Aufruf zur BücherMeile für Demokratie

November 9, 2009

Die ökumenische Initiative „hingucken… denken… einmischen…“ hat in den letzten zwei Jahren mit verschiedenen öffentlichen Aktionen, Stellung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit bezogen. So ist zeigen viele Magdeburgerinnen und Magdeburger am Haus der Lehrer Gesicht gegen Nazis, eine Straßenbahn wirbt auf der Straße für mehr Toleranz. Für die „2. Meile der Demokratie“ im kommenden Jahr plant die Initiative eine neue Aktion namens Bookcrossing und sucht hierfür Literatur zum Themenfeld, die dann am zweiten Januar-Wochenende in der Stadt kusieren werden. Im Folgenden dokumentieren wir den Aufruf.

Sie kennen unsere ökumenische Initiative „hingucken… denken… einmischen“ in Magdeburg!?
Seit 2007 machen wir mit unseren Aktionen Menschen auf Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aufmerksam. In diesem Themenkontext sind wir mit zahlreichen Akteur|innen vernetzt.

Meile der Demokratie

Im Januar 2009 fand in Magdeburg die erste „Meile der Demokratie“ statt.
Dazu haben wir die politische Kunstaktion „Magdeburg zeigt Gesicht gegen Nazis!“ am „Haus der Lehrer“ installiert – ein bis heute sichtbares Zeichen des demokratischen Engagements der Magdeburger|innen.
Zur 2. Meile der Demokratie, am 16. Januar 2010, werden wir erneut mit einer Aktion in die Öffentlichkeit gehen und hoffen auf Ihre Unterstützung!

BücherMeile für Demokratie

Um die Menschen auf das Thema und die „Meile der Demokratie“ aufmerksam zu machen, brauchen wir zahlreiche Bücher:
Informationen zum Rechtsextremismus, Bücher über Demokratie oder Zivilcourage, Sachbücher, Erinnerungen, Erzählungen zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust, Romane, Krimis, Jugend- und Kinderbücher, die für Toleranz und Weltoffenheit werben, Bücher, die von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, …
Diese Bücher werden von uns über www.bookcrossing.com registriert, mit einer Identifikationsnummer gekennzeichnet und gegen Witterungseinflüsse geschützt, um sie anschließend in Magdeburg zu verteilen.
Am 9./10. Januar lassen wir diese Bücher „frei“, d.h. wir verschenken sie auf der Strasse und legen sie in der Öffentlichkeit aus: in Hauseingängen, auf Bänken, an Haltestellen und Bäumen. Die Bücher sollen gefunden und mitgenommen werden.
Die Finder|innen eines Buches sind gebeten, ihren Fund mit einer Nachricht im Internet einzutragen, so kann mit etwas Glück, die weitere Reise des Buches verfolgt werden.
Dies ist das Prinzip von Bookcrossing, an dem sich weltweit über 800.000 Menschen beteiligen. In Deutschland sind es derzeit fast 55.000 Menschen.
Damit wir bei der Aktion viele Bücher „unter das Volk bringen“ können, brauchen wir Ihre Bereitschaft, Bücher aus dem eigenen Fundus für dieses Bookcrossing abzugeben und uns diese bis zum 21. Dezember zukommen zu lassen.
Selbstverständlich werden wir in unserer Öffentlichkeitsarbeit – und in den Büchern – auf die Spender|innen der Bücher hinweisen.
Bitte bringen Sie uns Ihre Bücher bis zum 21. Dezember 2009 vorbei bzw. senden Sie uns diese an:

„hingucken… denken… einmischen“
c/o Bischöfliches Ordinariat, Maria Faber
Max-Josef-Metzger-Str. 1
39104 Magdeburg

Fragen direkt an: maria.faber [at] bistum-magdeburg [dot] de; Telefon 03 91 / 5 96 11 95.


Nach Riegers Tod: Kein Geld für NPD und Co.

November 5, 2009

Einem Bericht des NDR info zufolge, regelt ein Testament die Erbschaft des Hamburger Neonazis Jürgen Rieger. Demnach vermachte der umtriebige Rechtsanwalt und Immobilienbesitzer sein ganzes Vermögen den Kindern. Diese teilten jedoch nicht die Vorlieben des Vaters für Wehrmachtsfahrzeuge, Wehrsportübungen und eine völkische „Fruchtbarkeitsforschung“. Die NPD dürfte somit noch stärker in die finanzielle Krise geraten, nachdem der Bundesvize Rieger der Partei in den zurückliegenden Jahren mehrere Darlehen gewährt hatte.


Woche der jüdischen Kultur und Geschichte in Magdeburg 2009

Oktober 21, 2009

Donnerstag, 22. Oktober 2009
Ab 18.00 Uhr
Forum Gestaltung, Brandenburger Straße 10, Magdeburg
Eröffnung der Woche der jüdischen Kultur und Geschichte
Eröffnung der Ausstellungen
Begrüßung: Norbert Pohlmann, Geschäftsführer Forum Gestaltung
Grußwort: Dr. Lutz Trümper, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Magdeburg
Musikalische Umrahmung: Chor „Koll Jehudim“, Leitung Svetlana Ozerskaia

Ausstellungen

Die Aktion Stolpersteine in Magdeburg, Forum Gestaltung
Julius Klinger – große Kunst ganz klein. Erinnerungen an den jüdischen Lehrer der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule zu Magdeburg. Forum Gestaltung

Neue Heimat Magdeburg – Fotografien und Bilder von Ina Berman, Verein „Meridian“
Musikalische Umrahmung: Daniel Laiter (Klavier)

Fotos vom Leben auf dem Lande oder Wenn Wundersamen aufgehen – Elena Kolcova, Verein „Ludwig Philippson“
Musikalische Umrahmung: Dobrin Stanislawow (Geige)

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Mützen für einen klaren Kopf und gegen soziale Kälte

Oktober 20, 2009

Die Evangelische Hoffnungsgemeinde aus Magdeburg engagiert sich seit Beginn der 1990er Jahre für die soziale und politische Integration von Migrant/innen. Aktuell rufen die Gemeindemitglieder mit der Aktion „Mützen für einen klaren Kopf und gegen soziale Kälte“ für Zivilcourage im Alltag auf. Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, Mützen zu häkeln oder zu stricken. Diese sollen auf der „2. Meile der Demokratie“ am 16. Januar 2010 in Magdeburg verkauft werden. Der Erlös kommt Miteinander e.V. zugute. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins bedanken sich herzlich bei den engagierten Mitgliedern der Hoffnungsgemeinde und allen Magdeburgerinnen und Magdeburgern, die die Aktion unterstützen.

An der Schönebecker Gaststätte Pionier Haus wurde nachts ein 23-Jähriger gnadenlos zusammengeschlagen. Der Mann irakischer Herkunft war eingeschritten, als vier Männer und eine Frau die Außenlampen einer Gaststätte mit einer Metallstange demolierten. Man friert, wenn man das in der Volksstimme vom 9. Oktober liest. Gerade erst hatten wir von Dominik Brunner gehört, dem couragierten Mann auf einem Münchener S-Bahnsteig, dem seine Zivilcourage zum Verhängnis wurde. Was denken wir, wenn wir das hören, lesen? Geht es uns etwas an oder lässt es uns kalt? Sagen wir: Zivilcourage jetzt erst recht! Oder geben wir Verantwortung an Politik, Schule, Kirche, Jugendverbände ab und gehen selbst zur Tagesordnung über.

Dominik Brunner hatte einen klaren Kopf, der sich nicht einreden ließ, dass gewaltbereite Jugendliche in einer S-Bahn hingenommen werden dürften. Der namenlose Iraker aus Schönebeck hatte einen ebensolchen klaren Kopf, dem Randale mit Metallstangen nicht kalt ließen.
Unsere Demokratie wird auch in Zukunft nur funktionieren, wenn jeder und jede von uns sich um solch einen klaren Kopf, der sich einmischt, bemüht.

Der Verein „Miteinander e.V.“, der unlängst sein 10-jähriges Bestehen feierte, kümmert sich seit Jahren durch fundierte Bildungsarbeit um „klare Köpfe“ in Magdeburg und ganz Sachsen Anhalt. Ihm und anderen Initiativen ist es zu verdanken, daß es am 16. Januar 2010 erneut eine „Meile der Demokratie“ in unserer Stadt geben soll. Für diese 2. Meile ruft die Hoffnungsgemeinde mit „Cafe Krähe“ alle Magdeburger und Magdeburgerinnen auf, in den kommenden Herbstwochen „Mützen für einen klaren Kopf“ und gegen soziale Kälte zu stricken, häkeln, nähen, filzen usw. Geben sie ihrer Zivilcourage eine Form. Die Mützen können bis Anfang Januar in der Hoffnungsgemeinde abgegeben werden. Auf der „Meile der Demokratie“ werden sie gegen eine Spende für „Miteinander e.V“ an jedermann abgegeben. Wenn noch Mützen übrigbleiben, werden diese den Kindern in Njombe (Tansania) überbracht werden.

Pfarrerin Gabriele Herbst (9. Oktober 2009)


Lesung mit Claudia Hempel „Wenn Kinder rechtsextrem werden“

Oktober 16, 2009

Die Autorin Claudia Hempel stellt am Donnerstag, den 5. November, um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Magdeburg ihr Buch „Wenn Kinder rechtsextrem werden – Mütter erzählen“ vor. Der Eintritt zur gemeinsamen Veranstaltung der Stadtbibliothek Magdeburg und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt ist frei.

In der Information des Zu Klampen! Verlages heißt es über das Buch von Claudia Hempel „Wenn Kinder rechtsextrem werden – Mütter erzählen“:

Warum gerade ich? Warum gerade mein eigenes Kind? Warum hilft mir keiner? Bedrängende Fragen von Müttern, deren Kinder Neonazis sind. Dieses Buch läßt Mütter über das Ringen um ihre Kinder erzählen und bietet Hilfe.
Sie sitzen im Wohnzimmer mit den Fotos ihrer Kinder vor sich: Babys, Kleinkinder, Schulkinder mit offenen, lebendigen Gesichtern und großen Augen, die neugierig in die Welt blicken. Heute aber sind aus den niedlichen Kleinen Neonazis geworden, brutale Schläger mit Glatze und Bomberjacke oder auch Vordenker der rechtsextremen Szene. Verzweifelt berichten die Mütter von durchweinten Nächten, handfesten Auseinandersetzungen, Versagensängsten und Schuldgefühlen; wie sie Rat gesucht haben und von Schuldirektoren mit der Begründung abgewiesen wurden, es gebe hier kein rechtsextremes Problem; wie Lehrer mit den Schultern zuckten und meinten, sie hätten zwar einen Bildungs-, aber keinen Erziehungsauftrag; wie Nachbarn weggeschaut haben, wenn die Jugendlichen der Eigenheimsiedlung plötzlich mit Springerstiefeln und Reichskriegsflagge in die Schule gingen; und wie sie auf dem Jugendamt selbst verantwortlich gemacht wurden – denn wer sich scheiden lasse, brauche sich ja nicht wundern, wenn das Kind plötzlich rechtsextrem werde. Diese Mauer des Schweigens, die Ignoranz, die mangelnde politische Aufklärung sind das, was Eltern – jenseits der innerfamiliären Tragödie – hilf- und oft auch mutlos macht. »Wenn Kinder rechtsextrem werden« jedoch zeigt: Sie sind nicht allein.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


„Meine deutsche Mutter“ – Die Abrechnung eines „Hitler“-Kindes

September 2, 2009

Lesung mit Niklas Frank am 9. September um 19.00 Uhr im einewelt haus

Niklas Frank - Meine deutsche MutterAm 9. September 2009 liest Niklas Frank ab 19.00 Uhr im einewelt haus in Magdeburg, Schellingstraße 3–4, aus seinem Werk „Meine deutsche Mutter“.
Schockierend und berührend zugleich rechnet Niklas Frank in seinen Werken mit seinen Eltern ab. Dies birgt für die Zuhörer ungeheueres Diskussionspotenzial in sich. Er nimmt es nicht hin, er rechnet ab.

Niklas Frank wurde 1939 in München als Sohn des nationalsozialistischen Politikers Hans Frank, bekannt als der und dessen Frau Brigitte (geb. Herbst) geboren. Sein Vater war zwischen 1939 und 1945 als Generalgouverneur im besetzten Polen an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt und wurde auch als Schlächter von Polen bekannt, seine Mutter als (selbsternannte) „Königin von Polen“.

Nachdem sein Vater im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt, 1946 zum Tode verurteilt und gehängt wurde und seine Mutter 1959, kurz nach seinem 20. Geburtstag, starb, begann für Frank, der Germanistik, Soziologie und Geschichte studierte, ein weiter Weg auf der Suche nach der Wahrheit über seinen Vater und das Dritte Reich. Er wurde Journalist und 1979 Auslandsreporter beim deutschen Wochenmagazin Stern.

1987 sorgte er mit dem Buch über seinen Vater „Der Vater. Eine Abrechnung“ für Aufsehen. Frank rekonstruierte das Leben seines Vaters aufgrund jahrelanger Recherchen, in deren Verlauf er erkennen musste, welch ungeheuren Ausmaßes die Verbrechen des Vaters waren. Das Buch wurde zunächst als Serie mit dem Titel „Mein Vater, der Nazimörder“ in der deutschen Illustrierten „Stern“ veröffentlicht und löste heftige Kontroversen aus.

2005 folgte dann im Buch „Meine deutsche Mutter“ eine ebenso harte Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter.

„‘Meine deutsche Mutter’ ist das äußerst lesenswerte Porträt einer Frau, die der liebende Sohn nicht verkitscht zur ewig ahnungslosen Mutti mit fünf Kindern an der Seite des mächtigen Nazi-Gemahls.“ (Stern)

Wir behalten uns vor, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


Lesetipp: „Das Buch gegen Nazis“

August 24, 2009

Erste Hilfe gegen Nazis – das Handbuch zum Rechtsextremismus

Das Buch gegen NazisEine neue Studie zeigt: Neonazis haben unter Schülern immer mehr Zulauf. Rassismus und Fremdenhass nehmen zu in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Was tun gegen Nazis? Erste Hilfe bietet dieses Buch.

Rechtsextremismus breitet sich aus, nicht nur unter Jugendlichen. Neonazis erkennt man längst nicht mehr an Springerstiefeln und Glatze. Ihre Anführer geben sich cool – sie locken mit Musik, Abenteuern und modischem Chic.

Immer mehr Menschen fragen: Was tun? Welche Rezepte gibt es, um friedlich und kreativ gegen Rechtsextreme und Rassisten vorzugehen – sei es als Nachbar, im Sportverein, in der Schule oder am Arbeitsplatz? Und was ist Rechtsextremismus überhaupt? Soll man mit Nazis eigentlich diskutieren? Woran erkenne ich die?

Wie soll man auf Drohungen von Rechtsextremisten reagieren? Was tue ich, wenn meine beste Freundin plötzlich NPD wählt? Hilft ein Verbot der Partei? Und sind Sitz blockaden bei Neonazi-Demonstrationen eigentlich strafbar?

Das Buch gegen Nazis vermittelt kompaktes Wissen und gibt praktische Tipps. Es stellt beispielhafte Initiativen vor und empfiehlt Ansprechpartner für Ratsuchende.

Ein Anhang mit zahlreichen Fotos erklärt die Erkennungszeichen der Nazis von heute.

Mit Vorworten von Thomas Krüger und Giovanni di Lorenzo und Beiträgen von zahlreichen Fachautoren.

Ein Projekt der ZEIT und der Bundeszentrale für politische Bildung

Toralf Staud und Holger Kulick „Das Buch gegen Nazis“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch, 303 S., 12,95 Euro)


Kundgebung am 2. Juli: „Kein Ort für Nazis!“

Juni 25, 2009

Kundgebung "Kein Ort für Nazis"

Gegen den Einzug der rechtsextremen NPD in den Magdeburger Stadtrat!
Kungebung am 2. Juli 2009

Erstmalig wird ein Mitglied der rechtsextremen NPD als gewählter Vertreter in den Magdeburger Stadtrat einziehen. Nachdem der stimmenmäßig stärkste NPD-Kandidat Michael Grunzel seinen Verzicht erklärt hat, rückt nun Matthias Gärtner nach. Mit 4.019 Stimmen bzw. 2,01 Prozent schnitt die NPD im Vergleich aller in Magdeburg angetretenen Parteien und Wählervereinigungen am schlechtesten ab. Ihr selbst erklärtes Ziel, den Einzug in Fraktionsstärke, verfehlte die rechtextreme Partei deutlich. Der Anspruch auf eine Fraktionsgeschäftsstelle mit einem/r Mitarbeiteiter/in, finanziert aus öffentlicher Hand, ist damit verwirkt. Alle demokratischen Mandatsträger/innen schlossen vor und nach der Wahl mit Verweis auf die antidemokratische und menschenverachtende Programmatik der NPD jegliche Zusammenarbeit mit ihrem Vertreter aus. Dennoch ist zu erwarten, dass Matthias Gärtner den Stadtrat als Bühne zur öffentlichen Propagierung der rechtsextremen Ideologie sowie für aggressive verbale Angriffe auf Mitglieder der demokratischen Fraktionen missbrauchen wird.

Kein Ort für Nazis!
Gegen den Einzug der NPD in den Magdeburger Stadtrat!

Das Bündnis gegen Rechts ruft daher alle Magdeburgerinnen und Magdeburger auf, am Donnerstag, den 2. Juli 2009, ab 13.30 Uhr Gesicht gegen Rechtsextremismus vor dem Magdeburger Rathaus zu zeigen.

Ab 14.00 Uhr werden die Mandatsträger/innen im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Stadtrates vereidigt. Die Besucher/innentribüne steht allen Interessierten offen.

Zum Hintergrund

Die NPD begreift sich selbst als systemoppositionelle Kraft. Ihre Weltanschauung beruht auf der Idee der Ungleichwertigkeit von Menschen. Sie ist rassistisch, antisemitisch und nationalistisch. Sie lehnt sowohl universell geltende Menschenrechte als auch die Demokratie ab und propagiert stattdessen das Gesellschaftsmodell einer homogenen Volksgemeinschaft in einem autoritären Staat. Die konstruktive Diskussionskultur der parlamentarischen Demokratie betrachtet die NPD als überflüssig. Effiziente Politik wird in ihren Augen allein von politischen Soldaten gemacht, die als unabhängige Führungspersönlichkeiten Entscheidungen von oben fällen. Vor diesem Hintergrund – und in Anlehnung an die so genannte Machtergreifung der Nationalsozialisten – dient ihr der Parlamentarismus nur als Mittel zur Abschaffung der Demokratie.

Der 25-jährige Politikstudent Matthias Gärtner gilt als einer der „intellektuellen“ Köpfe der rechtsextremen Szene in Sachsen-Anhalt. Er ist stellvertretender Vorsitzender des NPD-Landesverbandes und stellvertretender Bundesvorsitzender der JN. Gärtner war 2007 Mitbegründer des „Nationalen Bildungskreises“ (NBK), der auf die „Manifestierung einer geistigen Gegenelite“ im Sinne des Rechtsextremismus abzielt. An der Otto-von-Guericke-Universität gründete er die rechtsextreme Hochschulgruppe „Studentische Interessen“, konnte diese jedoch nicht dauerhaft etablieren. Gärtner ist auch als Autor des JN-Periodikums „Hier & Jetzt“ und bei rechtsextremen Aufmärschen in Sachsen-Anhalt präsent. So nutzte er im November 2008 eine neonazistische Demonstration „gegen Kindesmissbrauch“, um gegen den „negriden Präsidenten Kanack…äh…Barack Obama“ zu hetzen. Bei
der Eröffnung einer Ausstellung zum Thema „Neofaschismus in Deutschland“ in Berlin-Marzahn 2008 bezeichnet er die Bundesrepublik Deutschland als „schwach und verkommen“. Nach der Räumung eines rechten Objektes in Magdeburg-Neustadt im August 2008 drohte Gärtner den Verantwortlichen von Polizei und Innenministerium: „Die Gestalten machen es nicht mehr lange und die Knüppelschwinger von einst sind dann nicht Vergessen. Versprochen!“


Ein Zeichen der Erinnerung und Hoffnung

Juni 3, 2009

Einweihung eines Gedenksteins für getöteten Rick L. in Magdeburg

„Genau 290 Tage ist es nun her, dass einer der liebevollsten und unschuldigsten Menschen, die ich kannte, an dieser Kreuzung auf grausamste Art und Weise ermordet wurde.“ Die junge Frau, die mit dem angehenden Kunststudenten Rick L. eng befreundet war, ringt bei ihrer Ansprache mit den Tränen. Mehr als 50 Menschen hatten sich am Vormittag des 2. Juni 2009 im Magdeburger Stadtteil Reform zusammengefunden. Magdeburgs Oberbürgermeister, zwei Beigeordnete, zahlreiche Stadträte sowie Vertreter/innen des Bündnis gegen Rechts weihten gemeinsam mit Familienangehörigen und Freund/innen in unmittelbarer Nähe zum Tatort einen Gedenkstein für Rick L. ein. Der junge Mann wurde am 16. August 2008 nach dem Besuch einer Diskothek von einem bekennenden Neonazi durch Schläge und Tritte so schwer verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte.

Mehr als 50 Menschen beteiligten sich an der Einweihung des Gedenksteins für Rick

Breite Solidarität

Familienangehörige und Freund/innen von Rick L. fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie vom Geschwister-Scholl-Gymnasium, an dem der junge Mann ein Jahr zuvor sein Abitur ablegte, und der Mobilen Opferberatung bei Miteinander e.V.. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen.

Der Eigentümer eines Teppichmarktes, auf dessen Grundstück Rick L. in einem Gebüsch liegend verstarb, verweigerte den Hinterbliebenen jegliche Unterstützung und damit die Aufstellung des Steins auf seinem Firmengelände. Die Initiator/innen wandten sich daraufhin an den Magdeburger Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. Die Stadt sicherte Hilfe zu. Das Tiefbauamt stellte den Stein zur Verfügung, und der städtische Eigenbetrieb „Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg“ fertigte die Gedenkplatte an. Die Inschrift lautet: „Im Gedenken an Rick. Rick wurde am 16.08.2008 an dieser Kreuzung durch feige und sinnlose Gewalt aus unserem Leben gerissen. In unserem Herzen wirst du immer weiter leben! Familie und Freunde von Rick.“ Der Gedenkstein wurde wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.
Im Gedenken an Rick

Gedenkstein als Zeichen der Hoffnung für Zivilcourage

Heike Kleffner von der Mobilen Opferberatung lobte die unbürokratische Hilfe des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung als politisches Signal gegen Rechtsextremismus. Der Stein stelle für sie nicht nur ein Ort der Erinnerung an Rick sondern auch ein Zeichen der Hoffnung dar, „dass rechte Gewalt zukünftig keine Todesopfer mehr fordert. Ein Zeichen der Hoffnung dafür, dass mehr Bürger einschreiten werden, wenn andere Menschen von Rechtsextremen angepöbelt oder gar angegriffen werden.“ Die Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene kostete allein in Magdeburg seit 1990 drei jungen Männern das Leben, deutschlandweit sind es über 135.

Acht Jahre Jugendhaft für Neonazi – Verteidiger legt Revision ein

Die Polizei nahm am 18. August 2008 Bastian O., der bis Anfang 2008 bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung eine Haftstrafe abgesessen hatte, unter dringendem Tatverdacht fest. Während der Gerichtsverhandlung vom Dezember 2008 bis Mai 2009 machte der Neonazi aus seiner Gesinnung keinen Hehl. Mit kahl rasiertem Schädel und einer Jacke der bei Rechtsextremen beliebten Marke „Thor Steinar“ verfolgte Bastian O. im Dezember 2008 die Verlesung der Anklageschrift. Fernsehbilder zeigen, wie der Neonazi bei der Urteilsverkündung einen Ring mit der „Schwarzen Sonne“, einem von der SS im Nationalsozialismus verwendetes Symbol, trägt. Das Landgericht Magdeburg sah es als erwiesen an, dass Bastian O. den jungen Mann zu Tode geprügelt und im Anschluss beraubt hat. Das Strafmaß sah acht Jahre Jugendhaft vor. Nach Informationen des Bündnis gegen Rechts Magdeburg hat der Verteidiger inzwischen Revision gegen das Urteil eingelegt.

Aufruf zu Spenden

Freundinnen und Freunde von Rick L. haben im vergangenen Jahr am Tatort mit Grabkerzen und Blumenschmuck ein kontinuierliches Gedenken an den angehenden Kunststudenten aufrecht erhalten. Sie wollen diese Form der Erinnerung auch am Gedenkstein fortführen. Da Unbekannte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Grabkerzen und Blumenschmuck zerstörten, bitten wir im Namen der Freundinnen und Freunde von Rick L. um Spenden für Grabkerzen und Blumenschmuck am Gedenkstein. Die Spenden werden vom „Opferfonds“ an die Freundinnen und Freunde weitergeleitet und sind steuerlich abzugsfähig.

Spendenkonto:
Kto.-Nr: 53 53 53
BLZ 810 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Kontoinhaber: Miteinander e.V.
Stichwort: Opferfonds / Würdiges Gedenken


Öffentliche Einweihung des Gedenksteins für Rick L.

Mai 31, 2009

Dienstag, den 2. Juni 2009, 11.00 Uhr, Magdeburg-Reform, Pallasweg, Ecke Hektorweg
Redner/innnen: Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper, Freund/innen von Rick L., Mobile Opferberatung

Am kommenden Dienstag, den 2. Juni 2009, wird der Gedenkstein für den am 16. August 2008 von einem Neonazi getöteten 20-jährigen angehenden Kunststudenten Rick L. in Sichtweite zum Tatort öffentlich eingeweiht. Dank der schnellen und unbürokratischen Unterstützung durch die Stadt Magdeburg und des Büros des Oberbürgermeisters wird damit der Wunsch der Angehörigen und Freund/innen nach einem würdigen Gedenken an Rick L. umgesetzt. Der Gedenkstein trägt die Inschrift: „Im Gedenken an Rick. Rick wurde an dieser Kreuzung am 16.08.2008 durch feige und sinnlose Gewalt aus unseren Herzen gerissen. ‚In unseren Herzen wirst du immer weiter leben.’ Familie und Freunde von Rick“.

Der gewaltsame Tod von Rick L. durch einen 20-jährigen, einschlägig vorbestraften Neonazi gehört zu den Tötungsdelikten aus dem Jahr 2008, die auch das Bundesinnenministerium als politisch rechts motiviert wertet. Zur Erinnerung: Am 19. Mai 2009 verurteilte das Landgericht Magdeburg den u.a. wegen Körperverletzung und Volksverhetzung vorbestraften Neonazi Bastian O. zu einer Jugendhaftstrafe von acht Jahren wegen Totschlags. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Bastian O., nachdem ihn Rick L. bei einem zufälligen Zusammentreffen nach einem Besuch der Diskothek „Fun Park“ als „Hobbynazi“ bezeichnet hatte, mit unzähligen Schlägen und Tritten tödlich misshandelte.

Ein wichtiges Zeichen

„Die Errichtung des Gedenksteins ist ein wichtiges Zeichen, dass die tödliche Dimension rechter Gewalt in Magdeburg nicht länger verschwiegen wird,“ sagt eine Sprecherin der Mobilen Opferberatung. Denn seit 1990 starben in Magdeburg bei rechten Gewalttaten mindestens drei junge Menschen aus der Punk-Szene und aus nicht-rechten Jugendkulturen: Am 9. Mai 1992 wurde Thorsten Lamprecht bei einem Überfall von etwa 60 Neonaziskins auf eine Punkparty in dem Magdeburger Lokal „Elbterrassen“ mit einem Baseballschläger schwer verletzt. Der damals 23-jährige Punk starb an den Folgen der Verletzungen. Am 8. Februar 1997 starb in Magdeburg-Olvenstedt der 17-jährige Frank Böttcher an einer Straßenbahnhaltestelle an den tödlichen Messerstichen eines gleichaltrigen Naziskinheads.

Rick L., Frank Böttcher und Thorsten Lamprecht starben, weil sie im Weltbild der extremen Rechten als Nicht-Rechte, Alternative und Punks zu den politischen Gegnern gehören, die mit allen Mitteln und entgrenzter Gewalt bekämpft werden. Viele andere Betroffene aus nicht-rechten Jugendkulturen sind seit 1990 in Magdeburg bei rechten Angriffen verletzt worden; einige leiden dauerhaft unter den körperlichen und psychischen Folgen der Gewalttaten.

Aufruf zu Spenden

Freundinnen und Freunde von Rick haben im vergangenen Jahr am Tatort mit Grabkerzen und Blumenschmuck ein kontinuierliches Gedenken an den angehenden Kunststudenten aufrecht erhalten. Sie wollen diese Form der Erinnerung auch am Gedenkstein aufrecht erhalten. Da in den vergangenen Wochen und Monaten sowohl Grabkerzen als auch Blumenschmuck immer wieder von Unbekannten zerstört wurden, bitten wir im Namen der Freundinnen und Freunde von Rick L. unter dem Stichwort „Würdiges Gedenken“ um Spenden für Grabkerzen und Blumenschmuck am Gedenkstein. Die Spenden werden vom „Opferfonds“ an die Freundinnen und Freunde von Rick L. weitergeleitet und sind steuerlich abzugsfähig.

Spendenkonto:
Kto.-Nr: 53 53 53
BLZ 810 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Kontoinhaber: Miteinander e.V.
Stichwort: Opferfonds / Würdiges Gedenken