Magdeburg gedenkt des getöteten Rick L.

Bündnis gegen Rechts gedenkt des von einem Rechten getöteten Rick L.
Herbst fordert zu stärkerem gesellschaftlichen Handeln gegen Rechts auf

Drei Wochen nach der grausamen Tötung des 20jährigen Kunststudenten gedachten über 200 Bürger in der Magdeburger Innenstadt dem nunmehr dritten Todesopfer rechter Gewalt in der Landeshauptstadt. Zu der Kundgebung unter dem Motto „Augen auf gegen rechte Gewalt“ hatte das Bündnis gegen Rechts aufgerufen. Zu den Teilnehmern zählten u.a. der stellvertretender Bürgermeister Rüdiger Koch, die FDP-Landtagsabgeordnete Lydia Hüskens und der Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert.

Sören Herbst, als Stadtrat Mitglied im Bündnis gegen Rechts, brachte in seiner Rede die tiefe Trauer zum Ausdruck: „Ich weiß nicht, wie es geschehen ist und warum. Mich beherrscht ein ohnmächtiges Gefühl, wenn ich an Rick und seinen sinnlosen Tod denke.“ Unter Verweis auf die zwei früheren in Magdeburg durch Rechtsextreme zu Tode gekommenen jungen Männer, Torsten Lamprecht und Frank Böttcher, fordert Herbst ein deutliches gesellschaftliches Signal gegen Rechtsextremismus: „Wir Magdeburger müssen unsere Augen nicht öffnen, wir müssen sie aufreißen gegen rechte Gewalt! Es ist allerhöchste Zeit. Es muss ein Umdenken geben, bei jedermann.“

Zu der derzeitigen öffentlichen Debatte um die Bewertung des Tötungsdeliktes äußerte sich Heike Kleffner, Leiterin der Mobilen Beratung für Opfer rechter Gewalt, zu den Kundgebungsteilnehmern: „Es ist nicht zentral, ob die Tat die Kriterien der politisch motivierten Kriminalität erfüllt. Wir müssen uns vielmehr vor Augen führen, dass der Tod von Rick ein Ausdruck der menschenverachtenden und gewalttätigen Ideologie der Rechtsextremen ist.“

In der Nacht zum 16. August 2008 wurde der 20-jährige Rick L. in der Nähe der Diskothek „Funpark“ in Magdeburg-Reform so schwer durch Schläge und Tritte verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte. Zwei Tage nach der Tat nahm die Polizei den wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe verurteilten Rechtsextremen Bastian O. fest. Die Staatsanwaltschaft beschrieb den dringend tatverdächtigen Mann nach seiner Festnahme gegenüber den Medien als „eindeutig der rechten Szene zuzuordnen“. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtete in seiner aktuellen Ausgabe unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass es zuvor in der Diskothek zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den zwei Männern kam, wobei das spätere Opfer Bastian O. als einen „Nazi“ tituliert haben solle. Die Staatsanwaltschaft hat diese Meldung bisher weder dementiert noch bestätigt.

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