die Anklage wirft dem inzwischen 21-jährigen Rechtsextremen vor, am 16. August diesen Jahres in der Nähe der Magdeburger Diskothek „Funpark“ den 20-jährigen Kunststudenten Rick L. so schwer durch Schläge und Tritte verletzt zu haben, dass dieser an seinem eigenen Blut erstickte.

Der zuständige Richter Kupfer entschied nach Verlesen der Anklageschrift, die Öffentlichkeit aus Rücksicht auf den Angeklagten auszuschließen.

 

Ein Sprecher des Bündnis gegen Rechts kritisierte die Entscheidung des Gerichtes: „Es ist zweifelsohne richtig, dass es vor dem Hintergrund der Brutalität einerseits und der möglichen rechten Tatmotivation andererseits ein großes Interesse der Öffentlichkeit am Prozessverlauf und der Urteilsverkündigung gibt. Die Entscheidung, die Öffentlichkeit aus Rücksicht auf die weitere Persönlichkeitsentwicklung des Angeklagten auszuschließen, ist für uns nicht nachvollziehbar. Schließlich handelt es sich beim Angeklagten um einen rechtsextremen Intensivtäter.“ So wurde Bastian O. bereits im Mai 2006 wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. „Der Angeklagte erschien in einer „Thor Steinar“-Kapuzenjacke vor Gericht und nahm die Verlesung der Anklageschrift gleichgültig auf.“

 

In ihrer Anklageschrift wies die Vertreterin der Staatsanwaltschaft auf die Zugehörigkeit des Angeklagten zur rechtsextremen Szene hin. Ferner habe er sich an dem besagten Abend entsprechend gekleidet, bevor er mit Freunden die Diskothek aufsuchte. So habe er ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift „Inferno“ und Springerstiefel getragen. Auf seiner Jacke habe in Frakturschrift der Schriftzug „Magdeburg“ gestanden. Zudem soll er Handschuhe bei sich getragen haben, die an den Knöcheln verstärkt waren.
Gegen 4.30 Uhr soll Bastian O. die Diskothek verlassen haben und auf den Heimweg an der Bushaltestelle „Pallasweg“ im Magdeburger Stadtteil Reform auf sein späteres Opfer getroffen sein. Die an ihn gerichtete Frage nach einer Zigarette habe Rick L. sinngemäß mit den Worten beantwortet, ein Hobby-Nazi bekäme von ihm keine Zigarette. Daraufhin sei der Angeklagte so in Wut geraten, dass er sich die Handschuhe angezogen und mit der Faust gegen den Kopf des Opfers geschlagen habe, so dass dieser zu Boden fiel. Im Anschluss habe Bastian O. mit seinen Springerstiefeln gezielt gegen Kopf, Bauch und Genitalbereich getreten. Als Rick L. sich nicht mehr regte, habe der Angeklagte die Wertsachen des Opfers an sich genommen. Rick L. verstarb noch am Tatort durch das Einatmen seines eigenen Blutes.

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