1. Juli: Einweihung weiterer Stolpersteine

1521 Magdeburger Jüdinnen und Juden wurden Opfer der Shoa, darunter 287 Kinder. Am 18. März 2007 wurde in der Landeshauptstadt im Beisein des Oberbürgermeisters Dr. Lutz Trümper der erste „Stolperstein“ für den 1933 von den Nazis aus dem Rathaus gejagten Bürgermeister Dr. Herbert Goldschmidt verlegt. Am 1. und 2. Juli 2008 lässt der Kölner Künstler Günter Demnig weitere dieser 10 x 10 cm großen Steine in den Gehweg ein – zumeist vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der Opfer. Auf der Messingplatte finden sich neben Name, Geburtstag und der Ort sowie das Datum ihrer Ermordung.

Alle Magdeburgerinnen und Magdeburger sind herzlich eingeladen, am 1. Juli um 15.00 Uhr an der Einweihung der „Stolpersteine“ in der heutigen Walter-Rathenau-Straße teilzunehmen. In der damaligen Königstraße 62-65 hatte die europaweit bekannte Zirkusfamilie Blumenfeld ihren Sitz. 

Zum dritten Mal werden in Magdeburg Stolpersteine zur Erinnerung an  jüdische Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Im Rahmen von Gedenkstunden weihen Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und die Leiterin des städtischen Kulturbüros Susanne Schweidler gemeinsam mit Spendern dieser Erinnerungsmale am Dienstag, dem 1. Juli, und Mittwoch, dem 2. Juli, 35 neue Stolpersteine ein. Interessierte Magdeburgerinnen und Magdeburger sind eingeladen, an den Einweihungen teilzunehmen und der Opfer zu gedenken.

„Mit den neuen Stolpersteinen erinnern wir an das individuelle Schicksal von 35 jüdischen Magdeburgerinnen und Magdeburgern, die während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden“, so Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. „Wir gedenken damit ehemaliger Mitbürger und setzen ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen der Nazidiktatur in unserer Stadt.“

Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wird gemeinsam mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig am Mittwoch, 2. Juli, 8.30 Uhr, zwischen der Agnetenstraße und der Kindertagesstätte „Am Nordpark“ sieben Stolpersteine in den dortigen Fußweg einlassen. Sie sind der Magdeburger Familie Berendsohn-Zander gewidmet. Die Familie, zu der Kurt, Hertha und Bernhard Berendsohn sowie Irmgard, Adolfine, Helma und Ruth Zander gehörten, wohnte in der Schützenstraße 7. Zur Verlegung dieser Stolpersteine reisen aus Hamburg die Angehörigen Wolfgang und Martin Berendsohn an. Der Rabbiner Ariel Lototzki spricht das Kaddisch, ein jüdisches Gebet für Verstorbene.

Bereits am Dienstag, 1. Juli, 15.00 Uhr, werden für die Zirkusfamilie Blumenfeld im Beisein von Angehörigen und Spendern elf Stolpersteine verlegt. Begleitet wird diese Verlegung von Kindern der Evangelischen Grundschule. Der Rabbiner wird wiederum das Kaddisch sprechen. Das Gebäude des Zirkus Blumenfeld stand in der Königsstraße 62-65, an der heutigen Walter-Rathenau-Straße, gegenüber der Otto-von-Guericke-Universität.

Weitere Stolpersteine erinnern künftig an Berthold Rothmann, Alois und Hedwig Redlich, Motel, Helene, Wolfgang und Denny Frajmund (Bahnhofstraße/Ecke Hasselbachstraße), Hans Eger, Georg Rosenheim, Hermann Israel sowie Joeph und Pauline Sallinger (Bahnhofstraße 36), Hedwig Wandrow und Heinrich Manneberg (Schönebecker Straße 29/30), Bertha Löwe (Schifferstraße 27), Margot Schrader (Neustädter Straße, zwischen Faßlochsberg und Mühlenstraße) und Abraham Basch (Annastraße 2a).

Damit steigt die Gesamtzahl der Stolpersteine im Stadtgebiet auf nunmehr 65. Verlegt werden alle Stolpersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig. In die Messingoberfläche sind die Namen und biografischen Daten der Opfer, der Zeitpunkt der Deportation und der Deportationsort eingraviert. Seit 1997 setzt Gunter Demnig diese zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader mit eingelassener Messingplatte in den Boden vor ehemalige Wohnhäuser und Wirkungsstätten von Opfern des Nationalsozialismus.

Finanziert werden die Erinnerungsmale ausschließlich durch Spenden. Für künftige Stolpersteine liegen der Stadt bereits weitere Spenden vor. „Die Bereitschaft, mit Spenden die Patenschaft für die Stolpersteine zu übernehmen, verdient Dank und Anerkennung. Je mehr Menschen dieses Projekt mit einer Spende unterstützen, umso mehr Steine können weiterhin verlegt werden“, wirbt Dr. Lutz Trümper gleichzeitig auch für die künftige Unterstützung in der Bürgerschaft.

Ein Stein kostet 95,- Euro. Hinzu kommen 25 Euro für die Pflege sowie für die Dokumentation in einem „Magdeburger Gedenkbuch“, das möglichst viele Angaben über Leben und Schicksal der ermordeten Menschen aufnimmt. Das Buch wird zusammengetragen von Vereinen, Initiativen, Schulklassen und Einzelpersonen und widmet sich der Spurensuche nach dem Lebensweg der Ermordeten – jüdischer Menschen vor allem, aber auch Sinti und Roma oder anderer Opfer. Die Seiten für die neuen Stolpersteine sind bereits gedruckt.

Spenden für weitere Stolpersteine können auf das Konto 140 00 101 bei der Stadtsparkasse Magdeburg (BLZ: 81053272) überwiesen bzw. eingezahlt werden. Als Verwendungszweck muss dabei unbedingt die Ziffernfolge 0.54100.050014.3 angegeben werden.

Die genauen Verlegungszeiten und -orte in Magdeburg:

1. Juli 2008

15.00 Uhr: Familie Blumenfeld/ Zirkus Blumenfeld, Rathenaustraße (ehemals Königsstraße 62 /63; vom Universitätsplatz aus ca. 150 m in Richtung Osten)

ca. 15.45 Uhr: Berthold Rothmann, Ehepaar Redlich, Familie Frajmund, Bahnhofstr. 14 (Bahnhofstraße / Ecke Hasselbachstraße)

ca. 16.15 Uhr: Hans Eger, Ehepaar Sallinger, Hermann Israel und Georg Rosenheim, Bahnhofsstraße 36

ca. 16.45 Uhr: Hedwig Wandrow und ihr Schwiegersohn Heinrich Manneberg, Schönebeckerstraße 29/30 (Engpass)

2. Juli 2008

8.30 Uhr: Familie Berendsohn-Zander, Schützestr. 7 (Große Weinhofstraße 5/6, 20 m in Verlängerung der Westfassade)

ca. 9.00 Uhr: Bertha Löwe, Schifferstraße 27

ca. 9.30 Uhr: Margot Schrader, Große Mühlenstraße – (Neustädter Straße, gegenüber Einmündung Faßlochsberg)

ca. 10.00 Uhr: Abraham Basch, Annastraße 2b (Annastraße 3 / 4)

Weitere Informationen zur Umsetzung des Projekts „Stolpersteine“ in Magdeburg sowie biografische Daten von verfolgten Magdeburger Jüdinnen und Juden finden Sie im Internet unter http://www.magdeburg.de/stolpersteine  

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