„Thor Steinar zu Putzlappen“

Am vergangenen Freitag wurde der bundesweit erste Altkleidercontainer speziell für Kleidung der Marke „Thor Steinar“ seiner Bestimmung übergeben. Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg stellte die Tonne gegenüber dem „Narvik“ im Hundertwasserhaus auf.

Getreu dem offiziellen Motto der Landeshauptstadt waren die beiden Verkäuferinnen des „Narvik“ sichtlich überrascht, als sie am Freitagmorgen eine verhüllte Tonne nur wenige Meter von der Eingangstür des Ladens entfernt vorfanden. Um 11 Uhr wurde die Altkleidertonne in Anwesenheit von etwa 40 Bürgerinnen und Bürgern feierlich enthüllt. Von allen vier Seiten ist deutlich der Spruch „Thor Steinar zu Putzlappen“ zu erkennen. Mitglieder des Bündnis gegen Rechts brachten zusätzlich Informationstafeln an, um auf die Bedeutung der in rechtsextremen Kreisen beliebten Modemarke für das Einsickern in der viel zitierten Mitte der Gesellschaft hinzuweisen. Ziel ist es, die seit Ende Juli 2007 regelmäßig stattfindenden Proteste so lange fortzuführen, bis der Laden schließt, so ein Sprecher des Bündnis.

Am Tag der Aktion meldete die Magdeburger Volksstimme, dass die Berufungsverhandlung um das Ladenlokal „Narvik“ vor dem Oberlandesgericht Naumburg nicht vor August eröffnet werden wird. Zum einen habe das Gericht Terminprobleme und zum anderen müsse die Räumungsklage noch einmal vor dem Landgericht Magdeburg verhandelt werden. Dieses hatte bereits am 13. Februar 2008 der Klage des Vermieters, dem Siedlungswerk St. Gertrud, entsprochen. In der Urteilsbegründung gab das Gericht an, dass Uwe Meusel, Mieter des Ladenlokals „Narvik“, dem Vermieter bei der Aufstellung der Sortimentsliste den Verkauf der Marke „Thor Steinar“ hätte angeben müssen. So hob das Gericht deutlich auf die gesellschaftliche Debatte um das Mode-Label ab: „In der Öffentlichkeit wird die Marke mit einem Bezug zur rechtsradikalen Szene wahrgenommen und dies gilt unabhängig davon, ob die Marke tatsächlich nur von Szeneangehörigen getragen wird.“ In Folge dessen sah das Gericht den Tatbestand der arglistigen Täuschung für gegeben und den Mietvertrag somit für nichts rechtskräftig. Der Verkauf im „Narvik“ geht unterdessen weiter.

Doch nicht nur in Magdeburg wird vor Gericht um „Thor Steinar“ gestritten. Wie die Frankfurter Rundschau am 16. April berichtete, wird der Prozess gegen die Media Tex GmbH wegen Verstoßes gegen das Markengesetz nicht vor dem Potsdamer Amtsgericht eröffnet. Das Gericht erklärte sich für „örtlich unzuständig“ und übergab die Akten an das Bonner Amtsgericht. Hintergrund war eine Anzeige des Staates Norwegen wegen „widerrechtlicher Verwendung staatlicher Hoheitszeichen“. Dass die norwegische Flagge auf unzähligen T-Shirts, Pullovern und Jacken der Marke „Thor Steinar“ gestickt worden war, war für Andreas Gaarder, den norwegischen Gesandten in Berlin, ein unerträglicher Zustand: „Wir wollen, dass unsere Staatsflagge als Symbol des demokratischen Norwegens nicht weiter in Verbindung mit dem rechtsextremen Milieu gebracht wird.“ In Folge der Anzeige erhielt die Media Tex GmbH einen Bußgeldbescheid über 2000 Euro vom Bundesamt für Justiz. Gegen diesen legte Uwe Meusel als Geschäftsführer Einspruch ein. Wann das Verfahren nun vor dem Amtsgericht Bonn eröffnet wird, ist noch offen. In der aktuellen Frühjahrskollektion hat die Media Tex GmbH bereits auf die Verwendung der norwegischen Flagge verzichtet – vermutlich rechnet sich die Firma vor Gericht keine großen Chancen aus.

Unterdessen wurden die Informationstafeln an dem Altkleidercontainer in der Magdeburger Innenstadt in der auf die Aktion folgenden Nacht bereits gewaltsam entfernt. Das Bündnis gegen Rechts ruft zu Spenden für die Wiederanbringung auf.

Kontoinhaber: Miteinander e.V.
Kontonummer: 84 73 400
Bankleitzahl: 810 205 00
Kreditinstitut: Bank für Sozialwirtschaft Magdeburg
Verwendungszweck: Thor Steinar zu Putzlappen

Der Altkleidercontainer vor dem \"Narvik\"

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